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FSV Duisburg: Schacht spricht sich für Annullierung aus

RevierSport
12. Januar 2021, 13:14 Uhr
Foto: Jörg Schimmel

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Der FSV Duisburg steckt im Tabellenkeller der Oberliga Niederrhein. Dietmar Schacht hatte bis jetzt keine Chance das zu ändern. RevierSport hat sich mit dem Ex-Profi über sein Wunschszenario und finanzielle Einbußen unterhalten. 

Dietmar Schacht, Sie durften erst ein Spiel an der Seitenlinie des FSV Duisburg stehen, konnten die Negativserie stoppen. Wie sehr schmerzt in dieser Situation die Saisonunterbrechung?
Das war natürlich sehr ärgerlich. Die Mannschaft hat sich an mich gewöhnt, wir waren auf einem guten Weg. Dann wird der Spielbetrieb unterbrochen und was bleibt ist Unklarheit, wann und wie es weitergehen kann. Selbst heute ist kein Wiederbeginn in Sicht.

Was wäre denn in Bezug auf den Wiederbeginn ihr Wunschszenario?
Ich bin ganz klar dafür, dass die Saison annulliert wird. Es sieht ja bereits jetzt danach aus, als gäbe es vor April keinen Spielbetrieb. Es nützt nichts, die Spiele dann weiterlaufen zu lassen, da es immer zu unvorhersehbaren Veränderungen kommen kann. Es können Coronafälle in den Mannschaften auftreten, was dann wieder zum Ausfall des Trainings und Neuansetzung des Spiels führt. So ist keine korrekte Bewertung möglich. Eine Möglichkeit wäre, wenigstens die anstehenden Pokalspiele stattfinden zu lassen und Freundschaftsspiele zu organisieren. So wäre immerhin ein bisschen Spielpraxis möglich.

Die Regionalliga darf am Wochenende wieder starten. Fühlen Sie sich benachteiligt?
Ja, da muss ich ein wenig schmunzeln. Ich finde es absolut nicht in Ordnung und ich denke, dass Spiele ohne Zuschauer auch in der Oberliga möglich wären. In der Regionalliga, das weiß ich aus eigener Erfahrung, gibt es teilweise keine Profibedingungen. Wir hatten zu meiner Amtszeit in Bergisch Gladbach auch nur drei bis vier mal die Woche Training, das ist nichts anderes als in der Oberliga. Meiner Meinung nach wird hier mit zweierlei Maß gemessen, aber die Verbände entscheiden nicht immer nach dem Geschmack der Trainer.

Gerade kleinen Vereinen wie dem FSV tut die Situation finanziell besonders weh. Können Gehälter aktuell zumindest teilweise bezahlt werden?
Nein, das ist unmöglich. Die Gehälter fallen, sowohl bei den Jungs als auch bei mir, komplett weg. Wir können nicht auf den Platz und unsere Spieler haben keinerlei Fahrtkosten. Das Verständnis dafür ist aber bei uns allen sehr groß.

Das Transferfester ist offen. Wird die Mannschaft verstärkt?
Das ist natürlich sehr schwierig in der jetzigen Situation. Besonders für mich als neuer Trainer, der noch nicht alle Spieler in der kurzen Zeit sehen konnte. Ich habe allerdings grob im Kopf, welche Positionen für die nächste Saison verstärkt werden müssen und halte dementsprechend meine Augen für die neue Spielzeit offen. Momentan ist es jedoch kaum möglich potenzielle Neuzugänge anzusprechen, da man nicht weiß, in welcher Liga man spielen wird. Die Unklarheit ist noch zu groß.


Autor: Lukas Block

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17.01.2021 - 03:03 - Alles für Schalke

Warum man Fußball nicht zuläßt, ist nicht nachvollziehbar. Das mit den Fahrgemeinschaften ist natürlich völliger Blödsinn, wenn man das als Argument anführt. Dann fährt man halt einzeln. Oder mit dem öffentlichen Personennahverkehr, das ist ja alles noch erlaubt.

Sport unter freiem Himmel zu verbieten zeigt wieder nur, wie hilflos unsere Politiker sind. Hier sieht man das ganze Dilemma: Berufspolitiker sind eine Selektion durchlaufen, wer sonst nichts kann, verdient halt sein Geld in der Politik. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, aber auf die Masse. Das Ergebnis sieht man an dieser angstgeleiteten und bar jeder Logik erfolgten Politik.

12.01.2021 - 16:03 - 76

Das kann man ja regeln mit entsprechenden Vorgaben. Kabinennutzung, Clubhausbewirtung usw.
Kinder z.B. nutzen in den meisten Vereinen überhaupt keine Kabinen. Die kommen umgezogen zum Platz und fahren auch so wieder nach Hause. Sport in der Schulsporthalle mutet man denen ja auch zu.
Im Übrigen zeigen die Nicht-Profivereine in der Regionalliga, wie Homberg, Bergisch Gladbach, Wegberg-Beeck usw., dass selbst da kaum Infektionen auftreten.
Ich meine, dass man mit guten Konzepten vieles machen kann und gleichzeitig muss alles für den Schutz der Risikogruppen getan werden.
Es ist schon traurig, wenn ein Söder heute im Morgenmagazin sagt, man müsse darüber nachdenken, den Schutz von Alten- und Pflegeheimen zu intensivieren. Das sollte eigentlich schon längst nach den Erfahrungen des letzten Jahres selbstverständlich sein.
Ich kann mich jedenfalls nicht damit abfinden, dass man jetzt über Monate nicht seinem Sport nachgehen darf aufgrund pauschaler und nicht zielgerichteter Maßnahmen. Was ja auch für vieles andere draußen gilt.

12.01.2021 - 15:55 - dr. breitner

@76
Das stimmt leider so nicht. Der Freiluftsport wird eben nicht nur unter freiem Himmel ausgeübt, sondern man fährt mit Fahrgemeinschaften zu
Auswärtsspielen und ist vor und nach dem Spiel in der Kabine. In der Summe Zigmillionen Kontakte .
Im Sommer hat es funktioniert, weil die Infektionszahlen viel geringer waren.

12.01.2021 - 15:29 - 76

Es wäre grundsätzlich bei einer Freiluft-Sportart wie Fußball möglich zu trainieren und zu spielen. Das hat im Sommer über Monate ja auch funktioniert mit Kapazitätsgrenzen und Hygienekonzepten. Die Infektionszahlen sind niedrig geblieben. Warum soll das jetzt ein hohes Risiko sein? Wie lange will man mit pauschalen Maßnahmen alles verbieten? Man sieht in China, dass selbst rigoroses Abriegeln ganzer Millionenstädte nicht dauerhaft hilft bzw die Lösung sein kann. Es flammt immer wieder auf weil irgendwo Infizierte rumlaufen.
Das Maßnahmen notwendig sind, dürfte klar sein. Das aber auch immense Kollateralschäden entstehen, ist auch klar und dazu gehört auch der Sport. Millionen Kindern, Jugendlichen, Freizeitspielern, ambitionierten Nachwuchs- und Amateurspielern verbietet man über Monate ihrem Sport nachzugehen. Warum kann man nicht mit gezielten Maßnahmen (Schutz der Risikogruppen, Hygienekonzepte, Kapazitätsgrenzen usw.) vorgehen?
In der Regionalliga und höher funktioniert das schließlich auch. Die dort durchgeführten Tests zeigen, dass die Zahl der Infektionen im Verhältnis zu den vielen Trainingseinheiten und Spielen sehr gering ist.
Es wird keine Menschen der Hochrisikogruppen in Alten- und Pflegeheimen retten, wenn man Freilufteinrichtungen wie Sportanlagen über Monate schließt. Es wird im Gegenteil nur noch mehr Schaden auf der anderen Seite anrichten.