Einen passenderen Namen als „Westfalen-Express“ hätten die Verantwortlichen von Borussia Dortmund für ihren neuen Mannschaftsbus wohl kaum finden können.

Der BVB im Test

Europa-League und was kommt dann?

Nicolas von Przewoski
12. Oktober 2010, 11:37 Uhr

Einen passenderen Namen als „Westfalen-Express“ hätten die Verantwortlichen von Borussia Dortmund für ihren neuen Mannschaftsbus wohl kaum finden können.

Einem rasenden Express ähnlich wirbelt die Borussia nach den ersten Spieltagen die Liga auf. Dabei hat der BVB mit sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen seinen eigenen Startrekord gebrochen.

Und das trotz des schweren Auftaktprogramms der Borussia. Zu den Besiegten zählen unter anderem Rekordmeister Bayern München, VfB Stuttgart und der Werksklub aus Wolfsburg. Höhepunkt war allerdings der symbolträchtige Derbysieg in Gelsenkirchen am 19. September.
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/022/094-22911_preview.jpeg Das Derby ging klar an den BVB (Foto: firo).[/imgbox]
Bisherige Spiele Bundesliga
BVB - Bayer Leverkusen 0:2
VfB Stuttgart - BVB 1:3
BVB - VfL Wolfsburg 2:0
Schalke 04 - BVB 1:3
BVB - 1. FC Kaiserslautern 5:0
St. Pauli - BVB 1:3
BVB - Bayern Müchen 2:0
Bilanz: 7 Spiele, 6 Siege, 1 Niederlage, 18:5 Tore

Europa League
Karpaty Lwiw - BVB 3:4
BVB - FC Sevilla 0:1

DFB-Pokal
Wacker Burghausen - BVB 0:3
Gesamtbilanz: 10 Spiele, 8 Siege, 0 Unentschieden, 2 Niederlagen, 25:9 Tore

Abwehr
Der BVB hat - rein statistisch gesehen - die beste Abwehr der Liga. Nur fünf Gegentore aus den ersten Spielen sprechen für sich. Vor allem die Jungprofis Marcel Schmelzer, Mats Hummels und Neven Subotic machen ihre Sache hervorragend. Zwar durchläuft dem Trio nach wie vor der ein oder andere Fehler, das verzeiht man den Dreien jedoch mit Blick auf ihr Alter.

Einzig die rechte Abwehrseite bleibt das Sorgenkind. Patrick Owomoyela spielt wie eh und je in Schwarz-Gelb. Zum Teil macht er seine Seite komplett dicht und bereitet zugleich Tore vor. Kurz danach passiert ihm aber ein eklatanter Fehler, der für große Gefahr für das Tor von Roman Weidenfeller sorgt. Sein Hintermann Lukasz Piszczek muss noch ins Spiel der Borussia finden. Hinten steht er grundsolide, strahlt aber keine Gefahr nach vorne aus. Felipe Santana kam bisher auf kaum Einsatzzeiten. Rekonvaleszent Dede kommt an Schmelzer nicht vorbei.

Mittelfeld
Das Drei-Länder-Eck im Mittelfeld ist der Schlüssel zum Erfolg. Shinji Kagawa, Nuri Sahin und Sven Bender harmonieren perfekt miteinander. Vor allem der junge Türke ist momentan einer der besten Spieler der Bundesliga. Sven Bender macht den erneuten Ausfall von Sebastian Kehl komplett vergessen. Wenn der Kapitän wieder fit ist, muss er sich hinter dem 21-jährigen anstellen.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/022/322-23139_preview.jpeg Beeindruckt: Kevin Großkreutz (Foto: Griepenkerl).[/imgbox]
Auf links beeindruckt Kevin Großkreutz immer mehr. Er fällt nicht nur durch seine läuferischen Qualitäten auf, sondern beweist in den richtigen Momenten auch die nötige Spielübersicht. Neben ihm steht der Shootingstar der Liga, Mario Götze. Unglaublich, was der in seinen blutjungen Jahren schon zu Stande bringt. Alleine im Europa-League Spiel in der Ukraine trat der künftige Nationalspieler wie ein alter Routinier auf. Jakub „Kuba“ Blaszczykowksi hat auch in seinem vierten Jahr in Dortmund den Durchbruch nicht geschafft. Er hat zwar in jedem Spiel ein unglaubliches Laufpensum, versucht aber immer mit dem Kopf durch die Wand am Gegenspieler vorbei zu stürmen.

Markus Feulner und Antonio da Silva sind nur Mitläufer. Auch wenn Tamas Hajnal über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei bleiben sollte, spielt er in den Überlegungen von Jürgen Klopp keine Rolle mehr.

Angriff
Lucas Barrios ist ein echter Torgarant. Bereits sechs Pflichtspieltreffer stehen dem Paraguayer zu Buche. Erstaunlich ist die Wandlung, die Barrios unter Klopp durchgemacht hat. Er hat sich vollends ins Spielsystem eingefügt und zeigt nun auch Qualitäten als Vorbereiter. Hinter Barrios scharrt Robert Lewandowski mit den Hufen. Noch durfte er sich nur als Joker beweisen. Er hat aber gezeigt, dass er dem BVB weiterhelfen kann, sollte Barrios einmal ausfallen.

Stärken
Der BVB ist endlich wieder ein Team. Vom Trainer, zu den Spieler und den Fans bis hin zum Greenkeeper: Alle stehen sie voll und ganz hinter der Borussia. Das zahlt sich aus: Auf dem Spielfeld mit Powerplay-Fußball, auf den Rängen mit euphorischen Gesängen.
[imgbox-right]http://www.reviersport.de/include/images/imagedb/preview_18721-19415.jpeg Der Vater des Erfolgs: Jürgen Klopp (Foto: firo).[/imgbox]
Die Niederlage gegen den FC Sevilla hat gezeigt, dass die Fans und die Medien gelassen bleiben und der jungen Truppe Fehler verzeihen. Aber den größten Anteil am Erfolg hat wohl der Trainer. Nach drei Jahren hat er in Dortmund eine Mannschaft geformt, die perfekt miteinander harmoniert. Die Systemumstellung aus der letzten Saison hat sich ausgezahlt. Klopp ging weg vom 4-4-2 und hin zum so genannten „Tannenbaum-System“. Seitdem ist der BVB, spielt der BVB viel erfolgreicher. Bei Jürgen Klopp scheint jede Aktion überdacht zu sein. Die Emotionen am Spielfeldrand ausgeschlossen.

Schwächen
Wegen der vielen Langzeitverletzten und dem geringen finanziellen Spielraum hat Jürgen Klopp wenig Möglichkeiten die Mannschaft durchzuwechseln. Mats Hummels klagte bereits nach dem München-Spiel über die Mehrfachbelastung. Sollten Stammspieler wie der Abwehrchef ausfallen, müssen sich die Spieler aus der zweiten Reihe erst beweisen. Felipe Santana ist kein schlechter Mann, ließ sich aber im Testspiel gegen RW Essen oft von den Stürmern des Fünftligisten austanzen.

Prognose
Der BVB wird nicht immer nur siegen. Jürgen Klopp tut gut daran die Euphorie zu bremsen. Seine junge Truppe hat aber genug Charakter, um nicht abzuheben. Wichtig ist, wie das Umfeld auf Schwächephasen reagiert. Sollte sich kein Stammspieler verletzen, kann der BVB sich oben festsetzen und nicht nur um die Europa-League Plätze mitspielen.

Autor: Nicolas von Przewoski

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