Möller nach Vertragsauflösung am Karriereende

ar
02. März 2004, 13:29 Uhr

Andreas Möller hat seine Fußball-Karriere beendet. Bundesligist Eintracht Frankfurt hat den Vertrag des ehemaligen Nationalspielers auf dessen Wunsch aufgelöst. Die Situation war laut Möller "nicht mehr tragbar."

Ein Großer verläßt die Fußball-Bühne: Andreas Möller blieb dabei ein würdeloser Abgang am Ende seiner ruhmreichen Fußball-Karriere nicht erspart. Enttäuscht und frustriert verließ der Welt-und Europameister am Dienstagmittag mit hängendem Kopf die triste "Baustelle" Waldstadion, um 11.24 Uhr war das Kapitel Eintracht Frankfurt ebenso definitiv beendet wie eine 19-jährige Profilaufbahn voller Höhen und Tiefen.

"Situation war nicht mehr tragbar"

"Die Situation war so nicht mehr tragbar. Es war keine kurzfristige Entscheidung, denn es hat in mir schon längere Zeit gegärt. Ich will für die Eintracht keine Belastung mehr sein", begründete der zuletzt in der Stammformation der Eintracht nicht mehr berücksichtigte Möller seinen Entschluss. Bereits am Montag hatte der 36-Jährige den Eintracht-Vorstand um die sofortige Auflösung seines bis 30. Juni 2004 laufenden Vertrages gebeten. Mit der Zustimmung der Führungsetage am Dienstag ist damit auch Möllers Anschlusskontrakt für die kommenden Saison als Vorstands-Assistent bei den Hessen hinfällig.

Selbst intensive und mehrstündige Gespräche am Montagabend sowie am Dienstagmorgen zwischen Möller, Trainer Willi Reimann und dem Frankfurter Vorstand hatten den 85-maligen Nationalspieler nicht mehr von dem Vorhaben abbringen können, seine Mission als selbsternannter "Helfer" vorzeitig abzubrechen. "Ich konnte diese Rolle nicht mehr so einnehmen, wie ich es mir vor meinem Wechsel vorgestellt hatte. Ich werde jetzt mit dem Fußballspielen aufhören, ein wenig Abstand finden und mich dann neu orientieren", kündigte der in Sossenheim geborene Mittelfeldspieler nach dem abrupten Ende im Anschluss an insgesamt 428 Bundesligaspiele (110 Tore) an.

Nur noch zwei Kurzeinsätze nach der Winterpause

Ex-Nationalspieler Möller geriet zuletzt bei der Eintracht nicht nur wegen zweier Muskelfaserrisse immer mehr ins Abseits. Ein Beleg dafür: Nach der Winterpause kam er nur noch zu zwei Kurzeinsätzen von insgesamt sechs Minuten. Das ohnehin nicht sonderlich gute Verhältnis zu Reimann war spätestens nach einem Interview von Möller-Berater Klaus Gerster ("Reimann ist stil- und respektlos") in der vergangenen Woche völlig zerrüttet.

Als Höhepunkt der Demontage des einstigen Weltklassespielers Möller sahen viele am vergangenen Samstag gegen Borussia Mönchengladbach (3:1) die Einwechslung des Rückkehrers in der 90. Minute. "Trotzdem verlasse ich die Eintracht als Freund", meinte der frühere Schalker, Dortmunder und Turiner Möller ungeachtet der zuletzt eskalierenden Situation, hielt sich aber mit Kritik an Reimann merklich zurück. "Vielleicht hat man es versäumt, den Dialog zu suchen. Über die Art und Weise der letzten Vorkommnisse kann man sich sicher streiten", erläuterte der niedergeschlagen wirkende Möller diplomatisch, wollte sich aber die herbe Enttäuschung über seinen traurigen Abschied nicht eingestehen.

Anfangs war Möller noch der Hoffnungsträger

Dabei war der "verlorene Sohn", der zuvor bereits zwischen 1985 und 1988 beziehungsweise 1990 und 1992 in 104 Bundesligapartien (33 Tore) für die Eintracht gespielt hatte, am 31. August letzten Jahres in Frankfurt noch euphorisch als großer Hoffnungsträger empfangen worden. Zumal die Hessen bei Möllers Comeback am vierten Spieltag gleich ihren ersten Saisonsieg gefeiert hatten.

Doch die erhofften Führungsqualitäten konnte der in die Jahre gekommene "Turbo-Möller", der seine aktive Karriere nach der vergangenen Saison im Trikot von Schalke 04 schon beendet hatte, sich aber dann noch einmal zu einem Comeback überreden ließ, in der Folgezeit kaum mehr einbringen.

Autor: ar

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