Nach der 0:2-Niederlage des MSV Duisburg gegen den FC Heidenheim entluden sich auf den Rängen die angestauten Emotionen.

MSV Duisburg

Fans haben "die Schnauze voll"

02. April 2016, 10:42 Uhr
Foto: firo

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Nach der 0:2-Niederlage des MSV Duisburg gegen den FC Heidenheim entluden sich auf den Rängen die angestauten Emotionen.

Es war schon fast eine beängstigende Stimmung, die sich nach Abpfiff in der Duisburger Schauinslandreisen-Arena ausbreitete. Bis zur 74. Minute hatten die MSV-Fans die Mannschaft von den Rängen lautstark unterstützt. Selbst als Bard Finne kurz nach Wiederanpfiff das 2:0 für die Gäste markierte (49.), versuchte der Duisburger Anhang die Mannschaft aufzubauen. "Scheiß auf erste Liga, ihr seid unsere Sieger, MSV" tönte es durchs Stadion.

Doch als die Fans merkten, dass neben dem guten Willen nicht viel bei der Aufholjagd ihrer Mannschaft rumkam - Trainer Ilia Gruev: "Wir haben offensiv alles versucht, aber klare Chancen haben wir nicht gehabt" -, kippte die Stimmung auf den Rängen und ein hämisches "Oh, wie ist das schön!" wurde angestimmt.

Nach dem Schlusspfiff waren es dann zunächst [person=31749]Victor Obinna[/person] und [person=31842]Giorgi Chanturia[/person], die die Fans mit ihrem Gang in Richtung Kurve ein wenig beschwichtigen wollten. Doch damit gaben die sich nicht zufrieden. Sie wollten die komplette Mannschaft sehen und ihr ihren Ärger, ihre Wut, ihre Enttäuschung und ihre Angst vor dem erneuten Abstieg in die Drittklassigkeit mitteilen. Minutenlang standen die Spieler dann vor der Nordtribüne und ließen alles auf sich einprasseln. Ob "Absteiger"- und "Auf Wiedersehen"-Rufe, "3. Liga, Duisburg ist dabei"- oder "Wir haben die Schnauze voll"-Gesänge, die Fans packten alles aus, was sich in den letzten Wochen und Monaten bei ihnen angestaut hatte. Und die Spieler? Die wirkten irgendwie ein wenig hilflos, schienen nicht so richtig zu wissen, ob sie sich ihrem Anhang jetzt stellen, oder sich doch lieber in die Kabine zurückziehen sollten.

Am Ende forderten die MSV-Fans dann auch noch den Trainer, der das ganze Spektakel zunächst zusammen mit Sportdirektor Ivo Grlic, Präsident Ingo Wald und Geschäftsführer Peter Mohnhaupt von der Mittellinie ähnlich regungslos beobachtet hatte. Denn nicht nur die Fans, die komplette Mannschaft war enttäuscht, hatte sie sich nach zuletzt vier Spielen ohne Niederlage doch so einiges vorgenommen. Gemeinsam gingen dann alle zum Zaun und stellten sich. "Der Gang ist schwer", erklärte Grlic nachher, "aber er gehört dazu. Sich feiern zu lassen, wenn es gut läuft, ist immer einfach. Aber es gehört auch Stärke dazu, sich in so einer Situation zu stellen."

Was genau die Fans der Mannschaft an den Kopf warfen, wollte der Sportdirektor nicht sagen. Dass es nicht nur angenehme Aussagen waren, es vielleicht auch mal unter die Gürtellinie ging, wollte er aber auch nicht zu hoch hängen. "Ich werde hier jetzt nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Natürlich fallen da auch mal Worte, aber das sind Emotionen. Ich kann die Reaktion absolut verstehen." Gruev fand noch ein paar lobende Worte für seine Mannschaft. "Man kann der Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie keinen Charakter hat. Vor allem nach dem Spiel hat sie den bewiesen, als sie komplett zu den Fans gegangen ist. Wir sind ein Team."

Bleibt abzuwarten, wie Mannschaft und Fans diese Niederlage wegstecken. Vielen auf dem Platz dürfte sie nach der zuletzt doch recht positiven Stimmung die Augen ob der brenzligen Situation geöffnet haben. "Es bringt nichts, immer wieder diese Durchhalteparolen zu äußern", sagte Grlic. "Die Enttäuschung ist bei allen riesengroß. Es fällt mir gerade schwer, über die Zukunft zu sprechen. Diese Niederlage sitzt tief."

So langsam schwindet in Duisburg die Hoffnung...

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