Bundesliga

Corona-Maßnahmen treffen auch den Sport hart

28. Oktober 2020, 15:59 Uhr
Leere Ränge werden das Geschehen demnächst wieder bestimmen. Foto: firo

Leere Ränge werden das Geschehen demnächst wieder bestimmen. Foto: firo

Geisterspiele in den Bundesligen, Stillstand im Amateurbereich: Der deutsche Sport wird von den verschärften Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern hart getroffen. Viele Vereine stehen vor dem Nichts.

Sorgenvoll und mahnend verkündete Angela Merkel die drastischen Corona-Beschränkungen, die den deutschen Sport in eine tiefe November-Depression stürzen. In den Bundesligen, auch im Profifußball, dürfen ab der kommenden Woche nur noch Geisterspiele ausgerichtet werden, im Freizeit- und Amateurbereich wird der Betrieb fast gänzlich untersagt. „Wir brauchen im November eine nationale Kraftanstrengung“, begründete die Bundeskanzlerin die am Mittwoch mit den Ländern angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen beschlossenen Maßnahmen. Der Sport spielte während der Pressekonferenz keine Rolle - wird aber hart zu kämpfen haben.

Im Basketball, Handball, Eishockey oder Volleyball sind die Vereine stark auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Die Anordnung der Geisterspiele widerspreche „eigentlich dem, was wir letzte Woche mit den Chefs der Staatskanzleien besprochen haben“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Da war der Tenor noch eindeutig: Der Sport hat seine Hausaufgaben gemacht und trägt nicht zum Infektionsgeschehen bei.“

Merkel betonte in ihren Ausführungen, bei hohen Corona-Zahlen könne nicht mehr gesagt werden, „dass ein bestimmter Bereich nicht zur Infektion beiträgt“. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder betonte, es stünden „ganz schwere Wochen für die Bevölkerung“ bevor. „Das bisher Getane reicht nicht, wir müssen mehr tun“, sagte der CSU-Chef, er äußerte aber auch mit Nachdruck: „Wir werden Corona überstehen, es gibt auch ein Morgen.“

Die 36 Vereine der Deutschen Fußball Liga müssen sich nicht gänzlich auf eine neue Situation einstellen: Bereits in den vergangenen Wochen hatte es aufgrund steigender Infektionszahlen zahlreiche Spiele ohne oder nur mit wenigen Hundert Zuschauern gegeben. Am Mittwoch kündigten Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 an, dass am kommenden Wochenende keine Fans zugelassen werden.

Ein umfassendes Hygienekonzept hatte dem Profifußball im vergangenen Frühjahr die Wiederaufnahme des Spielbetriebes mit Geisterspielen ermöglicht. Für die aktuelle Saison erhielten die DFL wie der gesamte Sport von der Politik grünes Licht, zumindest bis zu 20 Prozent der Gesamtkapazität der Stadien auslasten zu dürfen. Genutzt werden konnte das in den wenigsten Fällen.

Dass Geisterspiele das Minimum für das wirtschaftliche Überleben der Vereine sind, hatten zuletzt mehrere Bundesliga-Funktionäre betont. „Wenn wir die auch nicht mehr haben sollten, dann wird es ganz eng“, hatte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im ZDF gesagt. In den anderen Profi-Ligen sieht es dagegen bereits jetzt düsterer aus.


„Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe dafür“, sagte Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, zu der Entscheidung aus der Politik. „Es werden von uns Hygienekonzepte verlangt, für die wir viel Geld in die Hand nehmen und mit ausgewiesenen Experten zusammenarbeiten. Und obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Konzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter.“

Der BBL-Chef fügte aber hinzu: „Aber jetzt warten wir die genauen Beschlüsse erst einmal ab. Vielleicht gibt es ja noch etwas Kleingedrucktes, das Ausnahmen zulässt.“ Er sei froh, dass die Ligen zumindest ohne Zuschauer spielen dürfen. „Von daher schwankt meine Gefühlslage gerade zwischen Frust und Erleichterung“, sagte Holz. Die BBL will am 6. November in ihre neue Saison starten.

Unterschiedliche Vorgaben in den Ländern soll es nicht geben. „Die Entscheidungen gelten bundesweit“, sagte Merkel. Söder betonte, die Maßnahmen seien „kurzfristig hart, aber langfristig milder, als nichts zu tun“.

Die Auswirkungen auf den Amateursport dürften extrem sein. Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen. Der Betrieb wird eingestellt, Vereine dürfen nicht mehr trainieren. Allein der Individualsport, also etwa alleine joggen gehen, ist weiter erlaubt. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, hatte noch am Dienstag auf „Fingerspitzengefühl“ der Politik gehofft.

„Von den 90 000 Vereinen als einzigartigem „sozialen Tankstellennetz“ in Deutschland bis zum Spitzensport haben alle Verantwortlichen bis heute höchst diszipliniert und vorbildlich bei der Bewältigung der Pandemie gewirkt“, hatte er gesagt. In der „nun bevorstehenden schwierigen Phase kann und wird der Sport weiterhin Teil der Lösung und nicht des Problems sein“. Bund und Länder folgten dieser Argumentation offenbar nicht. dpa

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28.10.2020 - 21:29 - Webcam

https://www.kicker.de/behoerden-keine-corona-infektionen-bei-hertha-und-union-heimspielen-nachweisbar-788386/artikel

etc.pp.

Und den eh schon am Boden liegenden Amateurfußball macht man ohne nachweisliche Not auch einfach kaputt. Egal, betrifft ja nur Millionen Leute - Kinder, Erwachsene, Ältere, für die das ihr Lebensinhalt und Freude und Freundschaft bedeutet.

28.10.2020 - 19:21 - Webcam

Mit "Sonderregelung für Fußball" dürfte gemeint sein: In der Kölner Philharmonie sind 1000 Zuschauer von 2000 möglichen in geschlossenen Räumen zugelassen, beim Fußball 300 von 80.000 an der frischen Luft.

Den Handball und Basketball trifft es ja genauso hart, oder härter ...

https://www.kicker.de/hbl-kritisiert-politik-symbolische-entscheidung-788376/artikel
https://www.kicker.de/bbl-chef-holz-zu-zuschauerverbot-fachlich-hygienisch-keine-gruende-788371/artikel

So: Alle, die sich etwas eingehender informiert haben, sind offenbar dagegen. Denn: Es gibt keinerlei Evidenz für eine Auswirkung das Infektionsgeschehen: Man hat ja alle Daten, um das Infektionsgeschehen nachzuverfolgen ink. Warnapp etc.pp

Mit randvollen Bussen und Bahnen hat das Infektionsgeschehen natürlich üüüüüberhaupt nichts zu tun. Bus und Bahn gehörten in NY und China (trotz MNS) zu den wichtigsten Superspreadern : New York: https://www.welt.de/wirtschaft/article207378715/Corona-Studie-aus-New-York-U-Bahnen-sind-schlimmste-Virenschleuder.html ;
China ( https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.04.20053058v1.full.pdf bzw. dt. Zeitungsartikel dazu: https://www.rundschau-online.de/ratgeber/gesundheit/bahn--buero--fitnessstudio-wo-die-gefahr-einer-infektion-mit-covid-19-am-groessten-ist-36721214

Zur gesamtgesellschaftlichen Diskussion - wenn hier jemand auch eine seriöse Zeitung liest:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/gastronomie-politik-soll-fuer-den-schaden-aufkommen-17022614.html
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kampf-gegen-corona-aerzte-warnen-vor-neuem-lockdown-17023747.html
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-hannover-althusmann-warnt-vor-zu-harten-corona-beschraenkungen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-201028-99-113554

28.10.2020 - 17:50 - soso

Richtig so !

Die Sondererlaubnis für Kicker geht eh schon zu weit !

28.10.2020 - 16:33 - Kuk

Das war so zu erwarten.
Es ist wohl noch offen, ob im Dezember die alten Regelungen (20% bei Inzidenz < 35) wieder gültig werden.