Das Thema Auslandsvermarktung beschäftigt die Bundesligavereine in immer stärkerem Ausmaß. Natürlich gilt das auch für die Revierklubs.

Schalke gegen BVB

Im digitalen Derby hat S04 die Nase vorn

18. Januar 2016, 09:47 Uhr
Foto: firo

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Das Thema Auslandsvermarktung beschäftigt die Bundesligavereine in immer stärkerem Ausmaß. Natürlich gilt das auch für die Revierklubs.

Borussia Dortmund hat im Sommer eine Asienreise absolviert, Schalke flog zum Wintertrainingslager in die USA. Da die Vereine ihrer avisierten Zielgruppe aber nur in den Spielpausen nahe sein können, nehmen die Online-Auftritte eine entscheidende Bedeutung ein. Doch wie modern ist das Revier? Unsere Redaktion hat Schalke und den BVB in ein digitales Derby geschickt.

[infobox-right]Schalkes Strategie
Tobias Schmidt, Leiter Club Media: „Unsere Fans nutzen viele verschiedene Kommunikationskanäle, um mit uns in Kontakt zu treten. Aufgabe wird es sein, die Informationen, die über unsere digitalen Kanäle ankommen, so zu synchronisieren, dass sie noch besser und schneller als bisher verarbeitet werden können.“[/infobox]Betrachtet man die Anzahl der Kanäle, auf denen die Rivalen aktiv sind, schlägt Schalke die Borussen. S04 hat auf Twitter einen eigenen englischsprachigen Account sowie zusätzliche Kanäle für Japan und die USA. Das ist bei Branchenriesen wie Real Madrid und Bayern München Usus. Der BVB arbeitet mit nur einem Twitter-Account, auf dem in Deutsch und Englisch gepostet wird. Die Schalker haben Ende 2015 auch den bei Jugendlichen höchst beliebten Dienst „Snapchat“ für sich entdeckt, bei dem die gesendeten Daten nur kurzzeitig sichtbar sind. Der BVB ist dort noch nicht aktiv. Ergebnis: 5 Punkte für Schalke, 3 Punkte für Dortmund

Was die Anzahl der User in den verschiedenen sozialen Medien angeht, so können die Dortmunder für sich beanspruchen, hinter den Bayern in allen Netzwerken die meisten Menschen zu erreichen. Um mit den internationalen Spitzenklubs zu konkurrieren, fehlt dem BVB aber noch einiges. Beispiel Facebook: Auf der Seite des FC Arsenal haben mehr als zweieinhalb Mal so viele Menschen auf „Gefällt mir“ geklickt (34,7 Millionen) als bei den Schwarzgelben (13,7), Real Madrid folgen in den sozialen Netzwerken sogar sechseinhalb Mal (86,4 Millionen) so viele Nutzer („Follower“). Schalke ist da weit abgeschlagen (2,74). Ergebnis: 3 Punkte für Schalke, 4 Punkte für Dortmund

Um die Reaktionsfreudigkeit der Vereine zu überprüfen, schauen wir auf Twitter – das Netzwerk, das am stärksten auf Kommunikation ausgelegt ist. Auch hier hat der BVB die Nase vorn, denn Dortmund antwortet mehrmals am Tag auf Fragen seiner Follower und teilt („retweetet“) deren Beiträge – S04 macht dies seltener. Ergebnis: 4 Punkte für Schalke, 5 Punkte für Dortmund

[infobox-right]Dortmunds Strategie
Borussia Dortmunds Leiter Neue Medien David Görges sagte im Interview mit dw.com: „Wir haben einen Ansatz, der sich von anderen Klubs unterscheidet. (...) Unser Marketing-Claim erfordert es, dass wir echt gegenüber unseren Fans sind und das repräsentieren wir auch auf unseren Social-Media-Kanälen.“[/infobox]In der Kategorie Output (Anzahl der Veröffentlichungen) haben wir uns die Zeit des Wintertrainingslagers angeschaut, das beide Vereine fast zeitgleich absolvierten. Hier hat Schalke mehr Tweets mit Trainingslagerbezug (253) abgesetzt als der BVB (174) – Retweets und Antworten nicht mitgerechnet. Auf Facebook lagen die Borussen (83) hingegen vor den Königsblauen (65). Da die Schalker zusätzlich eine gelungene Pageflow-Reportage und diverse Snapchat-Stories ablieferten, behalten sie in dieser Kategorie aus Redaktionssicht die Oberhand. Pageflow ist dafür ausgelegt, Bilder oder Videos mit Text-Elementen zu einer interaktiven Reportage zu verschmelzen. Ergebnis: 5 Punkte für Schalke, 4 Punkte für Dortmund

Bei den Themen bemühen sich beide Klubs um Vielfalt. Den Hauptteil der Beiträge bilden Fotos und Videos. So erhalten die Fans einen Blick hinter die Kulissen. Natürlich gehören auch Personalmeldungen, Ticketinfos und Eigenwerbung zum Programm. Hier gibt es kaum Verbesserungsbedarf. Ergebnis: 5 Punkte für Schalke, 5 Punkte für Dortmund

Auch in der Kategorie Kreativität und Humor geben sich beide Vereine wenig. Die Schalker machen in Sachen soziale Medien den etwas kreativeren Eindruck, die Dortmunder überzeugen mit Humor. So etwa bei einem Spiel, in dem sich [person=1630]Sven Bender[/person] die Nase gebrochen hat und so stark blutete, dass er sein Trikot mehrfach wechseln musste. Der BVB reagierte umgehend, postete ein Foto von einem Bender-Trikot im Fanshop und schrieb dazu: „Wir haben noch genug davon.“ Das kam gut an. Ergebnis: 4 Punkte für Schalke, 4 Punkte für Dortmund

In der Endabrechnung steht ein knapper 26:25-Sieg für die Schalker. Festhalten kann die Redaktion, dass beide Klubs digital vieles richtig machen. Um zu den internationalen Spitzenklubs aufschließen zu können, ist es aber ein weiter Weg.

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