Anfang Oktober kam es in der Fußball-Kreisliga A2 bei der Partie zwischen DJK TuS Rotthausen und Genclerbirligi Resse zu einigen unschönen Szenen.

Genclerb. Resse

Kaya über Provokationen in der Kreisliga

Tim Lievertz
25. Januar 2017, 07:07 Uhr
Foto: Joachim Kleine-Büning

Foto: Joachim Kleine-Büning

Anfang Oktober kam es in der Fußball-Kreisliga A2 bei der Partie zwischen DJK TuS Rotthausen und Genclerbirligi Resse zu einigen unschönen Szenen.

Ein im Vergleich zu den Nachbarstädten Gelsenkirchens ein eher seltener Vorfall. Burhan Kaya, Trainer von Genclerbirligi Resse, erklärt, warum „wir es in Gelsenkirchen eigentlich ganz gut haben“, wo es noch Probleme gibt und wie man den Umgang untereinander in Zukunft noch verbessern könnte.

Herr Kaya, das Spiel Ihrer Mannschaft bei DJK TuS Rotthausen lief nicht gerade glatt ab. Was ist dort passiert?
Unsere Spiele in Rotthausen waren schon immer hitzig, ich weiß gar nicht, warum. In dem Spiel gab es viele Provokationen. Das kann man nie ganz verhindern, aber man darf dann auch einfach nicht darauf reinfallen.

Das ist etwas verwunderlich, denn im Gelsenkirchener Amateurfußball passiert ja beim Thema Ärger und Randale auf dem Platz vergleichsweise wenig. Ja, das stimmt. Im Vergleich zu beispielsweise Essen läuft es in Gelsenkirchen wunderbar. Wenn ich lese, was zum Beispiel dort in Essen jede Woche los ist, bin ich heilfroh, dass das bei uns nicht so ist. Ich würde mir aber trotzdem wünschen, dass es in Gelsenkirchen noch besser wird.

Was läuft denn in Gelsenkirchen noch nicht so gut? Wenn ein Trainerkollege nach einem Spiel gegen YEG Hassel II, eine türkische Mannschaft, sagt, es mache keinen Spaß mehr, gegen solche Mannschaften zu spielen, dann klingt das zunächst einmal sehr zweideutig. Da muss man sich einfach klarer ausdrücken. Generell könnte es, was den Respekt untereinander angeht, noch besser werden.

Gibt es da ein konkretes Beispiel?
Wir pflegen es, sehr gastfreundich zu sein. Wir stellen den Gästemannschaften eine Bank und eine Kiste Wasser oder Cola hin. Wenn man das alles macht und bei manchen Rückspielen dann nichts davon zurückbekommt, denken meine Spieler auch: Was ist denn da los? So etwas ist schade.

Spielen bei den Problemen, die aufkommen, auch Vorurteile gegenüber Mannschaften mit ausländischen Wurzeln eine Rolle? Teilweise schon. Vor der Stadtmeisterschaft habe ich jemandem erzählt, dass wir dort unter anderem gegen die Mannschaft von YEG Hassel spielen. Da bekam ich die Antwort: „Oh je, da kann man ja direkt die Polizei rufen.“ Da denke ich mir: Pack’ dir doch mal an den Kopf. Wegen genau solcher Aussagen passieren doch diese Sachen erst. Ich habe, ehrlich gesagt, Angst, dass türkische Mannschaften negativ in die Schlagzeilen geraten. Denn momentan machen wir auf der Welt genug Schlagzeilen.

Oft heißt es, türkische Spieler seien temperamentvoller als andere Spieler. Ist da tatsächlich etwas dran? Ja, die türkische Mentalität ist schon etwas anders, feuriger. Man kann uns durch gewisse Sachen schnell hochbringen. Wenn man mich zum Beispiel als hässlich bezeichnet, ist das kein Problem. Aber wenn es rassistisch wird oder die Familie beleidigt wird, da flippen Türken sofort aus, auch auf dem Fußballplatz.

Wo liegt denn bei den wöchentlichen Spielen im Amateurfußball das größte Konfliktpotenzial? Spieler, die sich leicht provozieren lassen und Zuschauer, die vom Spielfeldrand aus auch gerne mal provozieren? Ich denke schon, dass genau das trifft. Da sollten die Vereine vernünftig Ordner aufstellen, so dass die Zuschauer nicht zu sehr in das Spiel eingreifen können. Die Zuschauer machen bei dem Thema schon viel aus, vor allem in der Kreisliga.

Aber es gibt natürlich auch immer zwei Seiten einer Medaille. Einer, der provoziert, und der andere, der sich dann auch leicht provozieren lässt. Das stimmt. Und wir versuchen auch, dagegen anzugehen. Ich bin jetzt seit vier Jahren Trainer bei Genclerbirligi Resse. In meinem ersten Jahr kannte ich die Spieler noch nicht so gut, da gab es zwei Spielabbrüche. Nach der Saison habe ich zehn Spieler rausgeschmissen. Ein Trainer ist auch ein Psychologe, man muss mit jedem Charakter in der Mannschaft anders umgehen.

Muss man dabei in der täglichen Arbeit mit dem Team auf die sehr leicht reizbaren Spieler besonders achten? Nein. Die muss man rausschmeißen! Solche Leute haben im Fußball und auf dem Platz nichts verloren, die können am besten gleich ganz zuhause bleiben. So sehe ich das jedenfalls.

Was sagen Sie denn Ihren Spielern, wie man mit Provokationen umgehen sollte? Da erzähle ich meinen Spielern gerne eine Situation aus meiner aktiven Laufbahn.

Welche? Erzählen Sie uns diese Geschichte aus Ihrer Zeit als Spieler auch? In einem Laufduell sind mein Gegenspieler und ich damals zu Boden gegangen, und er hat meine Familie beleidigt. Da habe ich ihn gefragt, ob er sich nicht schämen würde. Er war sieben oder acht Jahre jünger als ich. Nach dem Spiel kam er zu unserer Kabine und hat sich unter Tränen entschuldigt. Das hat mich sehr gefreut. Und es zeigt, wie man mit Provokationen umgehen sollte.

Autor: Tim Lievertz

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