Die SG 09 hängt erneut am Tropf ihres Aufsichtsrats-Vorsitzenden. Trainer Farat Toku konzentriert sich aufs Sportliche.

RL West

Ein Hilferuf aus Wattenscheid

Dominik Hamers
29. September 2018, 10:01 Uhr
Foto: FFS

Foto: FFS

Die SG 09 hängt erneut am Tropf ihres Aufsichtsrats-Vorsitzenden. Trainer Farat Toku konzentriert sich aufs Sportliche.

Ein Hilferuf aus Wattenscheid. Ein letztes Klammern an gemeinsam Vereinbartes. Und auch: ein Treuebekenntnis. Man wolle und solle doch gemeinsam weitermachen. Es gebe doch schließlich einen rechtsgültigen Vertrag. Eine Seite könne gar nicht entscheiden, dass es zu Ende sei. 


Nun ja – sie tut es aber. Und selbst wenn, wie es in der Pressemitteilung des Regionalligisten heißt, kein Recht zur einseitigen Kündigung bestünde – die SG Wattenscheid ist davon abhängig, ob das Hamburger Technologie-Unternehmen Haalo im Crowd-funding-Verfahren die in der Fantasie bezifferte Summe von 25 Millionen Euro einsammelt. Denn nur dann würde auch der Club etwas gewinnen. Geld eben. 

Steigt Can aus, kann 09 einpacken

In Wattenscheid scheint vieles am Boden. Wieder platzt ein großer Traum. Haalo hatte eigentlich versprochen, die SGW auf dem Weg zurück in den Profi-Fußball zu begleiten. Und hat sich zurückgezogen. Nun hängt der Verein – schon wieder – am Tropf des Aufsichtsrats-Vorsitzenden. Diesmal ist es Oguzhan Can. Steigt er aus, können die Nullneuner einpacken. Das ist kein Schreckensszenario, sondern bittere Realität. Es sei denn, jemand ist bereit, den Club zu übernehmen, der seit Beginn der Woche erneut im Chaos versinkt.

Beinahe vergisst man bei all den Vorwürfen, Intrigen und Zukunftssorgen, dass da noch eine Mannschaft in der Fußball-Regionalliga um Meisterschaftspunkte spielt. Und jeder, der zu dem Ensemble gehört, das im nächsten Spiel beim 1. FC Kaan-Marienborn (Samstag, 14 Uhr) gefordert ist, weiß um die prekäre Lage seines Vereins. Auch Trainer Farat Toku. 

Noch eine Krise in Wattenscheid, könne man scherzen, und man baue ihm vor dem Lohrheidestadion eine Statue. Ohne zu murren, ohne sich in irgendeiner Weise zu beschweren, macht der 38-Jährige seinen Job, bereitet sein Team auf die schwierige Aufgabe beim Aufsteiger aus dem Siegerland vor, hält von seinen Akteuren das Schlimmste fern.
Dabei sei das Schlimmste etwas, das Farat Toku längst vergangenen Tagen zuordnet. „Wir standen hier auch schon ohne Vorstand und Aufsichtsrat da“, erinnert der Trainer. Niemand könne ihn davon ablenken, dass er seine Aufgaben gewissenhaft erledige. „Das bin ich allen schuldig“, betont er.

Tietz und Obst sind wieder fit 

Im Gespräch schafft er es schnell, die Aufmerksamkeit einzig auf den Sport zu lenken. Er freut sich zum Beispiel darüber, dass Jeffrey Obst und Matthias Tietz, die zuletzt gesperrt waren, wieder mitspielen dürfen. Hingegen sorgt er sich um Nicolas Abdat und Adrian Schneider, die jeweils Probleme an der Achillessehne haben. Und er hofft darauf, dass Stürmer Cellou Diallo, der sich nach seinem Innenbandriss im Knie wieder im Lauftraining befindet, bald wieder in der Meisterschaft stürmen darf. 

Er könnte den aus Guinea stammenden Angreifer allerdings gut gebrauchen. Denn der 1.FC Kaan-Marienborn gehört zu den Teams, gegen das eine kreative Offensive gefragt ist. „Sie stehen tief, ähnlich wie Wuppertal“, weiß Farat Toku. Beim 0:2 am vergangenen Mittwoch blieb sein Sturm blass. „Wir müssen geduldig bleiben und dürfen auf keinen Fall ins offene Messer laufen“, sagt er. 

Autor: Dominik Hamers

Mehr zum Thema

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren

18.11.2018 - 18:25 - soso

Also 09er. Das Loch ist nicht mehr zu stopfen.
Da muß man Realist sein und kein Träumer.
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Laßt die Kicker gehen und spielt in der Verbandsliga mit jungen Leuten.

Auch Oberliga könnt ihr vergessen !
Dann geht die Reise eben nach Wiemelhausen und zum TUS Hordel - alles tolle Derbies !

16.11.2018 - 09:07 - thomas.rothschild.7

Als eingefleischter RWE-Fan drücke ich dem Verein alle Daumen.
Alles, was RWEWestkurve geschrieben hat, in Bezug auf Farat Toku kann ich voll unterschreiben. Farat hätte ich auch gerne, als wir auf Trainersuche waren, bei uns gesehen.
Einer, der sehr akribisch und im Stillen arbeitet. Der es immer wieder schafft, mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln, ein schlagkräftige Mannschaft auf den Platz zu bekommen. Und vor Allem - einer der absolut loyal zu seinem Arbeitgeber steht.

29.09.2018 - 13:30 - franzwirtz

Wieviele Folgen dieses „Kommödienstadels“ dürfen wir noch erwarten? ...

Liebe RevierSport-Redaktion, handelt es sich um einen groß angelegten Feldversuch und Sie möchten die Leidensfähigkeit ihrer geneigten Leserschaft erkunden? Statt fortwährend weiter von der Bundesliga zu schwafeln und davon, dass sogar zweimal die Bayern besiegt wurden, läge es nahe, endlich den tatsächlichen Sachverhalt und die gegebenen Hintergründe zu offenbaren.

„Wieder platzt ein großer Traum.“ (...)
„Wieder 'mal platzt eine Seifenblase“, wäre weitaus treffender.

„Die SG 09 hängt erneut am Tropf ihres Aufsichtsrats-Vorsitzenden.“ (...)
Wer an welchem Tropf auch immer hängt, ist immerhin bestens versorgt.

Also bitte demnächst nur noch: Fakten, Fakten, Fakten, - Danke!

29.09.2018 - 11:26 - RWEWestkurve

Ein anderer Trainer hätte wahrscheinlich schon längst das Weite gesucht. Farat Toku ist halt einer von den guten, die sich mit dem Verein identifizieren und alles dafür geben, daß es voran geht. So schätze ich auch unseren Trainer Karsten Neitzel ein. Ich habe nie an diese Digitalisierungsklamotte geglaubt. 25 Millionen über Crowdfunding einsammeln ist ne hohe Nummer. So manch eine PC Spieleschmiede bekommt nicht mal 100.000 über Crowdfunding zusammen., warum sollte es dann bei SG09 klappen? Eine andere Frage: Wie hätte die Digitalisierung ausgesehen? Jeder Spieler bekommt eine Sonde in den Hintern und eine Antenne auf den Rücken damit das E-Sports Team die Geschehnisse auf dem Platz über FIFA19 steuern kann?? Naja, wie dem auch sei. Kopf hoch SG09. Ihr kriegt das hin. Bin ich fest von überzeugt.