Nationalspieler Julian Draxler erzählt in einem Interview von seinem Weg in den Profifußball und seiner Zeit als Profi bei Schalke 04.

PSG-Star im Interview

Draxler über seine Karriere und die Schalke-Fans

Jan Kanter
25. November 2019, 12:48 Uhr

Foto: dpa

Nationalspieler Julian Draxler erzählt in einem Interview von seinem Weg in den Profifußball und seiner Zeit als Profi bei Schalke 04.



Der Ex-Schalker erzählt, wie ihn sein Vater mit sanften Druck in Richtung Profi-Karriere gelenkt habe: "Er hat zwar nie gesagt, ich müsse es unbedingt zum Profi schaffen, er hat mich aber sehr stark in diese Richtung geschubst." 


Dabei muss es, erzählt der 26 Jahre alte Profi des französischen Meisters Paris Saint-Germain weiter, gelegentlich einigermaßen emotional zugegangen sein: "Wenn wir am Samstag verloren oder ich schlecht gespielt hatte, war das Wochenende für die gesamte Familie gelaufen, weil mein Papa einen Riesenhals hatte. Da war er schon richtig sauer und sehr, sehr kritisch. Im Nachhinein sei er, sagt Draxler, seinem Vater dankbar, weil "ich so einen Ehrgeiz entwickelt habe, den ich sonst vielleicht nicht gehabt hätte."

Selbstkritische Töne im Interview von Julian Draxler

Im Interview, in dem er sich in der Rückschau sehr selbstkritisch zeigt, beschreibt er sich selber so: "Eigentlich war ich das Gegenteil eines Malochers. Wenn man es böse formulieren möchte: ein Schönwetterfußballer." Er habe körperliche Defizite gehabt, und die Bedeutung ordentlicher Defensivarbeit lange nicht erkennen wollen.


Die wichtigsten Aussagen des Interviews mit Spox und Dazn im Wortlaut. Julian Draxler sagt über...

... Überheblichkeit nach seinen ersten Erfolgen:
"Es gab bei mir ein halbes Jahr, in dem ich ein bisschen weniger trainiert und auch mal gesagt habe: Es ist ja nur Training. Das war zuvor für mich jahrelang undenkbar. Wenn du ein halbes Jahr nachdem du deinen ersten Profivertrag unterschrieben hast, einen neuen Vertrag unterschreibst, durch den du plötzlich das Zehnfache verdienst, ist das nicht leicht zu verarbeiten. Du glaubst, es wäre ein Selbstläufer. Du wirst nachlässig. Und sobald du im Training ein, zwei Prozent weniger gibst, fängst du auch an, im Spiel deine Gegenspieler zu unterschätzen. Die wiederum wissen jetzt, was du kannst, und passen besser auf dich auf. Ein, zwei gute Spiele zu machen und ein nettes Tor zu schießen, ist das eine. Es ist aber viel schwieriger, sich auf dem Niveau zu halten. Fußballspielen können in der Bundesliga alle. Das ist nicht mehr wie in der B- oder A-Jugend. Im bezahlten Fußball fressen sie dich mit Haut und Haaren auf, wenn du nicht voll da bist. Das habe ich relativ schnell begriffen – und deswegen bin ich aus der Schwächephase wieder herausgekommen. Solange du gut spielst und Tore machst, läuft alles von selbst. Wenn aber zum ersten Mal ein verlorenes Spiel an dir persönlich festgemacht wird, bist du plötzlich einem ganz anderen Druck ausgesetzt. Du nimmst deine Umgebung anders war, auch im Privatleben, schaust ständig nach links und rechts."

... die hohe Erwartungshaltung bei Schalke 04:
"Schalke war für mich kein Arbeitgeber wie jeder andere. Es waren viele Augen auf mich gerichtet. Wenn wir verloren haben, musste ich mir nicht nur von den Fans anhören, dass ich scheiße bin, sondern auch von meinen Nachbarn, meiner Familie und den Freunden meiner Familie. Ich war zum Beispiel auf dem Geburtstag meines Onkels. Da saß dann jemand, der immer in der Nordkurve steht, und mir plötzlich - auf gut Deutsch gesagt - erzählte, was für ein Arschloch ich doch bin. Das ist eben Ruhrpottsprache. Da nimmt man kein Blatt vor den Mund. Den Menschen ist in dem Moment egal, ob du erst 19 oder 20 Jahre alt bist und noch in der Entwicklungsphase steckst. Gleichzeitig haben die Menschen ein sehr gutes Gespür dafür, ob du gerade auf dem Platz wirklich zu hundert Prozent da bist oder ob du Flausen im Kopf hast. Anfangs nimmst du als Teenager eher eine Abwehrhaltung ein und denkst dir: Was willst du mir eigentlich erzählen? Ich weiß schon, wie der Hase läuft. Aber im Nachhinein merkst du, dass die Leute meistens recht hatten."

... den Druck, den sein Vater auf ihn ausgeübt hat:
"Eine ganze Menge. Er hat zwar nie gesagt, ich müsse es unbedingt zum Profi schaffen, er hat mich aber sehr stark in diese Richtung geschubst. Wenn wir am Samstag verloren oder ich schlecht gespielt hatte, war das Wochenende für die gesamte Familie gelaufen, weil mein Papa einen Riesenhals hatte. Da war er schon richtig sauer und sehr, sehr kritisch. Manchmal habe ich meine Leistung gar nicht als so schlecht empfunden. Er hat mir dann klargemacht, dass das nicht reicht. Mein Papa war definitiv fordernd. Im Nachhinein bin ich ihm dafür unglaublich dankbar, weil ich so einen Ehrgeiz entwickelt habe, den ich sonst vielleicht nicht gehabt hätte."

... seine Art Fußball zu spielen:
"Eigentlich war ich das Gegenteil eines Malochers. Wenn man es böse formulieren möchte: ein Schönwetterfußballer. Gute Technik, gute Übersicht, gutes Dribbling. Aber keiner, der den 50-Meter-Sprint nach hinten gemacht hat, um einen Ball zu gewinnen. Natürlich gehört die Defensivarbeit heutzutage zum Profifußball dazu, ich habe sie mir auch angeeignet. In der Jugend war das aber anders. Wenn Sie meine früheren Trainer fragen, werden alle dasselbe sagen: ‚Julian hatte außergewöhnliche Fähigkeiten, Verteidigen mochte er aber gar nicht.‘ Auch zu Beginn meiner Profikarriere wollte ich jede Situation spielerisch lösen, sodass mir das Körperliche und Kämpferische abgegangen ist. Das war für die Schalker, die Fans und das Umfeld nur schwer zu akzeptieren. Ich wusste um die Bedeutung dieser Attribute, sie lagen aber nicht in meinem Naturell. Einmal ist es mir zum Verhängnis geworden. Als ich 15 oder 16 Jahre alt war, wurde die U16 aufgelöst. Es gab also nur noch die U17 und ich war körperlich total im Nachteil. Dann kam mein damaliger U17-Trainer auf die Idee, mich auf der Sechs spielen zu lassen, um mir die Bedeutung der Defensivarbeit einzubläuen. Er wollte mit allen Mitteln erreichen, dass ich es lerne. Heute weiß ich, dass er mich nur voranbringen wollte, damals habe ich das aber nicht verstanden und auch nicht akzeptiert. Ich war im Kopf einfach noch nicht so weit und hatte riesige Probleme in meinem ersten U17-Jahr. Ich war schlicht nicht in der Lage, in einem körperbetonten Spiel Zweikämpfe gegen einen 17-Jährigen von Borussia Dortmund zu gewinnen. Das war eine Phase, in der ich nicht gut gespielt und zum ersten Mal gemerkt habe, dass die anderen auch richtig gut sind. Mit dieser Erkenntnis, dass es plötzlich für mich nicht mehr steil nach oben ging, hatte ich zunächst meine Probleme." 

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Kommentieren

26.11.2019 - 18:48 - Schalker1965

@Schacht 7

Stand 12. Spieltag liegt die Mannschaft weit über dem, was man ihr aufgrund der vorausgegangenen Katastrophensaison zutrauen durfte. Das sind sicherlich vornehmlich die Verdienste des neuen Trainers, der es wieder geschafft hat, eine "Mannschaft" auf den Platz zu bekommen. Die guten Leistungen beruhen aber auch darauf, dass die von Heidel geholten Spieler wie insbesondere Serdar, Mascarell und Harit die Kurve bekommen haben und das Vertrauen des Trainers nun mit starken Auftritten zurückzahlen.

Die Neuverpflichtungen von Schneider sind bis auf den starken Kenny bisher blass geblieben, was aber auch daran lag, dass Kabak und Raman lange verletzt waren. Richtig ist aber auch, dass die Transferausgaben für Kabak und Raman meiner Ansicht nach zu hoch waren.

Von Reschke halte ich gar nichts, jedenfalls wurde ich bisher nicht eines Besseren belehrt. Mal schaun, was noch kommt.

26.11.2019 - 12:32 - Schacht 7

@Schalker 1965

An deinen Worten wirst du jetzt gemessen. "Intellektuell Recht eingeschränkte Kommentatoren"

Darf ich dich mal an deine Worte Erinnern. Schneider raus Reschke raus usw. vor der Saison. Die neu Verpflichtungen Kabak und Raman hast du als Fehleinkäufe abgestempelt ohne das sie überhaupt ein Spiel bestritten haben

Der sportliche Bereich mit Wagner, Schneider und Reschke leistet hervorragende Arbeit.
Kein Vergleich zur Vorsaison jetzt macht das Fussball gucken wieder Spaß, auch Dank der Transfers.

Glück Auf

26.11.2019 - 10:56 - Schalker1965

@Schacht 7

"Und ein echter Fan zieht seinen Verein nie so durch den Dreck,wie es bei dir der Fall ist in deinen meisten Kommentaren."

Wieder mal so ein typisches unsubstantiiertes Gefasel. Ich habe den FC Schalke 04 noch nie "durch den Dreck gezogen", was immer das heißen mag. Aber berechtigte Kritik an dem zuletzt dilettantischen und vereinschädigenden Verhalten einzelner "Protagonisten" muss erlaubt sein, jedenfalls lasse ich mir das durch einige intellektuell recht eingeschränkte Kommentatoren in diesem Forum hier nicht verbieten.

Beitrag wurde gemeldet

26.11.2019 - 10:16 - Schacht 7

@ alles für Schalke

Kanntest du sein Umfeld ? Nein, er hat in seiner Schalker Zeit immer noch bei seinen Eltern gewohnt und sein Vater ist eingefleischter Schalke Fan genau wie der gesammte Freundeskreis. Da kannst du nicht so einfach abschalten.

Von Flucht war nie die Rede , die eigene Persönlichkeitsentwicklung hat eine große Rolle gespielt deshalb ist der Wechsel auch ein Grund gewesen.

Und ein echter Fan zieht seinen Verein nie so durch den Dreck,wie es bei dir der Fall ist in deinen meisten Kommentaren. Wenn es gut läuft hört man nichts von dir aber wehe es geht in die andere Richtung.
Jeder der länger hier im Forum ist kennt dich und deine Nick Namen .
Alles nur kein Schalker.

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26.11.2019 - 08:55 - Schalker1965

@Schacht 7

"Mein Sohn hat auch zu der Zeit in Schalke gespielt deshalb kenne ich beide persönlich."

Was bist du denn für ein Wichtigtuer? Niemand spielt "in" Schalke, sondern allenfalls "auf" Schalke. Das sollte ein "Fan", aber erst recht ein "Spielervater" wissen.

Unabhängig davon, dass ich auch nicht glaube, dass Draxler vor den Fans "geflüchtet ist, halte ich deine Geschichte von der "Flucht" vor dem Vater gleichermaßen für Unfug.
Draxler dürfte vielmehr deshalb nach Wolfsburg gewechselt sein, weil er mit der Erwartungshaltung auf Schalke und dem damit verbundenen "Druck" nicht mehr klargekommen ist. Draxler wurde extrem schnell hochgejubelt, er wurde als Identifikationsfigur dargestellt: "Auf Kohle geboren" sei er, wie einst Thon und vor ihm die anderen Legenden wie Stan Libuda und Ernst Kuzorra, nach denen in Gelsenkirchen Straßen benannt sind. Als Draxler im Mai 2013 seinen Vertrag bis 2018 verlängert hatte, schickten die Schalker Kleinlaster mit Plakatwänden kreuz und quer durchs Ruhrgebiet, auf denen "Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018" zu lesen war. Dabei war schon damals eine Ausstiegsklausel vereinbart worden. Draxler sollte für Schalke eben nicht nur ein Aushängeschild sein, sondern zugleich auch die Lebensversicherung. Beiden Rollen konnte Draxler aber nicht gerecht werden, er verzettelte sich. Seine Leistungen litten. Nach jeder Saison wurde diskutiert, ob er denn nun gehe oder nicht. Auch die Fans reagierten zunehmend genervt: Wie passte dies denn mit dem Stolz und der Leidenschaft zusammen? In einer solchen Gemengelage ist es für einen jungen Spieler schwer, sich zu entwickeln. Wohl auch deshalb wollte Draxler gehen. Von der Aufbruchsstimmung, von der damals auf Schalke viel die Rede war, hat er am Ende nicht mehr viel gespürt. Auch andere große Spieler haben in der Vergangenheit Schalke verlassen, sogar Olaf Thon. Als er zu Bayern München ging, flossen Tränen - beim Spieler und bei den Fans. Draxlers Abgang wurde dagegen nur als das Ende eines nervigen Gezerres wahrgenommen. Dies war der bitterste Aspekt dieses Transfers.

26.11.2019 - 05:03 - Schacht 7

@ Alles für Schalke /Schalker 1965

Was für einen Käse erzählst du denn da? Der ist von Schalke weg weil sein Vater immer immensen Druck auf ihn ausgeübt hat. Das ist nach seinem Wechsel von Gladbeck BV Rentford nach den Schalker Mini Kickern schon losgegangen. Viele Kinder verlieren den Spaß am Fußball weil sie zu ehrgeizige Eltern haben. Der war froh daß er von zu Hause weggekommen ist weshalb geht man sonst von Schalke nach Wolfsburg.
Mein Sohn hat auch zu der Zeit in Schalke gespielt deshalb kenne ich beide persönlich.

Glaubst du den Mist eigentlich selber den du hier dauernd schreibst?

26.11.2019 - 00:26 - Alles für Schalke

Draxler ist wie viele andere gute Spieler, vor den Schalke Fans geflüchtet. Letzte Saison Platz 18 in der Heimtabelle, diese Saison auch wieder deutlich schlechter als auswärts. Mir gehen die Meckerfans zu Hause voll auf den Zeiger! In guten Zeiten die besten Fans der Welt, läuft es aber mal durchschnittlich oder schlecht, gibt es keine schlimmeren und vereinsschädigenderen Fans als die unseren. Das muss man mal festhalten.

25.11.2019 - 18:35 - Hüller

Der ist gut, lap of :) Der soll mal wieder zurück kommen in seine Heimat....

25.11.2019 - 16:40 - lapofgods

... und seine Karriere will er bestimmt bei RWE, der Murmel auf dem Senf der Regionalliga, beenden, oder? Will ja jeder.