Genau zwei Wochen ist es her, dass sich Nando Rafael beim Trainingsauftakt des VfL unter die Profis mischte.

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Rafael fühlt sich zu jung für einen Rentenvertrag

30. Juni 2015, 14:50 Uhr
Foto: firo

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Genau zwei Wochen ist es her, dass sich Nando Rafael beim Trainingsauftakt des VfL unter die Profis mischte.

Ein Trainingsgast, ein Probespieler, oder gar ein weiterer Neuzugang? Die Zaungäste spekulierten kräftig und diskutierten.

Die spontanen Meinungen unter den Kiebitzen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während das Gros über einen echten Kracher jubelte, grantelte auch eine Minderheit, dass Rafael doch der Chancentod in Person sei. Fakt ist aber: Die sportliche Vita des in Angola geborenen Angreifers sagt aus, dass der 1,80 Meter große Stürmer bei allen Vereinen geknipst hat. In Liga zwei (Augsburg) waren es immerhin 21 Treffer in 48 Spielen.

Nachdem sich der Trainerstab um Gertjan Verbeek eine Woche lang von der erstaunlichen körperlichen Fitness des 31-Jährigen überzeugt hatte, setzte Rafael nur acht Tage nach seinem ersten Ballkontakt die Unterschrift unter einen Einjahresvertrag. „Ich hatte von der ersten Minute an in Bochum ein gutes Gefühl. Deshalb war mir die Vertragslaufzeit egal. Ich bin noch zu jung und zu ehrgeizig, um ein Karriereende mit einem Rentenvertrag absichern zu müssen“, sagt der Ex-Düsseldorfer.

Klare Worte. Und wer den ehemaligen deutschen U21-Nationalspieler in den letzten zwei Wochen auf und neben dem Platz beobachtet hat, der ist überzeugt, dass der „Spaßvogel“ sportlich und menschlich eine echte Bereicherung für den zum Teil sehr jungen Kader ist. „Wir haben viele talentierte Spieler, die noch Zeit brauchen. Aber sie werden sich weiterentwickeln“, betont Rafael. Dabei will Bochums neue Nummer neun helfen: „Ich bin für die Youngster immer ansprechbar.“ Kontaktfreudig rund um das Spielfeld, auf dem Rasen allerdings zuweilen mit einem anderen Tonklang: „Da kann ich auch schon einmal laut werden, wenn auf dem Platz etwas schief läuft.“

Der gebürtige Angolaner genießt das Mannschaftstraining. Kein Wunder, denn seitdem er im Januar seinen Kontrakt in China beendete, hat er meist mit einem eigenen Personaltrainer namens Carlos Lens alleine trainiert. Abwechslung brachten nur die Einheiten mit dem Zweitligisten Almere City, bei dem er manchmal mittrainieren durfte. „In dieser Zeit gab es Angebote, aber da war nichts für mich dabei“, erklärt Rafael.
Das änderte sich erst, als sein Berater Jan van Baal seine langjährige Bekanntschaft zu Christian Hochstätter nutzte, um seinen Klienten einmal in Bochum vorstellig werden zu lassen. Für beide Seiten eine Win-Win-Situation, denn der VfL suchte einen ablösefreien, erfahrenen Stürmer als Ersatz für Mikael Forssell und Rafael einen Klub mit Ambitionen, der zudem nicht allzu weit von seinem niederländischen Wohnort liegen sollte. Rafael ist von seiner Wahl überzeugt: „Ich bin glücklich, denn ich habe in Bochum beides gefunden. Hier stimmt es menschlich und auch sportlich.“

Statt über 8000 Kilometer sind es jetzt bis zu seinem Wohnort Dronten nur noch 200 Kilometer, um seine Frau Laura, seinen Sohn Kenzo (5) und seine Tochter Chelsea (8) in die Arme zu nehmen. Rafael: „Sie sind in den 18 Monaten, in denen ich in China war, daheim geblieben, weil wir dort keine vernünftige Schule für meine Tochter gefunden haben.“

Wohltuend hebt sich der erfahrene Angreifer von vielen seiner Berufskollegen ab und versicherte den Journalisten: „Ihr könnt mich jederzeit anrufen, wenn ihr Fragen habt.“ Die Kommunikation fällt dem Stürmer ohnehin leicht. Denn neben seinem afrikanischen Heimat-Dialekt und Deutsch spricht er auch noch Niederländisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch und Englisch. „Ich glaube, dass mich in Bochum alle verstehen werden“, schmunzelt Rafael.

Die Fans erwarten natürlich Tore und der neue Stürmer erinnert sich: „2004 habe ich beim 2:2 in Bochum getroffen, mein Gegenspieler war damals der Hüne Raymond Kalla.“

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