Am 14. Mai 2017 hatte Carsten Rump vor einem entscheidenden Zweitligaspiel des DSC Arminia Bielefeld gegen Eintracht Braunschweig mit einer Motivationsrede in der Arminia-Kabine für deutschlandweites Aufsehen gesorgt. Nun will der langjährige Assistent selbst Cheftrainer werden.

Carsten Rump

Seine Ansprache ging viral - jetzt will der Fußballlehrer Cheftrainer werden

14. Mai 2021, 06:00 Uhr
Carsten Rump (links) arbeitete zuletzt als Co-Trainer an der Seite von Jeff Saibene. Foto: firo

Carsten Rump (links) arbeitete zuletzt als Co-Trainer an der Seite von Jeff Saibene. Foto: firo

Am 14. Mai 2017 hatte Carsten Rump vor einem entscheidenden Zweitligaspiel des DSC Arminia Bielefeld gegen Eintracht Braunschweig mit einer Motivationsrede in der Arminia-Kabine für deutschlandweites Aufsehen gesorgt. Nun will der langjährige Assistent selbst Cheftrainer werden.

Arminia Bielefeld musste in der Saison 2016/2017 am vorletzten Spieltag Eintracht Braunschweig besiegen, um am letzten Spieltag noch die Chance auf den Klassenerhalt zu besitzen. Die Arminia zerlegte die Eintracht mit 6:0 in ihre Einzelstücke und feierte durch ein 1:1 bei Dynamo Dresden den Nicht-Abstieg aus der 2. Bundesliga.

Co-Trainer Carsten Rump (40) hatte damals noch vor dem Spiel gegen Braunschweig in einer unfassbar emotionalen Kabinenansprache an die Mannschaft appelliert und verlangte vom Team einen Sieg. Die Mannschaft lies den Worten des damaligen Jeff-Saibene-Assistenten Taten folgen.

Carsten Rumps Motivationsrede im Video

Heute, auf den Tag genau vor vier Jahren, blickt Rump auf seine Kabinenansprache zurück, schätzt den Abstiegskampf in der 1. Bundesliga ein - und: verrät gegenüber RevierSport, dass er ab sofort als frischgebackener Fußballlehrer einen neuen Weg als Cheftrainer gehen will und eine neue Herausforderung sucht. Zuletzt arbeitete er in 92 Spielen an der Seite von Jeff Saibene als Assistent bei Arminia Bielefeld und dem FC Ingolstadt. Bei der Arminia assistierte Rump auch Norbert Meier und Rüdiger Rehm.

Carsten Rump, wie blicken Sie vier Jahre später auf Ihre Motivationsrede zurück?
Ich würde es wieder machen, aber diesmal ohne Kamera. Der Hintergrund war, dass ich da die Familien involvieren wollte. Und die Teammanagerin, die in der WhatsApp-Gruppe der Spielerfrauen war, hatte die Ansprache mitgehört und in die Gruppe geschickt. Das war der Plan. Dass das Video dann aber aus der Gruppe an andere Leute verschickt werden würde, war nicht geplant. Da war ich dann aber auch ein bisschen blauäugig (lacht). Naja, es hat am Ende ja geklappt und die Rede hatte vielleicht einen kleinen Anteil an unserem Klassenerhalt. Deshalb ist alles gut. Zuletzt wurde ich bei einer Wohnungssuche in Ingolstadt auf das Video angesprochen und der Vermieter fand das cool, war stolz, dass dieser verrückte Bielefelder Co-Trainer vor ihm stand (lacht).

Arminia Bielefeld befindet sich wieder im sportlichen Überlebenskampf, diesmal in der 1. Bundesliga. Wie beurteilen Sie Bielefelds Chancen auf den Klassenerhalt?
Vor der Saison haben die Bielefelder gesagt, dass sie in das Bundesliga-Rennen mit einem Schlauchboot gegen Motorboote gehen. Zwei Spieltage vor Schluss haben sie noch alles in der eigenen Hand. Ich würde sagen, dass das Schlauchboot sich in dem Bundesliga-Gewässer sehr gut hält. 

Haben Sie schon einen Anruf aus Bielefeld für eine Motivationsrede am vorletzten Spieltag erhalten?
(lacht) Nein. Aber klar ist, dass in solch einer Phase der Saison der Kopf entscheidend ist. Wenn da die nötige Frische da ist, dann geht vieles einfacher. Jeder weiß, um was es geht. Man darf keinesfalls verkrampfen. Die Psychologie ist im Saison-Endspurt entscheidend. Ich bin guter Dinge, dass die Arminia gegen Hoffenheim und Stuttgart, für die es nicht mehr um viel geht, es packen wird. Ich wünsche auch Werder Bremen den Klassenerhalt. Unter Florian Kohfeldt habe ich mein Praktikum während des Fußballlehrer-Lehrgangs absolviert und mich super mit ihm verstanden. Ich denke, dass Augsburg noch unten reinrutschen und Schalke in die 2. Bundesliga begleiten wird.

Sie waren drei Jahre Co-Trainer von Jeff Saibene, dann das Praktikum bei Florian Kohfeldt. Wann reifte bei Ihnen der Gedanke Cheftrainer werden zu wollen?
In Bielefeld war ich in der zweiten Mannschaft Co-Trainer. Doch ich habe schnell gemerkt, dass ich eigentlich Chefcoach werden will. Die U19 als Cheftrainer zu betreuen war meine erste Chance, wir sind dann auch in die Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Neben dem Amt als U19-Trainer, durfte ich auch als Assistent bei den Profis unter Norbert Maier und später Rüdiger Rehm arbeiten. Doch als es unter Rehm schlecht lief, wurde er entlassen und ich zum Interimstrainer erkoren. Wir haben zwei von drei Spielen gewonnen. Ich hatte aber nur die A-Lizenz. Jeff Saibene kam und ich wurde dann sein Assistent. Die Arbeit unter ihm war sehr angenehm. Er ist ein extrem toller Typ. Jeff hat mich viel in die Arbeit involviert, machen lassen, ich habe gerne mit ihm zusammengearbeitet. Wir pflegen bis heute ein freundschaftliches Verhältnis. Doch nun will ich als Fußballlehrer meinen eigenen Weg versuchen zu gehen.

Haben Sie schon die ersten Anfragen bekommen?
Ich hatte gute Gespräche mit zwei Drittligisten. Aber es kam nicht zur Unterschrift. Die 3. Liga wäre meine Wunschvorstellung. Aber ich kann mir auch vorstellen, einen ambitionierten Regionalliga-Klub oder eine U19-Bundesliga-Mannschaft zu trainieren. Das lasse ich alles offen.

Wie sehr hat Sie der Fußballlehrer weitergebracht?
Der Lehrgang hat mir sehr viel gegeben. Gerade abseits der fußballerischen Ansätze haben mir die verschiedenen Themengebiete zu anderen Facetten des Trainerberufes, wie z.B. der psychologische Ansatz und der Austausch mit Experten auf diesem Gebiet sehr viel gebracht. Es liegt ja auch immer an einem selbst, ob man nur den Lehrgang absolvieren will oder auch möglichst viel mitnehmen und alles aufsaugen will. Zu der zweiten Kategorie gehöre ich. Ich habe meinen Werkzeugkasten aufgefüllt und meinen Horizont erweitert. Es ist schon spannend, wenn 24 Kollegen deine Leistung an der Seitenlinie bewerten und du ein direktes Feedback bekommst. Es gibt Positives, aber auch Negatives. Die negative Kritik hat mich sehr interessiert, weil ich mich weiterentwickeln will. Ich weiß, dass ich zum Beispiel manchmal etwas gelassener werden muss – auch in meiner Ansprache. Insgesamt war der Lehrgang unter der Führung von Daniel Niedzikowski, der wirklich der richtige Mann am richtigen Ort ist, mit das Beste, was mir passieren konnte. Es war auch spannend Jungs, wie Miroslav Klose oder Hanno Balitsch mitzuerleben. Das sind wirklich tolle Typen und total auf Augenhöhe. Ich hoffe, dass ich auch mit einigen frischgebackenen Fußballlehrern weiter im Kontakt bleibe.

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