Borussia Dortmund hat den FC Schalke 04 im Revierderby mit 4:0 (2:0) überrolt und so den Anschluss an die Tabellenspitze gewahrt. Besonders auffällig war dabei Doppelpacker Raphael Guerreiro. 

Bundesliga

4:0! Borussia Dortmund zerlegt Schalke 04 im Derby

Sebastian Weßling
16. Mai 2020, 17:27 Uhr
DIe BVB-Spieler bejubeln Raphael Guerreiros (Mitte) Tor zum 2:0 nach den neuen Hygieneregeln. Foto: dpa

DIe BVB-Spieler bejubeln Raphael Guerreiros (Mitte) Tor zum 2:0 nach den neuen Hygieneregeln. Foto: dpa

Borussia Dortmund hat den FC Schalke 04 im Revierderby mit 4:0 (2:0) überrolt und so den Anschluss an die Tabellenspitze gewahrt. Besonders auffällig war dabei Doppelpacker Raphael Guerreiro. 

Es sollte wohl ein Tanz sein, den Erling Haaland an der Eckfahne aufführte: Der Norweger zuckte mit dem Körper hin und her, die Mitspieler beobachteten es aus sicherer Distanz und klatschten Beifall. Es war eine Szene, die überhaupt nicht passen wollte zu einem Revierderby, zu diesem skurrilen Spiel aber sehr wohl. Denn Haaland hatte gerade das 1:0 für Borussia Dortmund gegen den großen Rivalen Schalke 04 erzielt. Normalerweise ein Anlass für ganz große Ekstase, aber wegen der Corona-Hygiene-Regeln und der fehlenden Zuschauer fiel der Jubel seltsam gebremst aus – es macht eben einen Unterschied, ob 81.365 Zuschauer für Lärm sorgen, oder eben nicht. Eine höchst ungewohnte Atmosphäre für ein Pflichtspiel, mit dem der BVB deutlich besser zurecht kam: Gegen enttäuschende Schalker gab es einen hochverdienten 4:0 (2:0)-Sieg.


Dabei waren die Vorzeichen aus Dortmunder Sicht nicht die besten gewesen, Trainer Lucien Favre hatte bis zum Anpfiff reichlich improvisieren müssen: Axel Witsel, Emre Can, Marco Reus und Dan-Axel Zagadou fehlten verletzt, Jadon Sancho saß nur auf der Bank, weil ihm im Laufe der Woche die Wadenmuskulatur Probleme bereitet hatte. Und so kehrte Thomas Delaney nach 203-tägiger Verletzungspause zurück auf den Rasen, so kam Mahmoud Dahoud mal wieder zu einem Startelf-Einsatz und so kam der 17-jährige Giovanni Reyna zu seinem Startelf-Debüt – dachte man. Doch weil er sich beim Aufwärmen verletzte, rutsche Thorgan Hazard in die Mannschaft.

Schalke musste auf Benjamin Stambouli, Omar Mascarell und Ozan Kabak verzichten – was gegenüber dem eigentlichen Derby-Termin Mitte März eine deutliche Entspannung der personellen Lage bedeutete.

Guter Schalke-Start, dann kommt Haaland

Die Schalker begannen im Dortmunder Stadion engagiert, pressten aggressiv und erarbeiteten sich erste Feldvorteile – blieben aber in ihren Pässen zu ungenau, um für echte Torgefahr zu sorgen. Dafür ließen sie mit ihrem weiten Aufrücken deutliche Lücken, die der BVB nach und nach immer besser zu nutzen verstand. Insbesondere Nationalspieler Julian Brandt sorgte mit klugem Positionsspiel und feinen Pässen dafür, dass sich die Dortmunder immer wieder durch die Schalker Reihen kombinieren konnten und die Gäste immer weniger am Spiel teilhaben ließen – Dahoud und Delaney assistierten ihm geschickt.

Es dauerte allerdings, bis die ersten echten Torchancen zu registrieren waren: Nach einem Konter schoss Hazard noch deutlich zu hoch (7.). Als Erling Haaland aus kurzer Distanz Jonjoe Kenny im Strafraum an die Hand schoss, blieb die Pfeife von Schiedsrichter Deniz Aytekin stumm – und der Video-Assistent prüfte zwar, sah aber keinen Grund zum Eingreifen (11.).


Doch die Dortmunder kamen dem Tor immer näher: Achraf Hakimis scharfe Hereingabe klärte Jean-Clair Todibo noch mit einer spektakulären Grätsche (12.), Haalands Schuss aus spitzem Winkel flog ans Außennetz (24.). Die Gäste wurden vor der Pause nur einmal aus dem Nichts gefährlich: Manuel Akanji köpfte im eigenen Strafraum Daniel Caligiuri an, doch der Schalker brachte keinen Druck hinter seinen Schuss – Roman Bürki konnte klären (26.).
Und dann fiel sie doch, die inzwischen verdiente Dortmunder Führung: Brandt leitete mit der Hacke weiter auf Hazard, der ganz viel Platz hatte und mit punktgenauer Flanke Haaland fand, der mit der Innenseite traf – Schalke-Torhüter Markus Schubert war chancenlos (29.).

Und der BVB machte weiter Druck: Raphael Guerreiro verzog nach starker Hakimi-Vorarbeit, Dahouds Gewaltschuss klärte Salif Sané per Kopf (41.). Kurz vor der Pause klappte es dann aber doch aus Dortmunder Sicht: Schuberts Abstoß geriet zu kurz und zu flach und landete bei Dahoud. Der gab schnell weiter auf Brandt, der schickte Guerreiro und der traf wuchtig ins lange Eck (44.).

Von Schalke kam da schon lange nichts mehr, die Königsblauen kamen nur selten aus der eigenen Hälfte, weil die BVB-Profis die Passwege klug zustellten – und die wenigen Vorstöße versandeten durch Fehlpässe.

Entscheidung kurz nach Wiederanpfiff

Schalke stellte zur Pause um: Rabbi Matondo kam für den angeschlagenen Todibo, Guido Burgstaller für den wirkungslosen Benito Raman, statt mit Dreier- spielten die Gäste nun mit Viererkette. Am Spiel aber änderte sich wenig: Ein weiteres Mal konterte der BVB weit aufgerückte Schalker aus, Brandt bediente Hazard und der traf zum 3:0 (48.) – Schubert allerdings sah bei diesem recht unplatzierten Schuss nicht allzu gut aus.

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Nun erst ein konstruktiver Schalker Angriff, die sich über links sauber durchkombinierten – am Ende allerdings kam Bastian Oczipka dann nicht vernünftig zum Abschluss (50.). Später landete ein abgefälschter Burgstaller-Schuss in Bürkis Armen (56.).

Doch auch der nächste Treffer fiel auf der anderen Seite: Wieder leitete der überragende Brandt ein, Guerreiro und Haaland spielten einen locker-leichten Doppelpass und der Portugiese vollendete mit dem Außenrist (63.). Nicht nur in dieser Szene hielt die Schalker Hintermannschaft jenen Sicherheitsabstand, der ihr eigentlich nur neben dem Feld abverlangt wird.

Elf zu fünf Torschüsse und 56 Prozent Ballbesitz für den BVB hatten die Statistiker bis dahin gezählt – was den Klassenunterschied auf dem Rasen nicht ansatzweise erfasste. Die Gäste waren spielerisch und physisch dramatisch unterlegen.

Und das Spiel trudelte nun seinem Ende entgegen. Schalke-Trainer David Wagner nahm noch ein paar Wechsel vor, die nichts mehr änderten, Sané köpfte noch einmal über das Tor (74.), Sancho bekam noch etwas Spielpraxis – viel mehr passierte nicht mehr in diesem einseitigen Duell. Der BVB meldet sich mit einem Ausrufezeichen im Titelkampf zurück – Schalke dagegen dürfte in dieser Fassung mit der Europapokal-Qualifikation wenig zu tun haben.

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17.05.2020 - 15:14 - Schalker1965

@lappes

nun hast du den in allen Belangen verdienten Sieg gegen eine allenfalls drittklassige Schalker Mannschaft genügend ausgekostet. Komm mal langsam wieder runter. Ich fürchte, beim BVB wachsen die Bäume auch nicht in den Himmel. Es werden noch Gegner auf euch treffen, die diesen Namen verdienen. Sehr wahrscheinlich schon am übernächsten Spieltag, wenn es gegen die Bayern geht.

17.05.2020 - 09:53 - easybyter

Das war, bis auf die ersten 10 Minuten uninspiriert, mutlos, ohne richtigen Plan gespielt. Wenn du den Dortmundern die Räume anbietest, die Schalke ihnen geboten hat, dann gehst du unter. Dazu kam, dass Sanè noch Spielpraxis braucht - das sah man beim ersten Tor der Dortmunder, dass auch Schubert noch Entwicklungspotenzial besitzt und in manchen Szenen einfach daneben liegt. Ein solcher Auftritt in einem Derby macht keine große Hoffnungen auf eine erfolgreiche Saison. Gut, dass Schalke bereits 37 Punkte auf dem Konto hat, sonst ging es wie im letzten Jahr wieder um den Abstieg. Ich denke, dass die Truppe so auf Patz 8 oder 9 die Saison beenden wird. Daran wird man sich dann wohl auch gewöhnen müssen, wenn man weiterhin als E.V. spielen will. Da kann Schalke einfach nicht mehr mithalten und muss sich mit Mittelmaß begnügen. Wenn man weiterhin Ambitionen auf das obere Tabellendrittel haben will, muss man sich finanziell auf solidere Füße stellen. Wie sehr die Finanzen bei Schalke auf Kante genäht sind, sieht man jetzt. Schalke steht durch die Corona-Krise am Rande des Abgrundes. Ich bin gespannt, wie die Truppe gegen Augsburg auftritt, ob da mehr Kampfgeist zu erkennen ist, um die klägliche Vorstellung gegen Dortmund vergessen zu machen.

17.05.2020 - 08:18 - DinoS04

Es ist ein Trauerspiel, wie sich das Team des S04 in der Rückrunde entwickelt hat. Im Hinspiel war man dem BvB noch in allen Belangen überlegen und ein Sieg wäre hochverdient gewesen. Und jetzt? Seit Monaten dümpelt das Team vor sich hin und Besserung ist nicht on Sicht...........

17.05.2020 - 00:31 - lappes

Ein Sieg mit angezogener Handbremse, zu jeder Zeit,Herr der Lage !

In Summe hat sich hierbei gezeigt,dass individuelle Klasse + Einstellung zum Spiel den Unterschied ausmacht.

Wobei die individuellen , positionsbezogenen Unterschiede heute auf allen Ebenen, mehr als deutlich, zu erkennen waren.
Schalke war,in allen Belangen und zu jeder Zeit des Spiels,hoffnungslos unterlegen.

17.05.2020 - 00:16 - lappes

@Alles für Schalke

Damit bin ich einverstanden...

17.05.2020 - 00:06 - Alles für Schalke

@lappes: Wir könnten uns darauf einigen, dass wir geografisch näher sind als tabellarisch oder gar fußballerisch......

17.05.2020 - 00:01 - lappes

@ Alles für Schalke

Danke für's berechtigte Lob aber, wir sind sowohl tabellarisch als auch geographisch,...keine Nachbarn ;-)

Nur der BVB !!!

16.05.2020 - 23:08 - Schalker1965

"Großes Lob an das Team, dass sich unter so richtig schwierigen Bedingungen extrem stark präsentiert hat"

Das ist nicht dein Ernst. Das Derby glich doch eher einem Trainingsspielchen, bei dem sich die Gastmannschaft mal wieder auf dem Niveau eines Abstiegskandidaten ohne Torwart präsentierte. Grauenhaft!

16.05.2020 - 20:25 - Webcam

Großes Lob an das Team, dass sich unter so richtig schwierigen Bedingungen extrem stark präsentiert hat - zu der langen Pause und den Quarantäne-Bedingungen war ja nur ein Rumpfkader zur Verfügung, dann keine Süd / kein echtes Heimspiel - Hut ab, die Jungs wissen, was Derby ist.
Gratulation, so kann es weitergehen ...!

16.05.2020 - 17:56 - Alles für Schalke

Das war wirklich ne Klatsche, auch in der Höhe voll verdient. Glückwunsch an den Nachbarn. Nachbar leider nur geografisch, nicht in der Tabelle.....