Es war eine Szene, die es verdient gehabt hätte, in die Auswahl zum

Wille und Sieger-Mentalität: Ausgerechnet der Jüngste zeigte vermisste Tugenden

Özil und Lincoln? "Das geht"

hb
08. April 2007, 15:31 Uhr

Es war eine Szene, die es verdient gehabt hätte, in die Auswahl zum "Tor des Monats" aufgenommen zu werden. Allerdings hatte derjenige, dem die Auszeichnung gebühren würde, nicht den Ball über die gegnerische Linie bugsiert. Mesut Özils Antritt in der 57. Minute, als er drei Gladbacher auf dem Weg fast vom Mittelkreis bis in den anderen Strafraum wie lästige Fliegen abschüttelte, war eine Szene, die Fußball aufregend macht.

Dass schließlich Gerald Asamoah der Glücksmoment vorbehalten war, nach Kevin Kuranyis fairem Lufteinsatz gegen Borussen-Keeper Kasey Keller einzuschieben, schmälert nicht die Leistung Özils. "Das ist Wille, sich so durchzusetzen und die Entscheidung erzwingen zu wollen", schwärmte nachher Andreas Müller. "Das haben wir in den ganzen Wochen gefordert, diese Entschlossenheit und Zielstrebigkeit im Abschluss", strahlte der Manager.[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/001/268-1285_preview.jpeg In überragender Form: Özil. (Foto: firo)[/imgbox]

Dass ausgerechnet der Jüngste im Team Tugenden an den Tag legt, die eher von den etablierten Leute erwartet werden - im Siegestaumel mag das egal sein. "Ich freue mich, dass es so gut gelaufen ist. Schade war nur, dass ich die Chance in der ersten Halbzeit nicht verwerten konnte. Darüber war ich ziemlich enttäuscht", waren Özil die vielen schmeichelnden Worte etwas unheimlich.

Er steht nicht gerne im Rampenlicht, dort draußen auf dem Platz ist er zuhause. Es war sein 13. Einsatz in dieser Saison, seiner ersten Spielzeit in der Bundesliga, obwohl er noch in der A-Jugend ran dürfte. Dreimal stand er bisher in der Anfangsformation, dann, wenn Lincoln fehlte. "Der Junge hat sich derart etabliert, das ist klasse. Er hatte schon in der ersten Halbzeit eine super Chance und dann mit einem Tempo-Dribbling das 1:0 stark vorbereitet", sprach auch Trainer Mirko Slomka in den höchsten Tönen von seinem Jüngsten. "Ich habe zu Mesut gesagt: Egal, wie alt du bist, jetzt kommt deine große Chance. Die musst du nutzen", raunte Marcelo Bordon. "Er ist zwar erst 18, aber ich wäre gerne auch noch einmal so jung. Meine Uhr läuft im Gegensatz zu seiner leider ab."

In Mainz kann Lincoln wieder auflaufen, doch das heißt nicht, dass Özil wieder zweite Wahl sein muss. "Ich werde im Training Gas geben, um mich anzubieten und denke auch, dass wir beide zusammen spielen können", möchte sich Özil nicht gerne verdrängen lassen.

Das hätte er auch nicht verdient.

Autor: hb

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