Nabil Bentaleb und Benjamin Stambouli saßen schon längst im Mannschaftsbus, als die Szene aus der 64. Minute immer noch für dicke Luft im Kabinengang sorgte.

Schalke

Weinzierl wird bei der Fehleranalyse deutlich

Manfred Hendriock
06. März 2017, 09:05 Uhr
Foto: firo

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Nabil Bentaleb und Benjamin Stambouli saßen schon längst im Mannschaftsbus, als die Szene aus der 64. Minute immer noch für dicke Luft im Kabinengang sorgte.

Der Franzose Stambouli, eigentlich Schalkes Sicherheitsbeauftragter im defensiven Mittelfeld, hatte einen unüberlegten Pass auf Bentaleb gespielt, und der Algerier versuchte ein kleines Kunststückchen: Durch die Mitte wollte er das Spiel aufziehen – genau da, wo die Gladbacher nur auf den Schalker Fehler lauerten. Sekunden später zappelte der Ball im Netz von Ralf Fährmann: Es war das zweite Gegentor, mit dem bei der Schalker 2:4-Pleite in Mönchengladbach alle Dämme brachen. Stambouli und Bentaleb hatten es auf dem Gewissen.

Die Szene sorgte auch deshalb für dicke Luft, weil Trainer Markus Weinzierl einen solchen Spielaufbau total auf den Index gestellt hatte. Schalke wollte über die Außenbahnen angreifen, um die Gladbacher nicht durch Ballverluste in der Mitte zum Kontern einzuladen. Noch in der Halbzeitpause nahm er die Spieler ins Gebet und warnte: „Diese Pässe sind zu vermeiden.“ Später, im Kabinengang, wurde er noch deutlicher und schüttelte fassungslos den Kopf: „Es ist verboten, da durchs Zentrum zu spielen, und wir machen es trotzdem.“

Dass sich einige Spieler ganz offensichtlich nicht an die Anweisungen des Trainers gehalten hatten, brachte auch die Teamkollegen in Wallung. Benedikt Höwedes gebrauchte wechselweise auch die Vokabeln „stümperhaft“, „naiv“ und „wahllos“ und schimpfte: „Wir haben genau die Fehler gemacht, die wir nicht machen wollten. Wir haben blind durch die Mitte gespielt.“ Und Leon Goretzka fand es „doppelt ärgerlich“, weil es doch in der Halbzeit extra noch einmal vom Trainer angesprochen war: „Da sollte jeder sensibilisiert sein.“

Der verbotene Pass vor dem 1:2 war allerdings kein Einzelfall. Später spielte Holger Badstuber noch so einen Ball auf Stambouli – da verhinderte Fährmann einen weiteren Einschlag. Eigentlich geht es sogar schon die ganze Saison so – kritisiert auch Weinzierl: „Diese Problematik ist mir nicht neu, wenn ich an die ersten fünf Spieltage denke. Wir arbeiten schon die ganze Zeit an der richtigen Risikoeinschätzung im Spielaufbau.“

Weinzierl muss das eigentlich wahnsinnig machen, dass Schalke immer wieder die gleichen Fehler macht und er diese nicht abstellen kann. Obwohl Schalke gerade für Stambouli (kam für 8,5 Millionen Euro von Paris St. Germain) und Bentaleb (für 19 Millionen Euro von Tottenham Hotspur) einen riesigen Haufen Geld ausgegeben hat, stellt sich langsam auch die Frage nach der Qualität. Weinzierl dazu: „Ich glaube, dass die Tabelle nicht lügt. Wie die Qualität ist, wird zum Schluss in der Tabelle zu sehen sein. Wir können über alle Neuzugänge diskutieren, wir können aber auch über die alten Spieler reden. Jeder ist daran beteiligt.“

Für echte Konsequenzen, die über eine Systemkorrektur oder einen Bankplatz hinausgehen, sei es nun ohnehin nicht die Zeit. Am Donnerstag spielt Schalke in der Europa League wieder gegen Gladbach, und Weinzierl weiß: „Ich kann die Mannschaft jetzt nicht kaputt machen. Ich werde schauen, dass sie diese Fehler vermeidet.“

Was sich die Spieler gedacht haben, ist aber auch ihm ein Rätsel. Im Kabinengang sagte er: „Ich weiß es nicht, da muss man mit den Spielern sprechen.“ Doch die saßen um diese Zeit schon im Bus.

Autor: Manfred Hendriock

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