Die angekündigte Weitergabe von Geldstrafen des DFB an die Fans hat bei den Anhängern des VfL Bochum ein großes Echo ausgelöst. Im Interview mit RevierSport bewertet Ralf Zänger, der Leiter des Bochumer Fanprojektes, den Vorstoß von VfL-Finanzvorstand Ansgar Schwenken.

Bochum: Fanprojektleiter Ralf Zänger setzt auf Aufklärung

„Mit Geldstrafen ist das Problem nicht gelöst“

16. Juni 2009, 08:14 Uhr

Die angekündigte Weitergabe von Geldstrafen des DFB an die Fans hat bei den Anhängern des VfL Bochum ein großes Echo ausgelöst. Im Interview mit RevierSport bewertet Ralf Zänger, der Leiter des Bochumer Fanprojektes, den Vorstoß von VfL-Finanzvorstand Ansgar Schwenken.

Ralf Zänger, wie beurteilen Sie als Sozialarbeiter die Aussagen von Herrn Schwenken?

Das ist legitim und das gute Recht des Vereins. Es gilt das Verursacherprinzip. Für sein Handeln ist zunächst einmal jeder selbst verantwortlich.

Wie meinen Sie das?

Wenn Straftaten passieren, dann müssen die Verursacher auch mit den Konsequenzen leben. Das war immer und ist auch weiterhin meine Meinung. Aber was ist überhaupt passiert? Der Verein wurde in der Vergangenheit wegen kleinerer und größerer Delikte immer wieder mit Geldstrafen belegt. Ansgar Schwenken hat lediglich eine Ankündigung ausgesprochen, dass der VfL Bochum mit dem Thema zukünftig anders umgehen möchte. Noch einmal: Ich halte das für einen völlig normalen und nachvollziehbaren Vorgang, der nicht mit den Ansätzen unserer integrativen Sozialarbeit konträr liegt und ja auch nicht nur in Bochum so gehandhabt wird.

Wie erklären Sie das innerhalb der Fanszene?

Ich werte diese Aussage so, dass sie zunächst einmal präventiv wirken soll. Schwenken weist noch mal unmissverständlich auf die Spielregeln hin. Wer sie nicht beachtet, der begibt sich aufs Glatteis. Wir werden sicherlich mit unseren oft jungen Fans noch einmal sprechen, dass es eben wie in sämtlichen Bereich der Gesellschaft Regeln gibt, die von allen eingehalten werden müssen. Wenn das jemand meint, er müsse trotzdem Becher auf das Feld werfen oder Bengalos zünden, dann darf er sich auch nicht wundern, wenn er neben einem eventuellen Stadionverbot zukünftig die Kosten für die Geldstrafen auferlegt bekommt. Wobei hier sicherlich jeder Einzelfall zunächst genau betrachtet werden muss.

Und die Aufforderung zu mehr Zivilcourage?

Das ist nicht so einfach. Zivilcourage zu zeigen, bedeutet auch eine starke Persönlichkeit zu besitzen. Wir haben es hier aber gerade mit Jugendlichen zu tun, die erst auf dem Weg sind, erwachsen zu werden. Und die sich zudem vielleicht in einer Gruppe befinden, in der es nicht so einfach ist, immer die richtige Entscheidung zu treffen.

Mit Strafgeldern löst man aber keine Probleme!

Das ist richtig. Mit der Weitergabe der Geldstrafen wäre das Problem sicher nicht von heute auf morgen gelöst. Denn dazu müssten zunächst Bewusstseinsveränderungen stattfinden. Und wir wissen aus der Vergangenheit, dass es sich hier oft um langfristige Prozesse handelt. Zumal es sich um einen dynamischen Bereich handelt und immer wieder neue Fans dazu kommen.

Wo würden Sie ansetzen?

Auch in dieser Problematik hilft uns nur der Dialog und eine breite Aufklärungsarbeit weiter. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch der Verein die Gelder lieber in Fanarbeit investieren würde, als Strafgelder an den DFB zu bezahlen. Wenn uns das gelingt, wären wir ein echtes Stück weiter.

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