26.01.2017

Michael Tönnies

Tornado schaut aus dem Himmel zu

Foto: Picture Alliance

Duisburgs Klub-Legende Michael Tönnies verstirbt durch eine Lungen-Embolie. Langjährige Weggefährten stehen unter Schock. Bernard Dietz: "Das haut mich um."

Wer im Lexikon unter dem Begriff Kampfgeist nachschlägt, müsste eigentlich zwangsläufig auf ein Foto von Michael Tönnies stoßen. Der langjährige Profi des MSV Duisburg fightete sich nach einer schweren Lungen-Erkrankung, die ihn körperlich abbauen ließ und sogar zu Suizid-Gedanken trieb, dank überragender Fan-Unterstützung zurück ins Leben. Tönnies bekam Briefe, Liebesbekundungen, Foto-Alben zugeschickt. Dadurch entwickelte sich neuer Kampfgeist. Gerade arbeitete Tönnies noch an der Organisation für ein Benefizturnier mit U19-Mannschaften.

Doch seit Donnerstag ist sein Kampf, der eigentlich schon gewonnen schien, vorbei. Michael Tönnies erlag in Essen einer Lungen-Embolie, ohne dass es vorher auch nur den geringsten Warnhinweis gegeben hatte. Michael Tönnies wurde nur 57 Jahre alt.

Sein Bruder Dirk brachte den Familienvater gestern wegen Nasenbluten in ein Essener Krankenhaus. Dort seien die Ärzte von einem Routine-Fall ausgegangen, sagt Dirk Tönnies. Die geplatzte Ader sollte verschlossen werden. Die Blutung sei als undramatisch eingestuft worden. Sicherheitshalber suchte Tönnies noch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt auf, brach dort aber zusammen und verstarb.

„Es ist unfassbar“, sagte Duisburgs Klub-Ikone Bernard Dietz, als er durch unsere Sportredaktion vom Drama um den einstigen „Tornado“ erfuhr. Dietz: „Ich kann es einfach nicht glauben. Michael war doch wieder so gut drauf. Wenn er nach seinem Einsatz als Co-Stadionsprecher beim MSV zu uns im VIP-Raum an den Tisch kam, hat er Späße gemacht. Er war nach schwerer Zeit zurück im Leben.“

Michael Tönnies, der Hochzeitspläne schmiedete und im Sommer seine Astrid heiraten wollte, schaffte es mit seiner bodenständigen, sympathischen Art nicht nur in die Herzen der Duisburger Fans, sondern auch in die Bundesliga-Geschichtsbücher. Am 27. August 1991 traf „Tönni“ beim 6:2 über Karlsruhe binnen fünf Minuten dreimal gegen den damaligen KSC-Torwart Oliver Kahn. 2015 wurde der Tönnies-Rekord von Bayern-Star Robert Lewandowski, der in drei Minuten und 22 Sekunden gegen den VfL Wolfsburg einen noch schnelleren Hattrick erzielte, eingestellt. Tönnies damals: „Es gibt Schlimmeres, als von Lewandowski überholt zu werden.“ So war er halt: gönnerhaft, dankbar, menschlich. Einer, der nachts um 1 Uhr zum Reifenwechseln auf eine Landstraße gekommen wäre.

Spenderlunge im vierten Versuch

Zu dem Zeitpunkt schien Tönnies, der oft „Tornado“ oder „Dicker“ genannt wurde, auf einem guten Weg. Sein Lungen-Emphysem im schlimmsten Stadium wurde durch die Transplantation erfolgreich gestoppt. Nach drei vergeblichen Anläufen wurde das neue Organ am 6. April 2013 mit Erfolg eingesetzt. „Seit dem Tag habe ich zweimal Geburtstag gefeiert. Einmal am 19. Dezember. Und ein zweites Mal im April“, sagte Tönnies, der zwischenzeitlich nur mit Atemgerät und Luftschläuchen seinen Tagesablauf bewältigen konnte. „Das“, sagt sein ehemaliger MSV-Mitspieler und Zimmer-Kollege Uwe Kober, „hat unheimlich wehgetan. Umso froher war ich, dass Tönni wieder gesund und glücklich gewesen ist und bei seinem MSV fest eingebunden war.“
Am Mittwoch telefonierten Kober und Tönnies zum letzten Mal. „Wir haben uns für das Drittliga-Heimspiel des MSV gegen Münster im Februar verabredet. Dass wir uns jetzt nicht mehr sehen, macht mich unheimlich traurig. Der ganze Kampf, den Michael über all die Jahre geführt hat, war letztlich umsonst“, so Kober.

Sein Wunsch war der MSV-Aufstieg

Auch Bernard Dietz, Vorstandsmitglied der Zebras, wird den einstigen Torjäger vermissen. „Dass Michael Tönnies nicht mehr da ist, haut mich um. Er war ein Urgestein, hat zu unserem MSV gehört.“ Und Kober erzählt: „Sein größter Wunsch war immer, dass der MSV Duisburg in die 2. Liga zurückkehrt. Daran wird sich nichts ändern. Darauf wird er jetzt im Himmel achten.“

Der Tornado drückt ab sofort von oben die Daumen.

Autor: Thomas Tartemann

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