In den vergangenen 20 Jahren hat Norbert Dickel in unzähligen Interviews einen Satz stets wiederholt - von seiner Wahrheit hat er deshalb bis heute nichts eingebüßt.

Dortmund: 1989 war der BVB wieder wer

DFB-Pokalsieg "wie eine Wiedergeburt"

16. Juni 2009, 13:21 Uhr

In den vergangenen 20 Jahren hat Norbert Dickel in unzähligen Interviews einen Satz stets wiederholt - von seiner Wahrheit hat er deshalb bis heute nichts eingebüßt.

"Das Pokalendspiel 1989 hat dafür gesorgt, dass mein ganzes weiteres Leben anders verlaufen ist, als es ohne diese eine Partie wohl seinen Gang genommen hätte", weiß der BVB-Cup-Held.

Nicht nur für Dickel, der an jenem 24. Juni 1989 Borussia Dortmund mit zwei Toren den Weg zum ersten Titelgewinn seit dem Europapokalsieg der Pokalsieger 1966 ebnen sollte. Jenem Helden von Berlin, der danach wegen einer Knieverletzung sportlich nie mehr richtig auf die Beine kam und heute als Stadionsprecher und Eventmanager im Signal Iduna Park tätig ist - und dem die Fans auf der Südtribüne später ein eigenes Lied widmen sollten.
[infobox-right]Statistik:
DFB-Pokalfinale, 24. Juni 1989:
Bor. Dortmund - Werder Bremen 4:1 (1:1)
Dortmund: Wolfgang de Beer - Thomas Kroth - Günter Kutowski, Thomas Helmer - Günter Breitzke (73. Michael Lusch), Michael Zorc, Andreas Möller, Michael Rummenigge, Murdo MacLeod - Norbert Dickel (77. Bernd Storck), Frank Mill. Trainer: Horst Köppel.
Tore: 0:1 Karlheinz Riedle (15.), 1:1 Norbert Dickel (21.), 2:1 Frank Mill (58.), 3:1 Norbert Dickel (73.), 4:1 Michael Lusch (74.)
Zuschauer: 76.000 Zuschauer im Olympiastadion Berlin

Der Weg nach Berlin:
Borussia Dortmund - Eintracht Braunschweig 6:0
Borussia Dortmund - FC 08 Homburg 2:1
Schalke 04 - Borussia Dortmund 2:3
Borussia Dortmund - Karlsruher SC 1:0
Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 2:0[/infobox]
Und nicht nur für den BVB. Der Titelgewinn im DFB-Pokal 1989 war für die Schwarz-Gelben die Initialzündung für die erfolgreichste Epoche der Vereinsgeschichte, die erst mit dem Gewinn der bis heute letzten Deutschen Meisterschaft 2002 und dem Zusammenbruch des Systems von Dr Gerd Niebaum endete. Im Tor stand damals der heutige Torwarttrainer Wolfgang de Beer. "Teddy", wie ihn alle nur nennen, erinnert sich gerne.

Herr de Beer, wie oft werden Sie heute noch auf das Pokalendspiel 1989 angesprochen?

Regelmäßig. Die Aussage 'Du gehörtest doch zur Mannschaft von 1989' ist bis heute eine Auszeichnung geblieben. Immer wieder bedanken sich Fans für die tolle Zeit und den großen Sieg, der den Verein nach 23 Jahren ohne Titel wieder in die Schlagzeilen gebracht hat. Die Menschen im Ruhrgebiet verbinden mit dem Erfolg bis heute die gleichen wilden Emotionen wie ich als Spieler. Das ist Teil der Geschichte dieses Spiels.

Warum war dieser Titel für den Verein so wichtig?

Es war wie eine Wiedergeburt. Der BVB war wieder wer. Man muss ja mal sehen, wo wir herkamen. Dortmund hatte 1986 im letzten Moment gegen Fortuna Köln in drei Relegationsspielen die Klasse gehalten. Danach kamen mit Thomas Helmer aus Bielefeld , Norbert Dickel aus Köln und mir Spieler, von denen man nicht unbedingt wusste, ob sie die Mannschaft überhaupt verstärken würden. Nur bei Frank Mill ahnte man, was man bekam. Ich kam als Zweitligaabsteiger vom MSV Duisburg zum BVB und sollte eigentlich hinter Rolf Meyer auf der Bank sitzen. Der verletzte sich dann aber im letzten Testspiel vor der Saison und so stand ich plötzlich in der Startelf. In der Saison 1986/87 haben wir als neu zusammen gestellte Mannschaft den vierten Platz geholt und sind in den UEFA-Cup eingezogen. Das waren bereits die ersten Anzeichen, dass sich bei uns etwas entwickeln würde.

Viele Kenner des Vereins bezeichnen dieses Spiel trotz der danach errungenen Deutschen Meisterschaften und dem Triumph in der Champions League 1997 als den schönsten Erfolg des BVB in den vergangenen 20 Jahren. Sehen Sie das auch so?

Für mich persönlich war der DFB-Pokalsieg sicher der größte Erfolg, an dem ich als aktiver Spieler mitgewirkt habe. Aber es ging ja um viel mehr. Wir haben durch diesen einen Erfolg einer ganzen Region ein Stück Lebensgefühl zurückgegeben. Und natürlich bekam der Verein durch die Einnahmen die finanziellen Möglichkeiten, die Mannschaft weiter zu verstärken. Es war das erste Endspiel für den BVB seit 23 Jahren, diese Geschichte hat alle elektrisiert. In den zwei Jahrzehnten zuvor waren gefühlte 26 Trainer da. Es waren sehr unruhige Zeiten und seit den glorreichen 50er und 60er Jahren war das die erste Möglichkeit, mal wieder einen Titel zu holen. Das hat die ganze Region verrückt gemacht und alle haben mit uns mitgefiebert.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Triumph?

Es war ein ungeheuer heißer Tag. Die Nacht vorher konnte ich zwar gut schlafen. Aber ich spürte eine Mischung aus Beklemmung und wunderbarem Gefühl der Vorfreude in mir. Unser Präsident Dr. Gerd Niebaum hat uns damals vor der Partie gesagt: 'Wir werden euch vielleicht für das Spiel eine Prämie auszahlen. Aber wenn ihr irgendwann mal 50 oder 55 Jahre alt seid, dann werdet ihr nicht mehr wissen, was ihr euch von dem Geld gekauft habt. Aber dieses Gefühl einen Pokal zu gewinnen, das werdet ihr nie wieder vergessen. Der Triumph und die Emotionen werden euch ein Leben lang begleiten.' Und genauso ist es gekommen.

Was haben Sie sich von der Prämie gekauft?

Ich weiß es wirklich nicht mehr. Ich glaube, ich habe das Geld angelegt.

Der BVB ging nicht als Favorit in das Endspiel!

Schon auf dem Weg dorthin waren ein paar heiße Spiele dabei. Unter anderem das Auswärtsspiel auf Schalke, das wir mit 3:2 gewonnen haben. Oder das Halbfinale gegen den starken VfB Stuttgart mit Eike Immel im Tor. Und wenn ich mich an die Spiele zuvor gegen Werder Bremen zurück erinnere, waren wir beileibe kein Favorit. In Bremen haben wir regelmäßig vier oder fünf Stück bekommen und sind eigentlich als Underdog in die Partie gegangen. Wir lagen ja auch schnell 0:1 hinten. Aber wir wollten den Pott unbedingt haben und sind um unser Leben gelaufen. Wir waren alles junge Spieler mit Hunger nach Erfolg.

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