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Ex-KFC-Profi: "Würde niemandem raten, nach Uerdingen zu wechseln"

Selim Gündüz (links) und Terrence Boyd waren nach dem KFC-Spiel natürlich gut gelaunt.
Foto: privat

Fußball-Drittligist Hallescher FC hat am Dienstagabend einen 1:0-Sieg beim KFC Uerdingen gefeiert. Für HFC-Profi Selim Gündüz war es ein Duell mit dem ungeliebten Ex-Arbeitgeber. Im RevierSport-Interview findet Gündüz klare Worte, was seine Zeit in Krefeld angeht.



Am 4. Oktober 2019 durfte Selim Gündüz das letzte Mal von Beginn an spielen. Das war noch im KFC-Trikot gegen den 1. FC Magdeburg. Bis zum Dienstagabend. Mehr als ein Jahr später, am 24. November 2020, durfte der 26-jährige gebürtige Siegener wieder einmal von der ersten Minute an auflaufen - für den Halleschen FC gegen den KFC Uerdingen.

1:0 gewann Halle mit Gündüz im Team gegen dessen Ex-Klub. Der ehemalige Bochumer, der neun Jahre beim VfL verbrachte, zählt die zwölf Monate beim KFC zu der "schlimmsten Zeit in meinem Leben", wie er im RevierSport-Interview sagt.

Dass am Mittwochmorgen das Portal "transfermakt.de", darüber berichtete, dass den Uerdingern eine Kontopfändung aufgrund von nicht geleisteten Zahlungen droht, wundert Gündüz überhaupt nicht. Auch er wartet immer noch auf ausstehende Gehälter aus der KFC-Zeit, die ihm von dem Krefelder Arbeitsgericht zugesprochen wurden.

Selim Gündüz, wie sehr hat Sie am Dienstagabend dieser Sieg gefreut? Es macht immer Spaß, Siege zu feiern. Für mich war das ein ganz besonderer Moment. Ich stand seit über einem Jahr wieder in der Startelf. Auch wenn ich zur Pause aufgrund der Gelben Karte ausgewechselt wurde, war es ein rundum gelungener Abend. Ich danke unserem Trainer Florian Schnorrenberg für das Vertrauen. Er wusste, dass das für mich ein ganz wichtiges Spiel ist. Ich habe auch der Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass ich bei einem Sieg ein Essen organisiere. Dieses Versprechen werde ich in den nächsten Tagen realisieren.

Warum war diese Begegnung mit dem KFC so speziell für Sie?

Es war einfach eine verdammt unglückliche Zeit für mich. Nach dem Rauswurf von Heiko Vogel hat man mich einfach links liegen gelassen. Ich bin kein Mensch, der sich an irgendjemanden rächen will oder dergleichen. Es war einfach kein respektvoller Umgang. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Mental und psychisch. Ich habe mir auch professionelle Hilfe gesucht, weil mich das alles so fertig gemacht hat.

Was war es genau, was Ihnen so weh getan hat? Ich habe nirgendwo zuvor so eine fehlende Menschlichkeit erlebt wie beim KFC Uerdingen. Ich bin mir sicher, dass es das kein zweites Mal in Fußball-Deutschland gibt. Da wird mit den Spielern umgegangen wie mit einem Stück Scheiße. Das muss ich so drastisch formulieren. Ich habe in Siegen, Bochum, Darmstadt oder jetzt in Halle gespielt. Überall herrschen professionelle Bedingungen, Strukturen vor. Beim KFC ist das nicht der Fall. Ich würde niemandem raten, zum KFC Uerdingen zu wechseln - für kein Geld der Welt. Am Ende muss man um dieses Geld sowieso sehr oft kämpfen.

Wie meinen Sie das? Die Spieler des KFC tun mir einfach leid. Ich habe jetzt auch nach unserem Spiel am Dienstag mit einigen Jungs gesprochen und die haben mir erzählt, dass sie zum Teil schon zwei Monate auf ihre Gehälter warten. Da frage ich mich, wie man einen Verein führen kann, wenn man seit Jahren nicht fähig ist, pünktlich und regelmäßig seinen Zahlungen nachzukommen? Wie oft stand der KFC schon wegen fehlender Gehaltszahlungen in der Presse, wie oft haben Spieler, Trainer, Mitarbeiter gegen den Klub vor dem Arbeitsgericht geklagt? Wie gesagt: Wenn man seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, sollte man das Geschäft aufgeben. Wir haben auch noch auf dem Weg nach Halle im Bus mit den Jungs diskutiert, wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir bei solch einem gut strukturierten Klub wie dem HFC unter Vertrag stehen.

Aktuell sollen Sie immer noch auf vergangene Gehälter aus Uerdingen warten... Das ist richtig. Ich habe vor dem Arbeitsgericht Krefeld gewonnen. Die Zahlung sollte erfolgen und ist nicht erfolgt. Es kann gut sein, dass die Konten des KFC bald gepfändet werden. Es kann ja wirklich nicht so weitergehen. In Deutschland gilt Recht und Ordnung, Gesetze und richterliche Beschlüsse zählen. Der KFC versucht aber scheinbar sich darüber hinwegzusetzen. Ich sage Ihnen mal etwas: Ich will irgendwann noch einmal in der Türkei spielen. Ich weiß, dass es da auch drunter und drüber gehen kann. Ich habe aber den KFC Uerdingen und Mikhail Ponomarev überlebt. Ich glaube, dass ich für ein Türkei-Abenteuer gut gerüstet bin (lacht).

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