Abpfiff, doppelte Jubelfaust und ein Gesichtsausdruck, als hätte der Mann soeben 385 Kilogramm Gewicht bei der Jagd nach Olympischem Gold erfolgreich in die Höhe gewuchtet:

VfB Homberg

Der „Mr. Perfect“ vom Rheindeich

Thomas Tartemann
07. Juni 2016, 07:41 Uhr
Foto: Michael Ketzer

Foto: Michael Ketzer

Abpfiff, doppelte Jubelfaust und ein Gesichtsausdruck, als hätte der Mann soeben 385 Kilogramm Gewicht bei der Jagd nach Olympischem Gold erfolgreich in die Höhe gewuchtet:

Von Hombergs Trainer Stefan Janßen fiel nach dem perfekt gemachten Aufstieg in die Fußball-Oberliga Niederrhein eine Zentnerlast ab. Wochenlang hechelten die Homberger als Verfolger hinter Spitzenreiter 1. FC Kleve her, bevor sie sich nach einer überragenden Rückrunde kurz vor der Ziellinie auf den ersten Platz schoben.

Im alles entscheidenden Knaller gegen den FSV Duisburg waren die Gelb-Schwarzen erst drin, dann beim 2:3-Rückstand draußen und zum Schluss durch das 4:3 doch wieder drin in der Oberliga. Was folgte, war eine Explosion der Freude, die der mit Krämpfen ausgewechselte Verteidiger Thorsten Kogel auf dem Tribünenzaun mit einer „Humba“ noch zusätzlich anheizte.

Stefan Janßen genoss die ausgelassene Stimmung, gönnte sich ein kühles Aufstiegsbier und sah im Hintergrund, wie sich Führungsspieler Sunay Acar alleine an den Mittelkreis setzte. Mit dem Aufstieg endete eine lange Ära von Acar, der mit 37 Jahren seine aktive Laufbahn beendet. Janßen: „Sunay ist ein Vorbild und ein unfassbar guter Typ. Ich sehe mich ehrlich gesagt selbst in ihm. So wie er bin ich als Spieler auch gewesen. Zusammen mit Thomas Schlieter ist Sunay bei uns in die Rolle des verlängerten Trainerarms geschlüpft. Die beiden haben mir oft eine andere Blickweise auf gewisse Dinge vermittelt.“ Acar soll dem VfB in anderer Funktion erhalten bleiben.

Mit Stefan Janßen hatten die Homberger Verantwortlichen schon vor Wochen um eine weitere Saison verlängert. Nach dem letztjährigen Frust-Abstieg aus der Oberliga, als der VfB mit 22 Pleiten in 34 Spielen lediglich eine Statistenrolle einnahm und das rettende Ufer nur mit dem Feldstecher erkennen konnte, erlebte der Verein vom Rheindeich seine Wiederauferstehung.

Homberg holte die meisten Siege (23), produzierte Tore am Fließband (90) und kämpfte sich von Platz 15 (2. Spieltag) auf den Gipfel (33. Spieltag). Torjäger Marcel Kalski, der 28 Mal einnetzte, war wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Wirbelwind Sergen Sezen, dem über 20 Assists gelangen, entpuppte sich als Volltreffer. Und Janßen formte aus den verschiedenen Puzzleteilen eine funktionierende Einheit. „Der Trainer ist ein Besessener“, sagt Marcel Kalski, „er erinnert mich an Sascha Lewandowski, der mein Jugendtrainer in Leverkusen war. Als wir mit Bayer ein wichtiges Spiel gewonnen hatten, verabschiedete sich Lewandowski mitten im Feiern und analysierte in seinem Büro den nächsten Gegner.“

Linksfuß Oguzhan Cuhaci nennt Janßen „unseren Mr. Perfect.“ Seine Begründung: „Er hat uns spielerisch weiterenwickelt, macht eine Top-Gegneranalyse, ist sehr professionell. Wenn du mit ihm im Sommer in die Vorbereitung startest, sagt Stefan Janßen schon exkate Termine für den Dezember. Das ist alles strukturiert.“ Und nebenbei gibt es noch ein paar Tipps. Cuhaci: „Der Coach sagt auch, dass wir Cola und andere Süßgetränke vor Spielen weglassen sollen.“ Sonst kann es durchaus „Saures“ geben. In der Oberliga werden die Anforderungen noch höher. Das Aufstiegsteam bleibt weitgehend zusammen. Marcel Kalski: „Ich bin sicher, dass wir mit dem Team bestehen können.“ Ein neuer Sechser soll kommen, „dazu ist die Abteilung Attacke in Bearbeitung“, wie Vizepräsident Wolfgang Graf verrät.

Autor: Thomas Tartemann

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