Tradition – das ist eines der wertvollsten Güter im Fußball. Während einige Clubs im Stadion per Uhr auf ihre Bundesliga-Zugehörigkeit hinweisen, andere im hauseigenen Museum eindrucksvolle die Trophäen und Exponate aus der ruhmreichen Vergangenheit präsentieren, sind andere Vereine in Europa da schon viel weiter.

„NRW Traditions Masters 2009“: Bayer macht sich „Auf nach Europa!“

„Plötzlich fällt man in ein tiefes Loch“

15. Januar 2009, 13:26 Uhr

Tradition – das ist eines der wertvollsten Güter im Fußball. Während einige Clubs im Stadion per Uhr auf ihre Bundesliga-Zugehörigkeit hinweisen, andere im hauseigenen Museum eindrucksvolle die Trophäen und Exponate aus der ruhmreichen Vergangenheit präsentieren, sind andere Vereine in Europa da schon viel weiter.

So auch Bayer 04 Leverkusen. Nicht nur national bewegt die „Werkself“ einiges. „Es entsteht ein Netzwerk von einer enormen Größenordnung. Zur Zeit sind die Traditionsmannschaften von zwölf europäischen Spitzenvereinen wie Real Madrid, AS Monaco, Girondins Bordeaux, Olympiakos Piräus, FC Everton, Glasgow Rangers, wir oder FC Barcelona vertreten“, erklärt Michael Kentschke, Manager der Traditionsmannschaft aus dem Rheinland. EFPA heißt das Stichwort.

„Barca“ bringt jährlich einen Etat von knapp 150.000 Euro für seine „Alten Herren“ auf. Auf Initiative der Katalanen wurde im Dezember 2004 im Stadion Camp Nou die „Sports Group of European Former Football Players Associations“ – kurz EFPA – gegründet. Ein Verband und eine Vereinigung für europäische Traditionsteams und Ex-Fußballer. Ähnlich wie beim Tennis oder Golf könnte es bis 2010 nicht nur europaweite Duelle zwischen den „Altstars“ geben, sondern auch landesweite Pokalwettbewerbe. Die ehrenamtlich geführte Organisation soll jedoch nicht nur Spiele veranstalten, sondern auch soziale Aspekte erfüllen. Es geht zudem um die Unterstützung nicht mehr leistungsfähiger Fußballprofis. Viele ehemalige Spieler mit dem Bedeutungsverlust zu kämpfen.

„Es gibt genug Beispiele von Ex-Profis, die den Duft der großen weiten Fußballwelt schnupperten und heute von Sozialhilfe leben müssen. Dieser Gefahr könne eine bessere Vernetzung entgegenwirken“, schiebt Kentschke nach, der weiterhin alles möglich macht, um neue Wege zu gehen und die Bayer-Elf weiter in der Öffentlichkeit und im Sinne von Bayer 04 – nicht nur in Deutschland – präsenter zu machen.

„Wir tauschen auch Ideen und Initiativen untereinander aus, um die jeweilige Fußballtradition der Vereine zu erhalten und zu fördern. Darüber hinaus soll und wird natürlich auch Fußball gespielt. Das ist eine schöne Sache, nicht nur für die Oldies, die dadurch hier und da noch einmal die Möglichkeit haben, bei attraktiven Events gegen europäische Teams und alte Weggefährten zu spielen. Sondern auch für die vielen Fans, die ihre alten Lieblinge noch einmal spielen sehen können – nicht nur in Deutschland. Sicherlich ein Highlight für jedes Team und für jeden echten Fußballfan“, erklärt Kentschke, der auf ehrenamtlicher Basis zum Vorstand der EFPA gehört.

Trainer der EFPA ist Terry Venables, der für den FC Chelsea und die Tottenham Hotspurs aktiv spielte sowie unter anderem den FC Barcelona und die englische Nationalmannschaft trainiert hat. Man sieht alleine an der Besetzung des Coach-Postens, welche Bedeutung der EFPA beigemessen wird. Ehren-Präsident ist Michel Platini, der ja auch das Amt des UEFA-Präsidenten inne hat. „Wenn die Profikarriere zu Ende geht, dann sind die meisten Spieler plötzlich kaum noch mehr als gewöhnliche 35-Jährige ohne abgeschlossene Schulausbildung“, erläutert Venables. „Das ist ein sehr kritischer Lebensabschnitt, denn bis dahin ging es nur um Fußball. Plötzlich fällt man also in ein tiefes Loch. Wir hoffen, dass die EFPA einen Ansatz bildet, ehemaligen Fußballern langfristig daraus zu helfen.“ Bayer 04 hat es vorgemacht, nun sind die anderen Top-Clubs in Deutschland gefordert.

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