Emscher Junior Cup

SpVgg Erle bietet künftig „Fußball-Kindergarten“ an

RevierSport
27. Mai 2019, 08:41 Uhr

Foto: firo

Was haben der YEG Hassel und die SpVgg Erle 19 gemeinsam? Auf den ersten Blick – außer, dass sie aus derselben Stadt kommen – nicht viel. 

Auf der einen Seite ist da der Westfalenligist, der im Seniorenbereich leistungsorientierten Sport betreibt und inzwischen zu einem sportlichen Schwergewicht in Gelsenkirchen aufgestiegen ist. Auf der anderen Seite ist dort der kleine Kreisliga A-Klub, der im Jahr seines 100-jährigen Bestehens immerhin an das Tor zur Bezirksliga anklopft.


Dennoch: Beide erzählen dieselbe Geschichte vom gesellschaftlichen Kitt des Fußballs, dem sich auch der Emscher Junior Cup verschrieben hat. Vom Alltag im Ruhrgebiet und seiner Entwicklung. Und von der Integration. Der Bergleute und anderer Menschen, die aus Polen, Osteuropa und anderen Teilen der Welt an die Emscher und an die Ruhr gekommen sind. Von den täglichen Herausforderungen. Von seinem besonderen Menschenschlag, der anpackt, statt zaudert. 

Und von seiner Gastfreundschaft. Deshalb ist es kein Zufall, dass der Emscher Junior Cup beide Vereine zusammenführt. YEG Hassel, das - 1993 gegründet – zunächst eine Heimat für den Nachwuchs türkischer Gastarbeiter bot. Und inzwischen längst über die Grenzen Gelsenkirchens hinaus für seine integrative Arbeit bekannt ist. Sprachkurse, Hausaufgabenhilfe. YEG Hassel war und ist immer mehr als ein Fußballverein für seine Mitglieder. Als Gastgeber des dritten Spieltags der diesjährigen Vorrunde im Emscher Junior Cup sorgte YEG für ein multikulturelles Rahmenprogramm.


Die SpVgg Erle 19, als kleinster Stadtteilklub steht immer ein wenig im Schatten der „großen“ Vereine Erle SV 08 und Eintracht Erle und übt diese Nischenfunktion ebenfalls aus. „Wir kriegen immer die Jungs und Mädchen, die bei den  anderen beiden Vereinen nicht genommen werden“, sagt David Westphal. Ohne sich zu beklagen. „Die, die gerne Fußball spielen wollen, aber für die anderen Vereine noch zu schlecht sind.“ 


Zu so einer Aussage gehört Mut und die Traute, aus der Situation das Beste zu machen. „Und das machen wir“, erklärt der Trainer der F-Jugend der SpVgg Erle. Zwei syrische Flüchtlinge, zwei Türken, ein Pole, ein Vietnamese, ein gebürtiger Afrikaner gehören zu seinem Team. „Für uns geht es erst mal nur darum, den Kids eine Perspektive zu bieten“, meint der 38-Jährige. 

Und die Kinder von der Straße oder vielmehr von den Spielkonsolen und dem Smartphone zu holen. Der Weg ist lang. „Die Hinserie ist immer eine Katastrophe“, weiß er. 2:10, 1:11, Niederlagen im zweistelligen Bereich keine Seltenheit. Bis sich irgendwann erste kleine Erfolgserlebnisse einstellen. Teambuilding und der Spaß mit dem Ball stehen an erster Stelle. „Und dafür ist der Emscher Junior Cup der Emschergenossenschaft ideal“, bedankt sich Westphal.

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