Thomas Tuchel war nach der 1:2-Niederlage in Frankfurt bedient. Es war dem Trainer von Borussia Dortmund anzusehen und es war ihm anzuhören.

BVB

Tuchels Abrechnung mit seinen Spielern

Sebastian Weßling
26. November 2016, 20:42 Uhr
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Thomas Tuchel war nach der 1:2-Niederlage in Frankfurt bedient. Es war dem Trainer von Borussia Dortmund anzusehen und es war ihm anzuhören.

„Mit so vielen Defiziten wie in unserem Spiel ist in der Bundesliga kein Auswärtsspiel zu holen“, schimpfte er nach der 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt. Und auf die Bitte, die Defizite genauer zu benennen, antwortete er: „Technisch, taktisch, mental, Bereitschaft, komplett - ein einziges Defizit.“

Es war eine ungewohnt deutliche Generalabrechnung eines Trainers mit seinen Spielern, der auch bemängelte, dass die Spieler die gesamte Trainingswoche über die Ansprüche nicht erfüllt hätten. Inhaltlich hatte dies durchaus seine Berechtigung: Der Dortmunder Auftritt in Frankfurt war zu einem der schwächsten in der laufenden Saison geraten, die Spieler waren fahrig, unkonzentriert und leisteten sich technische Schwächen in Serie.

Es verwunderte jedoch, dass sich Tuchel aus der Fehleranalyse komplett ausnahm – denn Taktik und zu Teilen auch die Einstellung sind doch vor allem sein Aufgabengebiet. Und darin waren die Frankfurter an diesem Tag überlegen. Mit allen Mann verrammelten sie den eigenen Strafraum, der BVB spielte den Ball meist drumherum, kam auf hohe Ballbesitzwerte – aber hatte kaum Ideen, den Ball in gefährliche Positionen zu bringen.

Eigentlich sollten die drei Stürmer [person=2400]André Schürrle[/person], [person=12384]Pierre-Emerick Aubameyang[/person] und [person=2891]Adrian Ramos[/person] mit langen Bällen in den Rücken der Abwehr geschickt werden, sollten ihre Schnelligkeitsvorteile ausspielen. Doch die ersten Versuche misslangen und recht schnell hatten sich die Frankfurter auf den Dortmunder Plan eingestellt.

Die beste Chance vor der Pause musste sich Aubameyang denn auch auf eigene Faust organisieren: Mit dem Rücken zum Strafraum lupfte er den Ball über David Abraham, schoss dann aber allein vor dem Tor vorbei (29.).

Die Art und Weise, wie wir aus der Kabine gekommen sind - da hätte es mich fast gewundert, wenn wir kein Tor bekommen hätten
Thomas Tuchel

Es dauerte, bis Frankfurt gefährlich wurde - dann aber richtig: Der BVB war weit aufgerückt, Mijat Gacinovic bediente Szabolcs Huszti, der zog freistehend von der Strafraumgzenze ab - allerdings genau auf Weidenfeller, der mit beiden Fäusten klärte (36.). Unmittelbar danach
lenkte Alex Meier eine Flanke knapp neben das BVB-Tor.

So ging es mit einem 0:0 in die Pause - das aber hielt nicht lang: Frankfurt spielt über die rechte Seite nach vorne, Marcel Schmelzer ließ Timothy Chandler laufen und der bediente den völlig freistehenden [person=8238]Huszti[/person] im Rückraum - schon stand es 0:1 aus Dortmunder Sicht (46.). „Die Art und Weise, wie wir aus der Kabine gekommen sind - da hätte es mich fast gewundert, wenn wir kein Tor bekommen hätten“, haderte Tuchel.

Der Treffer zeigte seine Wirkung: Frankfurt drehte auf, der BVB wurde hektisch und noch unpräziser. Tuchel reagierte mit einem Dreifachwechsel: Julian Weigl, Ramos und Schürrle verließen den Platz, [person=1948]Sebastian Rode[/person], [person=1910]Marco Reus[/person] und [person=33202]Ousmane Dembélé[/person] kamen (58.) – auch das zeigte, wie unzufrieden der BVB-Trainer war.

Und vor allem Dembélé sorgte für erheblich mehr Schwung im BVB-Spiel, sorgte mit schnellen Dribblings für Unruhe ind er Frankfurter Abwehr – und bereitete mit butterweicher Flanke auch das Kopfballtor von Aubameyang zum 1:1 vor (78.). Doch erneut ließ es der BVB an der nötigen Konzentration vermissen: Matthias Ginter verlor ind er eigenen Hälfte den Ball, über mehrere Stationen gelangte der Ball zu [person=25812]Haris Seferovic[/person] – und der traf von der Strafraumgrenze zur erneuten Eintracht-Führung (79.).

Die erneute Dortmunder Antwort blieb aus. „Unterm Strich geht es absolut in Ordnung, dass wir hier verloren haben“, räumte Julian Weigl zerknirscht ein. Widersprechen mochte niemand.

Autor: Sebastian Weßling

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