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Hajnal im Interview
"Bekomme eine Gänsehaut"

BVB: Tamas Hajnal im Interview

Tamas Hajnal ist seit über einem Jahr beim BVB. Wie er diese Zeit erlebt hat und was ihn von Christiano Ronaldo unterscheidet, lesen Sie im RS-Interview.

Spielt bei den großen Topstars, wie eben Ronaldo, das Image inzwischen eine wichtigere Rolle als das, was auf dem Platz geleistet wird?

Ich denke, das alles funktioniert nur dann, wenn man die entsprechenden Leistungen bringt. Wer sich nur als Werbefigur oder über Aktionen in der Öffentlichkeit definiert, kann Probleme mit der Mannschaft bekommen, wenn die Leistungen nachlassen. Das gilt natürlich auch für einen Ronaldo. Man muss aufpassen, dass man es nicht übertreibt und das Wesentliche nicht vergisst.

Welche Rolle spielt die elterliche Erziehung bzw. das familiäre Umfeld für das Verhalten, das man auf dem Platz an den Tag legt?

Was zählt, ist der Wille. Man muss bereit sein, auf gewisse Dinge zu verzichten. Wenn diese Bereitschaft da ist, fällt es nicht schwer, für sein Ziel zu arbeiten. Ob man aus einem reichen oder einem eher armen Elternhaus kommt, spielt keine große Rolle. Ich persönlich habe sehr früh Werte schätzen gelernt. Ich wusste, was es heißt, wenn man nicht alles sofort bekommen kann, sondern auf Umwegen sein Glück versuchen musste. Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen, habe in meiner Kindheit aber nie etwas vermisst.

Nelson Valdez verriet uns kürzlich, er hätte seinen fußballerisch hochtalentierten Bruder verwöhnt – so sehr, dass er schließlich den Biss verlor.

In meiner Familie war es ähnlich. Ich habe einen jüngeren Bruder, der sehr viel Talent mitbringt, aber den letzten Sprung vermutlich auch nicht schaffen wird. Ich habe auch den Fehler gemacht, ihm teure Schuhe oder Kleidung zu kaufen. Ich mache mir oft Gedanken darüber, ob ich ihm dadurch etwas kaputt gemacht habe, aber ich denke, dass es letztlich auf das Innere ankommt. Man kann nicht alles auf die Erziehung schieben.

Fällt es als Profi-Fußballer manchmal schwer, den Kontakt zum „normalen Leben“ zu halten? Lebt man nicht in einer sehr künstlichen Welt?

An der These ist etwas Wahres dran. Aber ich gebe mich nie so, als wäre ich etwas Besonderes, bloß weil ich jetzt mit Fußballspielen mein Geld verdiene und von manchen Menschen deshalb vielleicht höher angesehen werde. Ich habe auch noch zu vielen meiner alten Freunde aus Ungarn regelmäßigen Kontakt. Das ist mir sehr wichtig.

Wie wichtig ist Ihnen generell Heimat?

Heimat ist, wo meine Familie ist. Das Land, in dem ich mich gerade befinde, ist dabei grundsätzlich erst einmal sekundär. Am schönsten ist es, wenn meine Frau, meine Eltern, meine zwei Brüder, meine kleine Nichte und die Schwiegereltern einfach mal nur zusammenhocken. Diese Momente sauge ich auf.

Einen größeren Kontrast zu diesem Idyll als den vollen Signal Iduna Park kann es wohl nicht geben. Wie sehr kann Sie der Mythos BVB noch elektrisieren?

Die Tradition des Vereins fasziniert mich noch immer. Vor kurzem waren meine Eltern bei mir zu Besuch, und da bin ich mit ihnen ins Borusseum gegangen. Wenn ich die Aufnahmen von früher, aber auch aus den 90er-Jahren sehe, bekomme ich Gänsehaut. Es ist eine große Verpflichtung, aber auch eine große Motivation, für so einen traditionsreichen Verein zu spielen. Über das Stadion muss man ja ohnehin nicht reden.

Tun Sie uns bitte den Gefallen.

Jeder, der hierher kommt und die Kulisse sieht, beneidet mich darum, in so einem Stadion spielen zu dürfen. Das darf man als Spieler nie vergessen. Selbst wenn es irgendwann zur Normalität wird, in dieses Stadion einzulaufen, muss man sich immer die Aussagen von seinen Freunden und Bekannten vor Augen führen.

Laut der renommierten Londoner Zeitung Times ist der Signal Iduna Park das Stadion Nummer eins auf der Welt. Gibt es Stadien, die mit Dortmund mithalten können?

Camp Nou in Barcelona oder das Bernabeu-Stadion in Madrid. Oder Old Trafford in Manchester. In Deutschland hat Hamburg eine sehr stimmungsvolle Arena. Aber Dortmund ist mit nichts zu vergleichen, allein schon wegen der gelben Wand. So etwas gibt es kein zweites Mal auf dieser Welt. Das Ranking der Times geht in Ordnung.

Derzeit können Sie den Signal Iduna Park nicht genießen, weil Sie mit der Nationalmannschaft unterwegs sind. Was ist denn für Ihr Land im Hinblick auf die WM in Südafrika noch möglich?

Wir haben gute Möglichkeiten, uns für die Play-offs zu qualifizieren. Die Menschen in Ungarn sind fußballverrückt. Wenn wir in Südafrika dabei wären, wäre das die Krönung – und vielleicht der Beginn einer erfolgreichen Zeit für den ungarischen Fußball.

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