Glosse

Verl - das Schwarze Loch der Regionalliga

22. Mai 2015, 19:16 Uhr
Foto: Ketzer

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Am Donnerstagnachmittag spielte sich ein skurriles Drama ab. In der Regionalliga West wurde um 15.50 Uhr ein Fußballspiel abgepfiffen.

Das allein ist schon erstaunlich genug. Vor offiziell 272 Zuschauern – gar keine schlechte Zahl für diesen hanebüchenen Termin – besiegte der SC Verl die U23-Mannschaft des VfL Bochum mit 3:1. Aber erst im Anschluss passierte das Unglaubliche: Die Mannschaft der Gäste verschwand unmittelbar danach. Nicht nur für ein paar Minuten in der Kabine, sondern von der Fußball-Landkarte – und zwar für immer!

Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas an der Verler Poststraße passiert. Samstag, 24. Mai 2014: Der SCV spielt zuhause gegen Leverkusen. Wieder ist es zehn vor vier, wieder hat Verl mit zwei Toren Unterschied gewonnen (5:3). Und erneut löst sich die Mannschaft der Gäste im Nichts auf. Bayers „Zwote“ gibt‘s nicht mehr, einfach weg vom Fenster!

Das Bermudadreieck liegt im Kreis Gütersloh

Das Bermudadreieck, wo Fußballmannschaften einfach so vom Radar verschwinden, liegt also nicht in Bochum, sondern im Kreis Gütersloh. Der Mahlstrom befindet sich nicht zwischen den Lofoten, sondern zwischen Bielefeld und Lippstadt und dort reißt er alles in seinen tiefen Schlund. Zumindest all jene, die es wagen, am letzten Spieltag nach Verl zu kommen.

Der Regionalliga-Staffelleiter ist nunmehr zum Herr über Leben und Tod, über Sein oder Nichtsein geworden. In Schalke und Köln wird schon gezittert: Sind auch die Tage unserer zweiten Mannschaften gezählt, wenn uns der Spielplan in der nächsten Saison zum Schluss ein Auswärtsspiel in Verl beschert? Ja, leider ist es so. Auch dem BVB steht nach dem Abstieg der Reserve aus der dritten Liga ein noch viel größeres Schreckensszenario bevor: der mysteriöse Tod der Amateure im Schwarzen Loch der vierten Liga.

Doch die extreme Gravitation macht auch vor ersten Mannschaften nicht Halt: 2013 war der Wuppertaler SV Borussia am letzten Spieltag an der Poststraße. Was danach passierte, ist bekannt: Insolvenz und Zwangsabstieg; nur die Umbenennung ließ den WSV zumindest in irgendeiner Form weiterexistieren.

Immer klarer wird nun auch, warum Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen unbedingt rauswollen aus der Regionalliga. Denn irgendwann ist es soweit, irgendwann kommt es, das gefürchtete Auswärtsspiel am letzten Spieltag in Verl. Danach läutet dann nur noch die Glocke. Und der Sportclub wartet auf sein nächstes Opfer...

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