Noch heute finden sich die Abkürzung „DJK“ in so manchem Vereinsnamen wieder. Dabei ist den meisten Sportlern weder bewusst, wofür die drei Buchstaben stehen, noch was sie bedeuten. „Die Sonne scheint, der Pfarrer lacht, es spielt die Deutsche Jugendkraft“, dichteten frühere Generationen.

Revier: Die Gründung der DJK-Vereine

Auch der Fußball hat Geschichte

03. Juli 2008, 09:37 Uhr

Noch heute finden sich die Abkürzung „DJK“ in so manchem Vereinsnamen wieder. Dabei ist den meisten Sportlern weder bewusst, wofür die drei Buchstaben stehen, noch was sie bedeuten. „Die Sonne scheint, der Pfarrer lacht, es spielt die Deutsche Jugendkraft“, dichteten frühere Generationen.

„Deutsche Jugendkraft“ (DJK) – der Name klingt antiquiert, verweist aber auf die Sportgeschichte des Ruhrgebiets.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Sportbegeisterung vor allem ein jugendliches Phänomen. Die „Sports“ schwappten von England kommend auf den Kontinent herüber und brachten die Autoritäten auf den Plan. Insbesondere der Fußball wurde als „Fußlümmelei“ oder „englische Krankheit“ verspottet. Aber der Siegeszug der heutigen Weltsportart Nummer Eins war nicht aufzuhalten.

Allerorts wurde gekickt, auch in den konfessionell geprägten Milieus wie den katholischen Jünglings- und Jungmännervereinigungen. Im September 1920 kam es zur Gründung der „Deutschen Jugendkraft“, dem Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen. Bis zum Ende der Weimarer Republik entwickelte sich der Verband mit über 200.000 Mitgliedern neben der „Deutschen Turnerschaft“ und dem „Deutschen Fußballbund“ (DFB) zur drittgrößten Sportorganisation des Landes.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/008/239-8557_preview.jpeg Die DJK kann immer noch für Zusammenhalt im Nachwuchs sorgen - hier bei DJK Dülmen[/imgbox]

Vom Selbstverständnis her war die DJK-Bewegung mehr als nur Sport, denn übertriebenes Konkurrenzverhalten war verpönt. „Nicht kraftvoll im Rekordschlagen, sondern kraftvoll in der Stärkung des Charakters“ wollte man wirken. Vor allem aber sollte den Sportlern stets bewusst sein, „dass sie der katholische Kirche Ehre machen müssen“, hieß es auf dem Gründungskongress.

Um die Ziele auch wirklich „auf dem Rasen“ umzusetzen, experimentierte man zum Beispiel in den eigenen Fußball-Ligen mit einer neuen Spielwertung: Zusätzlich zu dem traditionellen Punktessystem – zwei für einen Sieg und einen bei einem Remis – wurde der „Führungs-“ oder „Gutpunkt“ eingeführt, der das Spielverhalten der Mannschaften bewertete. Bei Platzverweisen und bei wiederholten Verwarnungen des Spielführers wegen lauten Schreiens und hartem Spiels seiner Mannschaft konnte der Punkt vom Schiedsrichter zu- bzw. aberkannt werden. Ein Sieg brachte so mitunter drei Punkte, eine Niederlage immerhin noch einen. „In Ehren verlieren“ besaß damit auch für den Tabellenstand Bedeutung.

Abseits vom bürgerlichen DFB wurde im Fußball ein eigenständiger Ligen-Betrieb organisiert, dessen regionale Meister alle drei Jahre einen gesamtdeutschen Meister ausspielten. Aus dem heutigen Ruhrbistum stachen die DJK Katernberg, zweifacher Deutscher Meister 1921 und 1924, und die DJK Adler Frintrop hervor. Die Essener unterlagen 1932 im letzten Endspiel des Verbandes gegen DJK Sparta Nürnberg vor 35.000 Zuschauern im Dortmunder Stadion Rote Erde mit 2:5.

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/082-6166_preview.jpeg 1932 verlor DJK Adler Frintrop im Endspiel um die deutsche Meisterschaft der Deutschen Jugendkraft[/imgbox]

Am Ende der Weimarer Republik existierten im Revier rund 300 DJK-Vereine. Die Sportler kamen vorwiegend aus der Arbeiterschicht oder aus dem Mittelstand und besaßen eine enge Bindung an das katholische Sozialmilieu. Mitunter kam es vor den Fußballspielen auch zu einem gemeinsamen Gottesdienst-Besuch der Mannschaften. Mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur hatte auch die DJK-Bewegung mit wachsenden Repressalien zu kämpfen, da die neuen Machthaber jenseits der NS-Sportorganisationen keine eigenständigen Verbände duldeten. 1935 wurde die DJK verboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Wiedergründung des Verbands. Allerdings gab man die Eigenständigkeit der Weimarer Tage auf und wurde zum Mitbegründer des Deutschen Sportbundes (DSB). 1970 erfolgte die ökumenische Öffnung. Die Konfessionszugehörigkeit spielte bei der Mitgliedschaft fortan keine Rolle mehr. Im Fußball integrierten sich die Vereine in die vom DFB organisierten Ligen.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/261-7560_preview.jpeg Auch im Jahr 2008 ist die DJK noch erfolgreich: Raspo Weitmar bejubelt den Aufstieg in die Bezirksliga[/imgbox]

Heute existieren im Bundesgebiet rund 1.200 Vereine mit etwa 600.000 aktiven Jugendlichen und Erwachsenen. Auch wenn sich ihre Charakteristik verwässert hat und für viele DJK – früher auf den Schulhöfen gerne als „Deutsche Jackenklauer“ verspottet – eine Abkürzung ist wie FC oder VfR, so finden sich noch immer einige Besonderheiten: die Tendenz, auch im Fußball eher die Breite als die Spitze zu fördern, und die Betonung einer verantwortlichen Jugendarbeit, die sich nicht nur als gezielte Aussonderung der Talente, sondern als gesellschaftlicher Auftrag versteht.

„In einer Zeit von gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und Umbrüchen, die mit einem herben Verlust an Werten und mit einer wachsenden Orientierungslosigkeit verbunden sind, kann der Beitrag, den der Sport leistet nicht hoch genug geschätzt werden“, kommentierte der Essener Weihbischof Franz Grave anlässlich des 50jährigen Bestehens des DJK-Verbandes dessen
bis heute wichtig Arbeit.

Autor:

Kommentieren