Seit Montag trainiert Mittelfeldspieler Stijn Haeldermans wieder mit seinen rot-weissen Mannschaftskollegen. Die Fans sind sich nicht sicher: Freut man sich nun über die Rückkehr eines richtig guten Technikers? Oder winkt man gleich ab, weil man dem als Weichei verspotteten Spielmacher nichts mehr zutraut? Ein Blick zurück: Im Juli 2005 kam Stijn Haeldermans von Reviernachbar Oberhausen an die Hafenstraße und trug mit starken Leistungen dazu bei, dass RWE in die zweite Liga aufstieg: 35 Ligaeinsätze als Stammspieler, dabei zwei Tore und sechs Vorlagen – keine schlechte Bilanz und die Anhänger liebten ihn.

Seit wir zwei uns gefunden: Der RWE-Fanblog

Was nun, Stijn?

05. Februar 2008, 08:53 Uhr

Seit Montag trainiert Mittelfeldspieler Stijn Haeldermans wieder mit seinen rot-weissen Mannschaftskollegen. Die Fans sind sich nicht sicher: Freut man sich nun über die Rückkehr eines richtig guten Technikers? Oder winkt man gleich ab, weil man dem als Weichei verspotteten Spielmacher nichts mehr zutraut? Ein Blick zurück: Im Juli 2005 kam Stijn Haeldermans von Reviernachbar Oberhausen an die Hafenstraße und trug mit starken Leistungen dazu bei, dass RWE in die zweite Liga aufstieg: 35 Ligaeinsätze als Stammspieler, dabei zwei Tore und sechs Vorlagen – keine schlechte Bilanz und die Anhänger liebten ihn.

Doch bereits in der Folgesaison lief es wesentlich schlechter für den Belgier, mit schwachen Leistungen und einigen Verletzungen trug er dazu bei, dass RWE direkt wieder in die dritte Liga verschwinden musste: Lediglich elf Ligaeinsätze, davon 3x ein- und 4x ausgewechselt, kein Tor, nur eine Torvorlage – keine gute Bilanz und die Anhänger verachteten ihn.
[infobox-left]Erst fern von seiner Essener Heimat entdeckt Hendrik Gerstung die Leidenschaft für den Klub aus seiner Geburtsstadt. Denn wer wissen will, was „Fan sein“ wirklich bedeutet, der landet irgendwann an der Hafenstraße: Nirgends sonst erlebt man die Gefühlsverbindung Verehrung und Verzweiflung so intensiv – „Oh RWE“. Im RWE-Fanblog gibt Hendrik den rot-weissen Anhängern nun eine Stimme.[/infobox]
So ist das an der Hafenstraße: Es gibt kein Grau, nur Schwarz oder Weiß. Entweder die Fans schätzen und bejubeln einen Spieler oder er darf sich von den drei Tribünen mehr Meckerei und Beleidigungen anhören als die gegnerischen Kicker. Für Haeldermans gilt derzeit eindeutig letzteres, nur ein Kazior dürfte in der Fangunst momentan schlechter wegkommen. Die Frage ist: Was nun, Stijn? Haeldermans steht vor seiner letzten Chance, zumal sein Vertrag am Saisonende ausläuft: Mann oder Memme? Führungsspieler oder gutbezahlter Tribünenhocker? RWE-würdig oder Fußball-Diva? Es gilt für Haeldermans sich zu positionieren und es geht um die Frage, wie die Anhänger ihn in Erinnerung behalten.

Aber kriegt er von den Fans überhaupt noch eine Chance? Seine Verletztengeschichte ist wirklich kurios und bietet nicht nur den Gehässigen ordentlich Angriffsfläche: Von einem mehrmonatigen Ausfall auf Grund einer Verletzung am kleinen Finger ist es nicht mehr weit bis zu bösen Scherzen, der feine Herr würde demnächst wohl fehlen, weil er Spliss im schönen lockigen Haar hat. Das passiert schnell, gerade am Standort Essen, wo man Kampf, Einsatz, Leidenschaft sehen und fühlen will, wie die Spieler sich quälen für den von den Fans so geliebten Verein – eine Verletzung am kleinen Finger bringt einem da ruckzuck das Image der Heulsuse. Und auch Haeldermans Zweikampfverhalten bekräftigt diese Einschätzung häufiger als dass es sie widerlegt: Mit Grauen erinnere ich mich an eine Szene im Zweitligaspiel bei 1860 München, in der Haeldermans den Ball erst lustlos vertändelte und dann einfach stehenblieb. So etwas kann und darf sich gerade ein RWE-Akteur nicht erlauben, Gott, was habe ich getobt!

Allerdings: Es gibt solche Spielertypen und solche. Ein waschechter Fighter wird Haeldermans wohl nicht mehr, aber er hat andere Qualitäten: Technisch dürfte der mittlerweile 32-Jährige zu den Besten im Team zählen, vielleicht sogar in der ganzen Liga. Haeldermans kann ein Spiel lesen, es gestalten, geschickter noch als es Gorschlüter derzeit vermag, der vor allem von seiner Dynamik und Zweikampfstärke lebt. Haeldermans dagegen lebt von seiner Technik und Spielübersicht, ein typischer Regisseur: So einer fehlt der derzeitigen RWE-Auswahl, die gute Ideen und kreative Elemente in ihrem Offensivspiel unbedingt gebrauchen kann.

Zudem ist Haeldermans Linksfuß, eine Spezies, die nach den Verletzungen von Schäfer und Kiskanc deutlich in der Minderheit ist. Zugute zu halten ist dem Spielmacher zudem, dass er als einer von Wenigen dem Verein nach dem Abstieg treu blieb und aktiv mithelfen wollte, die Klassenrückstufung wieder rückgängig zu machen. In der Sommervorbereitung schien es bereits, als hätten die Fans ihm verziehen, als er mit starken Leistungen im zentralen Mittelfeld noch einmal bewies, welch Potenzial in ihm steckt. Umso bedauerlicher seine Verletzung, für die Mannschaft in dieser schwierigen Saison, aber auch für ihn, weil damit seine eigenen Hoffnungen genauso zerbrachen wie die gerade wieder aufkommende Sympathie der RWE-Anhänger. Nur ein Saisonspiel hat Haeldermans auf dem Konto – und die Fans mal wieder gegen sich, zumindest teilweise.

Ich aber sage: Geben wir ihm noch eine Chance! Wenn Haeldermans fit ist, verstärkt er RWE deutlich; und ausgeruht hat er sich nun lange genug. Auch ich habe oft genug abgewunken, den Kopf geschüttelt bei neuen Verletzungsmeldungen, nicht mehr an eine Rückkehr Haeldermans geglaubt und – ja, auch das – den ein oder anderen Witz über eine vermeintliche Weichei-Miniverletzung gemacht, aber wir dürfen nicht verkennen: Der Mann kann uns helfen! Haeldermans selbst wird wissen, um was es nun für ihn geht. Es erwartet wohl keiner (schon gar nicht er selbst), dass er bei seinem nächsten Einsatz stürmisch begrüßt wird, aber zumindest etwas Geduld und Wohlwollen sollte drin sein – und das wäre an der Hafenstraße schon verdammt viel. Geben wir ihm diese eine letzte Chance: Was nun, Stijn – nutzt du sie?

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