Was nimmt man nicht alles in Kauf für gute Stimmung. Die Anpeitscher in den Fankurven können ein „Lied“ davon singen. Und das ist in Oberhausen nicht anders.

Fan des Monats

"Kami" und sein Verzicht für RWO

Christian Brausch
08. September 2009, 11:27 Uhr

Was nimmt man nicht alles in Kauf für gute Stimmung. Die Anpeitscher in den Fankurven können ein „Lied“ davon singen. Und das ist in Oberhausen nicht anders.

Dort „herrscht“ der 29-jährige Kami auf dem Zaun. Und während die allgemeine Fanschar dem Verein - gerne auch demonstrativ im Block - nur dann den Rücken zuwendet, wenn mal wieder die eigene Mannschaft jenseits von Gut und Böse spielt, stehen die Stimmungsmacher permanent mit Blickkontakt zu den Anhängern.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/513-7812_preview.jpeg Foto: firo.[/imgbox]
Kami macht das seit 1997, in den letzten zehn Jahren hat er um die zehn Matches verpasst. Ohne die eigenen Leistungen der „Kleeblätter“ wirklich beurteilen zu können. „Teilweise habe ich gar nichts mitbekommen, manchmal habe ich bei Torszenen hingeschaut, wenn man gemerkt hat, da passiert was. Ich habe aber am Ende auf sehr viel verzichtet.“

Was der RWO-Fan seit 14 Jahren damals wohl noch nicht im entferntesten erahnen konnte. Doch nach der Rückrunde 1997/98 ging alles sehr fix. „Nach ein paar Partien war ich schnell permanent im Auswärtsbus dabei. Kurz danach bin ich in den Fanklub „Niederrhein“ eingetreten. Dort war ich zehn Jahre, am Ende auch im Vorstand. So bin ich in den Kreis der echten RWO-Fans gekommen.“

Eigener Fanklub „Handtuchmafia“

Noch intensiver wurde die „RWO-Sucht“ mit der Gründung des eigenen Fanklubs, der „Handtuchmafia“. Heute sind dort über 20 Mitglieder vertreten, die Kami seit über neun Jahren auf dem Zaun bestaunen konnten. Allerdings war das alles – nur nicht geplant. Speziell, wenn man den Grundcharakter des „Vorturners“ kennt. „An die erste Begegnung kann ich mich gar nicht mehr erinnern. In den anfänglichen Partien war ich nur kurz oben, das hat sich dann aber weiter entwickelt. Wobei mir das alles andere als im Blut lag. Von Natur aus bin ich sehr schüchtern. Ich weiß nicht, was mich damals geritten hat, auf jeden Fall bin ich nicht gedrängt worden.“

Und einmal auf der erhöhten Position angekommen, wollte der Auszubildende auch nicht mehr runter. Wobei er nach den jeweiligen 90 Minuten in einem ähnlichen Zustand ist wie die Malocher auf dem Feld. „Ich bin dann sehr kaputt, denn ich habe das immer sehr ernst genommen, weil mir einfach viel an der guten Stimmung liegt. Daher trinkt man im Vorfeld keine 700 Bier, sondern kommt lieber ausgeschlafen zum Spiel, um situationsbedingt die richtigen Lieder auszuwählen.“

„Keine 700 Bier vor dem Spiel“

Die gerne auch in Eigenarbeit umgetextet wurden. „Alle im Fanklub suchen nach neuen Songs. Ich habe selber auch welche geschrieben. Ich habe Melodien gesucht und die umgetextet, wenn es die in anderen Stadien noch nicht gegeben hat.“ Allerdings hat Kami die im letzten halben Jahr nicht mehr vom Zaun angestimmt. Deshalb gab es schon Befürchtungen, der Anpeitscher hängt seinen Job an den Nagel. Missverständnisse kamen auch durch einen Zeitungsartikel bei ZEUS auf.

Kami klärt auf: „Schüler haben ein Interview mit mir gemacht, da kam eine Sache missverständlich rüber. Ich hatte gesagt, dass ich nichts dagegen hätte, wenn jemand anderes die Aufgabe übernehmen würde. Auch mit mir zusammen. Das heißt nicht, dass ich aktiv jemanden gesucht hätte. Ich habe einfach meine Augen aufgehalten, ob da jemand ist, mit dem man sprechen kann, um das zusammen zu versuchen.“
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Der Grund ist ganz einfach und war in der RWO-Szene auch ein Diskussionsthema. Es kam die Frage auf, was wäre, wenn Kami nicht mehr da ist. Die Antwort: Die Stimmung wäre wohl bei Null, weil die Gallionsfigur fehlt. „Da haben die anderen gefragt, ob es nicht gut wäre, wenn mehr Verantwortung in den gesamten Fanblock getragen wird. Ich habe hin und her überlegt und war am Ende dafür.“

Mit der Folge, dass Kami die letzten Heimspiele der abgelaufenen Spielzeit auf dem Wellenbrecher zwischen den Blöcken C und D verbracht hat. Und so noch weniger von den jeweiligen 90 Minuten mitbekommen hat. Mit Blick auf die Atmosphäre zieht der 29-Jährige folgendes Fazit: „Auf der einen Seite wurde die Stimmung erst besser, weil aus dem Block heraus eigene Lieder angestimmt wurden. Allerdings hat an den Außenstellen des Blocks die Stimmung stark nachgelassen.“

Speziell gegen Ahlen, denn da gab es Unstimmigkeiten im eigenen Lager. Kami berichtet: „Es gab Ärger zwischen den Ultras und den normalen Anhängern. Die eine Seite hat die andere nicht verstanden. Es ging um Gesänge für Leute, die Stadionverbote erhalten haben und um Proteste gegen Polizeieinsätze, die der normale Fan nicht versteht. Dann gab es Pfiffe und die Ultras haben gegen Ahlen das Stadion früh verlassen.“

Ärger im eigenen Lager

Was dazu führte, dass der Verein einschritt und ein Fantreffen organisierte. Generell gibt es mit Blick auf die Unterstützung von RWO ein Lob von Kami. „Da kann ich mich nicht beklagen. Der Klub zeigt viel Verständnis für unsere Angelegenheiten. Auch durch Thorsten Binder, der unsere Probleme kennt und unser Denken versteht.“

Daher wird sich auch die Stimmung in den kommenden Partien wohl wieder von der besseren Seite präsentieren. Und nach den Erfahrungen inmitten des Blocks betont Kami. „Das habe ich erst hingenommen, mittlerweile habe ich mir gedacht, ob es nicht besser wäre, wieder auf den Zaun zu gehen.“

Daher ist es gut möglich, dass die zaunlose Zeit in Oberhausen für unseren Fan des Monats schon in Kürze vorbei ist. Und Kami zu Gunsten der Stimmung wieder auf viele fußballerischer Momente verzichtet...

Autor: Christian Brausch

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