Rogier Krohne wollte Physiotherapeut werden. Dann schoss er so viele Tore, dass er jetzt nach Schalke kam. Er traf sogar gegen Manuel Neuer.

Schalke II

Rocky kämpft jetzt für Schalke

Manfred Hendriock
18. Februar 2017, 09:32 Uhr
Foto: firo

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Rogier Krohne wollte Physiotherapeut werden. Dann schoss er so viele Tore, dass er jetzt nach Schalke kam. Er traf sogar gegen Manuel Neuer.

Eines hat Rogier Krohne den meisten anderen Schalker Fußballern, auch den Profis, auf alle Fälle schon einmal voraus: Er hat bereits ein Tor gegen den besten Torwart der Welt geschossen. Und das kam so.
Vor zweieinhalb Jahren spielte Preußen Münster im DFB-Pokal gegen Bayern München. In der zweiten Halbzeit bekam der Drittligist einen Elfmeter, und Rogier Krohne schnappte sich den Ball.

Er deutete einen Schuss nach links an, Manuel Neuer sprang in die Ecke, und Rogier Krohne schoss nach rechts. „Ich habe Manuel Neuer ein bisschen verladen. Natürlich hatte er keine Chance”, sagt der Stürmer und lacht fast über sich selbst, als er diese Geschichte heute erzählt. Preußen verlor 1:4 gegen die Bayern, aber für Rogier Krohne war es eines der schönsten Spiele seiner Karriere: „So etwas vergisst man nicht.”

Vier Spiele in der ersten Liga

Rogier Krohne, 30 Jahre alt und Niederländer, ist im Fußball viel herumgekommen, ehe er in der Winterpause jetzt auf Schalke gelandet ist, um die U23 in der Regionalliga zu verstärken. Mit seinen Toren soll er als erfahrener Spieler zunächst einmal dafür sorgen, dass der Klassenerhalt in der Rückrunde geschafft wird – am Sonntag (14 Uhr) steht in Wattenscheid das erste Spiel an.

„Für mich ist das wieder eine neue Herausforderung, eine führende Rolle in einer U23 zu spielen. Das habe ich noch nicht gehabt”, sagt er. In Holland hat er für den FC Groningen und zweimal für den FC Emmen (2. Liga) gespielt, in Deutschland für den BV Cloppenburg und Preußen Münster. Als junger Spieler durfte er sogar ein bisschen von einer Profi-Karriere träumen; für Groningen kam er viermal in der ersten Liga zum Einsatz.

Wenn man mit dem Fußball nicht so viele Millionen verdienen kann, muss man etwas anderes machen!
Rogier Krohne

Doch weil er dann doch nie eine richtige Chance bekam, hatte er mit dem ganz großen Fußball eigentlich schon abgeschlossen: Als er zum BV Cloppenburg in die deutsche Oberliga wechselte, begann er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Das hatte ihn schon immer interessiert, und außerdem sagt er: „Wenn man mit dem Fußball nicht so viele Millionen verdienen kann, muss man etwas anderes machen.”

Die Stürmer-Schule aus Holland

Doch dann kam es, wie so oft im Leben: Auf einmal nahm die Karriere doch noch einen anderen Verlauf. In seinen vier Jahren in Cloppenburg schoss der Holländer so viele Tore (genau 85 in 125 Spielen), dass Preußen Münster ihn in die dritte Liga holte. Rogier Krohne brach die Ausbildung zum Physiotherapeuten schweren Herzens wieder ab, und am meisten guckten die Spieler in Cloppenburg in die Röhre: Ihnen fehlte nicht nur ihr Torjäger, sondern auch ein „Physio”. Denn nebenbei hatte der treffsichere Torjäger noch die Muskeln der Mitspieler geknetet.

In Cloppenburg bekam Rogier Krohne auch seinen Spitznamen verpasst, den er immer noch trägt: Man nennt ihn „Rocky”. Das liegt ein bisschen an seinem Vornamen: „Rogier ist für Deutsche wegen des G schwer auszusprechen – Rocky ist einfacher.”

Und ein bisschen geht der Name auch auf seine Spielweise zurück: „Ich bin schon einer, der viel für die Mannschaft kämpft.” Wenn man ihn sieht, mit seinen 1,93 Metern Größe, glaubt man ihm das aufs Wort. Aber „Rocky” will nicht nur auf seine Wucht reduziert werden: „Technisch und taktisch muss man das auch intelligent machen.” Eben die gute holländische Fußball-Schule.

Die hat auf Schalke Tradition. Früher waren es bei den Profis Youri Mulder und René Eijkelkamp, heute ist es Klaas-Jan Huntelaar – mit Stürmern aus Holland ist Schalke immer gut gefahren. „Schalke ist in Holland beliebt, das merkt man überall”, erzählt Rogier Krohne, der aber nicht so ein Typ ist, der für die großen Vorbilder schwärmt – zu Hause bewahrt er lediglich ein Trikot von Arjen Robben auf.

Auch ein Spiel der Schalker Profis hat er noch nie im Stadion gesehen. Trotzdem war er schon einmal in der Arena: Mit der D-Jugend des BV Cloppenburg war er vor vielen Jahren auf Schalke zu Gast und hat eine Führung durch den Fußballtempel mitgemacht – Rogier Krohne hat nebenbei auch noch die Kinder seines damaligen Vereins trainiert.

Jetzt hat er sich einen Besuch bei den Schalker Profis für die nächsten Wochen fest vorgenommen – aber wirklich nur einen Besuch, obwohl er einmal lacht: „Wer weiß, was noch passiert, wenn man viele Tore schießt...” Aber dann betont er gleich, dass er für die U23 hier ist und es für ihn um nichts anderes geht, als diesem Team zu helfen.
Ab Sonntag in der Regionalliga, wenn es mit dem Spiel in Wattenscheid losgeht. Toreschießen kann er ja. Sogar gegen Manuel Neuer.

Autor: Manfred Hendriock

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