BVB-Torwart Roman Bürki fällt voraussichtlich acht Wochen aus - eine bittere Diagnose. Doch des einen Leid ist im Fußball wie so oft des anderen Glück.

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Bonmann schnuppert am großen Traum

22. November 2016, 09:21 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

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BVB-Torwart Roman Bürki fällt voraussichtlich acht Wochen aus - eine bittere Diagnose. Doch des einen Leid ist im Fußball wie so oft des anderen Glück.

Der Schweizer Nationalkeeper zog sich beim 1:0-Triumph der Schwarz-Gelben über den FC Bayern München einen Mittelhandbruch zu und muss operiert werden. Die Ausfallzeit wird auf zwei Monate beziffert. Bürki wird also im Jahr 2016 kein Spiel mehr für den BVB absolvieren. Die logische Konsequenz: BVB-Torwart-Ikone Roman Weidenfeller rückt zurück in den Kasten. Der 36-Jährige dürfte sich, bei allem Respekt gegenüber der Verletzung von Bürki, über die Rückkehr freuen, zumal er bereits beim Elfmeterschießen im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Union Berlin beweisen konnte, was noch in ihm steckt. Doch nicht nur Weidenfeller profitiert. Auch Hendrik Bonmann aus der zweiten Mannschaft des BVB rückt in der Rangliste einen Platz nach oben und darf sich in den nächsten acht Wochen als vollwertiges Mitglied der Bundesligaprofis betrachten. RevierSport hat mit dem gebürtigen Essener, der seit Kindestagen BVB-Fan ist, über die kommenden Wochen, persönliche Ziele und ein ganz spezielles Verhältnis zu den Fans gesprochen.

Hendrik Bonmann, auch wenn sich mit Roman Bürki eine zuletzt tragende Säule des BVB verletzt hat, Hand aufs Herz: Haben Sie sich nach Bekanntwerden der Verletzung auch ein bisschen auf die kommenden Wochen gefreut ?
Von Freude kann man nicht sprechen. Zunächst möchte ich Roman, der ein außergewöhnlicher Spieler und Teamkollege ist, die besten Genesungswünsche ausrichten. Wir haben sehr viel Respekt voreinander, da betrübt es einen schon, wenn ein Mitspieler, der extrem wichtig für die Mannschaft ist, so lange pausieren muss. Dass ich in seiner Abwesenheit fester Bestandteil des Profikaders von Borussia Dortmund bin, sorgt aber natürlich schon auch für ein Kribbeln im Bauch.

Sie haben sich bei der U23 des BVB als klare Nummer eins etabliert, viele starke Spiele abgeliefert und wurden in der vorherigen Saison sogar als bester Torwart der Regionalliga-West gewählt. Denken Sie, diese Erfahrungen haben Sie inzwischen so weit gebracht, um der Rolle als Nummer zwei beim BVB gewachsen zu sein?
Ich konnte unheimlich viel Spielpraxis sammeln, habe in der vergangenen Saison bis auf eines alle Spiele bestreiten können und denke, dass ich eine gute Saison gespielt habe. Man entwickelt sich als Fußballer am meisten durch Spiele weiter. Dadurch habe ich noch einmal einen großen Schritt gemacht. Die Zeit hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben und mich auch als Persönlichkeit weiter gebracht. Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Wenn ich jetzt gebraucht werde, werde ich da sein. Ich bin bereit für den nächsten Schritt. Am liebsten natürlich beim BVB. Jeder weiß, dass das mein allergrößter Traum ist, für den ich jeden Tag hart arbeite. Extraeinheiten, gesunde Ernährung, Disziplin - ich tue alles, um das irgendwann zu schaffen.

Gegen unser Westfalenstadion könnte sogar das Bernabeu in Madrid einpacken
Hendrik Bonmann

[Nun sind acht Wochen ja eine lange Zeit und etwas anderes, als wenn man nur für ein Spiel auf der Bank Platz nimmt. Wie groß ist Ihre Hoffnung, in dieser Zeit, in der einiges passieren kann, vielleicht sogar einen Einsatz bei den Profis zu bekommen?
Hoffnung ist das falsche Wort, denn mit Roman Weidenfeller haben wir einen erfahrenen Weltklassetorhüter, der Roman Bürki adäquat vertreten wird. Aber natürlich lebe und arbeite ich schon einen großen Teil meines Lebens auf den Tag hin, an dem ich im Signal Iduna Park vor der Südtribüne spielen darf.

In der Champions League werden Sie definitiv im Kader des Spiels gegen Real Madrid im Santiago Bernabeu stehen. Auch kein schlechter Ort oder?
In Madrid dabei zu sein, wird in meiner noch jungen Karriere sicherlich ein großes Highlight. Aber damit möchte ich mich jetzt noch gar nicht befassen. Erst einmal konzentriere ich mich voll auf Legia Warschau. Und noch etwas möchte ich dazu sagen: Für mich gibt es kein schöneres und prachtvolleres Stadion, als unseres. Ich kann mir kein besseres Gefühl vorstellen, als dort aufzulaufen und die Südtribüne nicht unter, sondern hinter mir zu haben. Dagegen könnte sogar das Bernabeu einpacken.

Die Aufgabe von uns Spielern ist es, die Fans stolz zu machen
Hendrik Bonmann

Als echter Borusse, der seit dem Kindesalter ins Stadion geht, plötzlich mit Roman Weidenfeller zum Warmmachen auf die Südtribüne zuzulaufen und bei der Teambesprechung mit Thomas Tuchel dabei zu sein, ist schon ein wenig verrückt, oder?
Definitiv! Romans Torwarttrikot aus meiner Jugend hängt immer noch zuhause im Schrank. Ins Stadion einlaufen durfte ich schon einmal zusammen mit Roman Bürki gegen den FC Porto in der vergangenen Saison. Jetzt über einen längeren Zeitraum so nah dabei zu sein, wird großartig, dennoch werde ich mich komplett auf meinen Job konzentrieren und fokussiert trainieren, um meine beste Leistung abzurufen, falls ich gebraucht werde. Ich möchte dem Trainerteam beweisen, dass sie sich voll auf mich verlassen können.

Sie sind sowohl bei ihrem Heimatverein Rot-Weiss Essen, als auch beim BVB für Ihre hohe Vereinsidentifikation bekannt. Immer, wenn Sie mit der U23 gewinnen, sieht man sie von allen Spielern beinahe am längsten bei den Fans. Beim 1:1 gegen RWE vor ein paar Wochen wurden sie von der Westkurve an der Hafenstraße lautstark gefeiert. Wie wichtig ist Ihnen dieser Kontakt zu den Fans?
Extrem wichtig. Ich werde von so vielen Menschen unterstützt und in all meinen Zielen bestärkt - dafür möchte ich einfach regelmäßig Danke sagen. Neulich bei einem Altschülertreffen meiner Schule in Essen hat mir jemand gesagt, dass ich immer daran denken soll, dass ich nicht nur für mich Fußball spiele, sondern für viele andere Menschen aus meiner Schule, meiner Stadt, meiner Region, die stolz auf mich sind und die meinen Weg begleiten. Diesen Menschen möchte ich als Spieler etwas zurückgeben, möchte sie stolz machen.

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