Vor dem Heimspiel von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund sprachen wir mit Leipzigs Außenverteidiger Lukas Klostermann über Olympia, das Spiel gegen den BVB und eine mögliche DFB-Zukunft.

RB Leipzig

Klostermann war als Junge BVB-Sympathisant

Daniel Berg
07. September 2016, 08:37 Uhr
Foto: firo

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Vor dem Heimspiel von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund sprachen wir mit Leipzigs Außenverteidiger Lukas Klostermann über Olympia, das Spiel gegen den BVB und eine mögliche DFB-Zukunft.

Lukas Klostermann, sind Sie schon wieder im Alltag angekommen nach Olympia?
Ja, das bin ich. Ich habe viele Glückwünsche bekommen und musste dem einen oder anderen auch die Medaille zeigen. Es hat mich gefreut, dass die Jungs hier auch so mitgefiebert haben.

Hat die Medaille einen Ehrenplatz? Den wird sie sicher bekommen, aber ich weiß noch nicht, wo.

Welches war das aufregendste Erlebnis bei Olympia? Eigentlich war das gesamte Turnier eine aufregende Zeit. Das Besondere war, dass wir nicht nur Rio, sondern ganz Brasilien bereist haben. Wir sind gut rumgekommen, ehe wir es mit dem Finaleinzug noch ins Olympische Dorf geschafft haben. Es war ein Riesen-Erlebnis, dort mit den weltbesten Sportlern auf engem Raum zusammen zu sein.

Wen speziell haben Sie dort getroffen? Das Problem war, dass wir erst sehr spät ins Dorf eingezogen sind, zu diesem Zeitpunkt waren die ganz großen Stars schon weg. Und die Anlage ist so riesig, dass man auch nicht ständig allen über den Weg läuft.

Die Wertschätzung der Olympia-Mannschaft ist enorm gestiegen. Haben Sie das mitbekommen? Während des Turniers haben wir davon eher weniger mitbekommen, jetzt in den ersten Tagen hier natürlich schon. Es hat mich gefreut, dass wir die Leute begeistern konnten.weil uns am Anfang ja auch gar nicht so viel zugetraut wurde. Wir hatten ja so gut wie keine Vorbereitungszeit und mussten uns in den ersten Turnierspielen als Mannschaft erst einspielen. Wir haben uns gesteigert und rückblickend ein richtig gutes Turnier gespielt.

Sie haben sich auch in den Vordergrund gespielt: Bundestrainer Joachim Löw hat neulich auf die explizite Frage, wem er zutraut, eine Rolle in der Nationalmannschaft einzunehmen, die Außenverteidiger des Olympiatemas genannt. Einer davon waren ja Sie. (Pause). Das habe ich ehrlich gesagt gar nicht so richtig mitbekommen.

Nein?
Nicht explizit, nein. Ich habe die Pressekonferenz nicht gesehen.

Wir dachten, dass danach Ihr Handy voll mit Nachrichten war. Ich habe in der letzten Zeit so viele Nachrichten bekommen, dass ich das vielleicht übersehen habe (lacht). Aber im Ernst: Für mich ist wichtig, dass ich diese Leistungen auch jetzt in der Bundesliga zeige und, dass Olympia keine Eintagsfliege war. Wenn mir das gelingt, dann wird es wahrscheinlich auch automatisch dafür belohnt.

Ihre Karriere verläuft im Eiltempo. Kommen Sie noch mit der Wahrnehmung hinterher? Schwer zu sagen. Es ist aber glaube ich nicht so verkehrt, sich darüber keinen allzu großen Kopf zu machen. Ich ziehe mein Ding durch und mich nicht von anderen Faktoren beirren zu lassen. Wenn die Leistung stimmt – und das ist das einzige, was man beeinflussen kann -, kommen die andern Dinge von alleine.

Dinge, die kommen, wenn einer überragend spielt, sind Angebote von anderen Vereinen. Gab es welche? Davon habe ich nichts gehört. Ich fühle mich hier sehr wohl und glaube, dass ich dem Verein helfen und der Verein mir wiederum in meiner Entwicklung weiter helfen kann. Das Ziel ist, dass es so positiv weitergeht.

Das wäre rasant. Ihre Bundesliga-Premiere steht am Wochenende an? Steigt die Anspannung? Ja, die Anspannung ist schon da, aber auch nicht immens viel größer als bei anderen Spielen. Die Bundesliga ist natürlich schon eine Hausnummer. Umso mehr freue ich mich darauf. Die Euphorie in der Umgebung ist riesig, die Karten für unser erstes Heimspiel waren unglaublich schnell ausverkauft. Volles Haus, ein richtig guter Gegner – darauf freut sich das ganze Team.

Sie sind unweit des Dortmunder Stadions geboren und aufgewachsen. Haben Sie eine Verbindung zu dem Klub? Als Junge war ich – das darf ich glaube ich sagen - schon BVB-Sympathisant. Ich habe mit dem Verein mitgefiebert. Ich komme aus der Region, von daher ist es ein schönes Gefühl, jetzt gegen den Verein, den man von kleinauf miterlebt hat, zu spielen.

Beim BVB spielt Pierre-Emerick Aubameyang im Sturm, sie sind Außenverteidiger. Sie werden einander öfter begegnen. Wie ist er zu stoppen? Darüber habe ich mir im Detail noch keine Gedanken gemacht. Wir werden uns, wenn alle Nationalspieler zurück sind, noch intensiver auf den BVB vorbereiten und die eine oder andere Videositzung haben, um dann einen guten Plan zu entwickeln. Wenn wir als Mannschaft das auf den Platz bringen, was wir können, bin ich optimistisch, dass wir was reißen und dagegen halten können.

Sie und Aubameyang haben eine Gemeinsamkeit: Sie beiden sollen auf den ersten 30 Metern schneller sein als Supersprinter Usain Bolt (3,78 Sekunden). Überliefert ist bei Aubameyang eine Zeit von 3,70 und bei Ihnen von 3,72. Ist das wissenschaftlich haltbar? Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe diese Behauptung, schneller als Bolt zu sein, auch nicht aufgestellt. Wenn Usain Bolt auf der Tartanbahn, aus dem Startblock zum Weltrekord läuft, dann lässt sich das schlecht mit unseren Schnelligkeitstests vergleichen: also auf Rasen, aus dem Stand heraus, aber dafür ohne auf ein Signal zu warten.

Verändert es Ihr Spiel, einen so schnellen Gegner zu haben? Nein, nicht wesentlich. Ich bereite mich auf das Spiel vor und weiß, was die Gegenspieler für Stärken und Schwächen haben. Dann kann ich in der einen oder anderen Situation richtig antizipieren. Ich stelle nicht mein Spiel um, weil da ein Gegenspieler kommt, der so schnell ist. Aber es ist natürlich gut, das vorher zu wissen.

Sie freuen sich auf das Duell mit ihm? Natürlich. Ich freue mich jetzt auf jedes Bundesligaspiel. Da werden wir auf Topgegner mit Topeinzelspielern treffen, wie z.B. Aubameyang. Und sich mit denen zu messen, wird große Freude machen, gleichzeitig werden wir in jedem Spiel auch viel lernen.

Woher kommt Ihre Geschwindigkeit? Schnelligkeit hat vor allem mit Vererbung zu tun. Meine Eltern haben viel Leichtathletik gemacht und mich als kleinen Jungen schon immer mit auf den Sportplatz genommen. Früher habe ich Fußball und Leichtathletik parallel gemacht. Das ist dann aber immer weniger geworden, weil man Fußball mit den Freunden zusammen spielen konnte. In der Leichtathletik war man gerade bei Wettkämpfen immer sehr auf sich allein gestellt.

Autor: Daniel Berg

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