Aus Uruguay, Argentinien und Nigeria holte Schalke 04 für Millionen neue Stars, doch unter Trainer Jupp Heynckes entdecken die Königsblauen, dass das Gute eigentlich so nah liegt.

SCHALKE 04 - Vier gebürtige Gelsenkirchener im Team

11. März 2004, 09:45 Uhr

Aus Uruguay, Argentinien und Nigeria holte Schalke 04 für Millionen neue Stars, doch unter Trainer Jupp Heynckes entdecken die Königsblauen, dass das Gute eigentlich so nah liegt.

Aus Uruguay, Argentinien und Nigeria holte Schalke 04 für Millionen neue Stars, doch unter Trainer Jupp Heynckes entdecken die Königsblauen, dass das Gute eigentlich so nah liegt. Gleich vier gebürtige Gelsenkirchener haben in dieser Saison schon für den Traditionsklub gespielt: Hamit Altintop, seit kurzem türkischer Nationalspieler, Verteidiger Thomas Kläsener, Stürmertalent Michael Delura und Torhüter Volkan Ünlü, der am vergangenen Samstag beim 3:0 gegen den SC Freiburg sein Bundesliga-Debüt gab.

"Bei mir bekommt jeder eine Chance, der das Zeug dazu hat. Namen spielen dabei keine Rolle", sagt Heynckes, der in seiner ersten Saison bei den Königsblauen schon des Öfteren die "Namenlosen" den vermeintlichen Stars vorgezogen hat.

So viele Gelsenkirchener im Bundesliga-Team hat es beim siebenmaligen Meister, der zuletzt vor allem im Ausland auf Spielersuche war, fast ein Vierteljahrhundert lang nicht gegeben. Zuletzt in der Saison 1979/80, als Torwart Norbert Nigbur, Mittelfeldspieler Ulrich Bittcher sowie die Stürmer Rüdiger Abramczik und Ulrich Schröder für die Königsblauen spielten. Damals war Friedel Rausch Trainer.

24 Jahre später war aus dem aktuellen Quartett für Bundesliga-Fußball in der Arena AufSchalke eigentlich nur Hamit Altintop vorgesehen. Der Mittelfeldspieler, für 1,8 Millionen Mark vom Regionalligisten Wattenscheid 09 verpflichtet, hat sich in kurzer Zeit zum Stammspieler und Leistungsträger entwickelt. So spektakulär sein Einstand mit zwei Toren im Revierderby gegen Borussia Dortmund war, so bodenständig ist der Türke geblieben.

Der 21-Jährige wohnt weiter mit seiner Mutter in einer 80-Quadratmeter-Wohnung in einem grauen Sechs-Familien-Haus unweit des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs. "Ich kann nicht ausziehen, dann ist meine Mama ganz alleine." Onkel Fahrettin, Gemüsehändler auf dem Großmarkt und von allen nur "Cash" genannt, ist sein Berater. Trainer Heynckes hat der Bundesliga-Neuling schon überzeugt: "Hamit hat große Veranlagungen, enormes spielerisches Potenzial."

Völlig überraschend kam dagegen das Profi-Debüt von Thomas Kläsener. Der 27-Jährige posierte vor Saisonbeginn - damals war er Praktikant der Marketing-Abteilung - noch als "Dummy" für das Schalker Mannschaftsfoto. Sein Gesicht sollte wegretuschiert werden, damit sich die Fans selbst ins Team "kleben" konnten. Später wurde die Idee jedoch verworfen.

Mittlerweile ist der Vertragsamateur eine feste Größe in der Schalker Abwehr, die seit 590 Minuten kein Gegentor mehr kassiert hat, und hat Kapitän Tomasz Waldoch auf die Bank verdrängt. "Ich dachte eigentlich, dass der Zug für mich abgefahren ist", meint der Innenverteidiger, der seit 1996 auf Schalke spielt, den Sprung in die Bundesliga aber erst mit 27 geschafft hat. Sein bislang größter Erfolg: Bremens Torjäger Ailton blieb gegen ihn ohne Treffer.

Bereits ein Bundesliga-Tor auf dem Konto hat Youngster Michael Delura. Beim 2:0 in Köln traf der 18-Jährige, den Heynckes von der A-Jugend zu den Profis holte. "Das ist ein richtig guter Junge. Hätte ich von ihm gewusst, wäre er schon im Sommer mit ins Trainingslager gefahren", sagt Heynckes. Und Manager Rudi Assauer, der dem Stürmer im September einen Profivertrag bis 2006 gab, glaubt: "Er ist eines unserer größten Talente." Derzeit kann Delura nicht regelmäßig mittrainieren, weil er noch zur Schule geht und im Sommer sein Fachabitur macht.

Ins kalte Wasser warf Heynckes am vergangenen Samstag Volkan Ünlü. Weil sich Nationaltorhüter Frank Rost einen Außenbandriss im Knie zuzog, stand plötzlich der 20-jährige Türke vor 61.000 Zuschauern im Bundesliga-Tor. "Die Stunden vor dem Spiel waren schon Nerven zerfetzend", gab Ünlü, bislang Keeper der Amateure in der Regionalliga, nachher zu.

Ansprüche stellt der türkische "U21" -Torwart nach seinem Debüt ohne Gegentor nicht: "Wenn Frank Rost wieder fit ist, gehe ich zurück auf die Bank. Ich bin noch jung, die Zeit läuft für mich." Nur fünf Minuten von der Arena entfernt wohnt Ünlü im Stadtteil Schalke, dort wo einst Ernst Kuzorra und Fritz Szepan in der Glückauf-Kampfbahn den Mythos Schalke begründeten. 70 Jahre später spielen wieder Gelsenkirchener auf Schalke.

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