Sechs Schalker Spieler könnte Trainer Horst Hrubesch fürs Olympia-Team nominieren. Aber er kriegt nur zwei – Ergebnis eines umstrittenen Bundesliga-Deals

Olympia-Berufung

Schalke oder Rio

Andreas Ernst
14. Juli 2016, 06:07 Uhr

Sechs Schalker Spieler könnte Trainer Horst Hrubesch fürs Olympia-Team nominieren. Aber er kriegt nur zwei – Ergebnis eines umstrittenen Bundesliga-Deals

Sechs Spieler des FC Schalke 04 könnten einen unvergesslichen August erleben. Max Meyer, Johannes Geis, Leon Goretzka, Thilo Kehrer, Leroy Sané und Timon Wellenreuther sind Kandidaten für das deutsche Olympia-Fußballteam. Eine Goldmedaille ziert schließlich jeden Trophäenschrank. Doch es wird schwierig, das von DFB-Sportdirektor Hansi Flick postulierte Ziel zu erreichen, „den deutschen Fußball bei Olympia würdig zu vertreten“.

Drei Tage Training in Frankfurt

Wenn U21-Trainer Horst Hrubesch heute das Aufgebot bekannt gibt, stehen nicht sechs Schalker auf der Liste – und schon gar nicht das bestmögliche Team. Im Gegenteil: Hrubeschs Kader ist eine Kompromisslösung. Anfang des Jahres 2016 vereinbarten die Bundesliga-Klubs mit dem DFB, dass sie, wenn sie überhaupt bereit sind, maximal zwei Spieler abstellen müssen. Denn die Olympischen Spiele liegen mitten in der Vorbereitung – bei einem Finaleinzug würden die Spieler zudem die erste Pokalrunde verpassen.

Mit Schalke liefen die Verhandlungen unkompliziert – zwei Spieler hatte sich Hrubesch schnell ausgesucht: Leon Goretzka ist als Kapitän gesetzt, Meyer soll im Mittelfeld die Fäden ziehen. „Ich weiß, wie wichtig es ist, eine Vorbereitung mit der Mannschaft zu bestreiten. Das ist so nicht möglich. Aber ich denke, ich würd‘s bereuen, wenn ich diese Chance nicht wahrnehme“, sagte Goretzka. Auch für Meyer ist Olympia keine Pflichtübung. „Das ist ein Ereignis, auf das ich große Lust habe“, sagt Meyer.

[vote]905[/vote]

Mit anderen Klubs und Spielern konnte sich der DFB aber nicht einigen. Mo Dahoud (Borussia Mönchengladbach) und die Berliner Mitchell Weiser und Niklas Stark erhalten wegen der Europapokal-Qualifikationsspiele ihrer Vereine keine Freigabe. Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg) ist am Blinddarm erkrankt, Kevin Volland (Bayer Leverkusen) und Timo Werner (RB Leipzig) wollen nach ihren Vereinswechseln nicht mitfliegen. Leroy Sané, Julian Weigl (Borussia Dortmund) und Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) sind durch ihre EM-Teilnahme außen vor – obwohl sie in Frankreich kaum oder gar nicht im Einsatz waren.

Deshalb rankt sich reichlich Rätselraten um das Aufgebot. Spielberechtigt sind Akteure, die nach dem 1. Januar 1993 geboren sind – wie Goretzka und Meyer. Dazu kommen maximal drei ältere Akteure. Zwei davon sind die Zwillinge Sven (BVB) und Lars Bender (Leverkusen). Die Kicker versammeln sich am 28. Juli wie Schüler vor einer Klassenfahrt. Es gibt eine gerade mal dreitägige gemeinsame Trainingsphase in Frankfurt, ehe am 30. Juli der Abflug nach Salvador erfolgt. „Ich habe überhaupt keine echte Vorbereitung“, klagt Hrubesch.

Im ersten Spiel trifft die deutsche Auswahl vor der Olympia-Eröffnungsfeier in Salvador auf Mexiko (4. August/22 Uhr MESZ). Weitere Gegner sind Südkorea und die Fidschi Inseln, zweiter Spielort ist Belo Horizonte. Um überhaupt etwas vom Flair der eigentlichen Olympiastadt Rio mitzubekommen, ist eine Finalteilnahme zwingend notwendig. Sonst bleiben für Goretzka, Meyer und Co. wohl nur lange Reisen und Eindrücke von den Spielorten als Erinnerung.

Autor: Andreas Ernst

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren