Spielbetrieb eingestellt

Das denken Klub-Vertreter über die vorzeitige Winterpause

Dominik Hamers
18. November 2020, 16:00 Uhr
Gähnende Leere auf einem Fußballplatz. Symbolbild: Barbara Zabka

Gähnende Leere auf einem Fußballplatz. Symbolbild: Barbara Zabka

Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) hat aufgrund immer noch steigender Corona-Fallzahlen beschlossen, den Spielbetrieb in diesem Jahr einzustellen. Wir haben mit Vertretern von Klubs gesprochen.

Bei der SG Wattenscheid 09 ruht der Betrieb bereits seit einigen Wochen. Nach dem Spiel gegen die Zweitvertretung des SC Paderborn 07 hatte es Corona-Fälle im Mannschaftskreis gegeben, der Klub stellte daraufhin den Trainingsbetrieb des Oberliga-Teams ein. Anschließend sperrte die Stadt Bochum sämtliche Sportstätten - und schließlich hinderte der Beschluss, bundesweit alle Anlagen zu schließen, die Aufnahme des sportlichen Betriebs. Nun steht fest, dass in diesem Jahr im Gebiet des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) kein Wettbewerb mehr stattfinden wird.

„Wir begrüßen den Umstand, dass wir Planungssicherheit haben“, erklärt SGW-Vorstand Christian Pozo y Tamayo. „Die Kontaktbeschränkungen gehen vor.“ Dennoch betrachtet der Funktionär die Entscheidung des Verbandes auch aus sportlicher Perspektive: „Unser Pokal-Gegner SC Verl hätte durchgespielt, wir nicht. So können wir uns länger auf das Spiel vorbereiten.“ Nach Informationen dieser Redaktion hätte der Verband den Klubs noch zwei Wochen Zeit gegeben, um wieder in Tritt zu kommen, ehe er der Spielbetrieb wieder aufgenommen hätte.

Vereine beschäftigen sich mit vielen Fragen

Ähnlich sieht es Pressesprecher Carsten Schwarma vom Marler Bezirksligisten VfB Hüls. „Ich hoffe, dass sich die bislang durchwachsene Saison nicht in den Köpfen der Spieler eingemeißelt hat und dass wir mit freien Köpfen die Aufholjagd starten können.“ Darüber hinaus mache man sich weitere Gedanken: „Bleiben die Jungs fit? Bleiben sie uns erhalten? Bleiben unsere Mitglieder, Partner, Förderer uns treu?“ Das verhinderte Vereinsleben sowie wirtschaftliche Schwierigkeiten bei einigen Unternehme befeuern diese Gedanken. Nicht nur beim ehemaligen Regionalligisten.

Ahmet Inal etwa, Trainer des Westfalenligisten YEG Hassel, denkt auch an die Transferphase im Winter. „Wir haben trotz des Umbruchs eine sehr spielstarke Mannschaft, der nur noch ein richtiger Knipser fehlt. Unter normalen Voraussetzungen würden wir in der Winterpause gern nachjustieren. Aber wir können weder vernünftig beobachten, noch Spielern aus der eigenen Mannschaft eine Chance geben, sich zu beweisen.“

Inal, früher selbst Spieler, gibt zudem zu bedenken: „Ich weiß aktuell nicht, wie man sich fit halten soll. Meine Jungs bekommen derzeit keine Trainingspläne, weil das konkrete Ziel fehlt. Ich weiß allerdings auch nicht, wie gesund es für den Körper ist, wenn die Spieler mehrmals im Jahr eine Vorbereitung absolvieren müssen.“

Ins gleiche Horn stößt Detlef Severidt vom Landesligisten Hombrucher SV. Der Klub ist aktuell Dritter, spielt bislang eine ordentliche Hinrunde. Und dennoch: „Der gesamte Vorstand ist froh darüber, dass der Verband so früh eine Entscheidung kommuniziert hat.“ Etwas anderes als eine Spielpause im Dezember hätte auch gar keinen Sinn ergeben, so der Funktionär: „Hätte es seitens der Bundesregierung die Erlaubnis gegeben, hätten wir ein Spiel gemacht, dann wieder Pause, und dann wieder gespielt.“ Jetzt könne man sich in Ruhe auf Weihnachten vorbereiten, schließt er mit einem Augenzwinkern an.

Saiffo El Batal, Co-Trainer des Bezirksliga-Zweiten FC Marl, denkt dabei schon an die Zeit danach: „Es ist etwas ärgerlich, da man durch die vorzeitige Pause aus dem Rhythmus kommt. Es gilt dennoch, dass sich jeder fit halten soll. Denn wir werden nur eine kurze Vorbereitungszeit bekommen.“ Schließlich hatte FLVW-Vize Manfred Schnieders schon eine verkürzte Winterpause angekündigt. El-Batal vermutet: „Ich denke, dass nur die Hinrunde gespielt wird.“

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18.11.2020 - 21:28 - Außenverteidiger

Die Jammerlappen Trainer... Alle sollen froh sein in der übergeilen Nation Deutschland zu leben. Wir leben, trotz Pandemie im Wohlstand. Auf den Amateursport kann jeder verzichten. Man geht halt joggen, so wie wir alle. Weiterhin sind die Straßen gut für Radtouren. Hauptsache die Wirtschaft läuft und jeder kann sich ein Hobby leisten. Gerade mit einer Zuwanderungsgeschichte, sollten Verhältnisse aus anderen Ländern bekannt sein. Gilt natürlich für jeden Einheimischen. Unsere Vorfahren konnten sich kaum Nahrung in Krisen leisten. War das gut für den Amateursport oder Körper?