Die Aufholjagd auf Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern war so schick zurechtgelegt.

RWE: Große Psychologie an der Hafenstraße

Metzen: "Vertraute auf Ehrlichkeit"

Oliver Gerulat
22. Februar 2009, 13:07 Uhr

Die Aufholjagd auf Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern war so schick zurechtgelegt.

Auf Schalke sollte in der Veltins Arena stilgerecht gewonnen werden, danach den Teufeln im heimischen Georg Melches-Stadion die Hölle heiß gemacht werden. Der Auftritt auf königsblauem Terrain ging bei der 1:2-(1:0)Niederlage vor 13.800 Zuschauern schief, so dass die Verantwortlichen mit Gesichts-Blässe nach Hause fuhren. "Leere Hände", konstatierte Coach Michael Kulm.

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Alles nach einem zur Derbystimmung passenden Drehbuch: RWE führte durch Robert Mainka (29.), Björn Traufetter glich aus (55.), Marco Lorenz erzielte durch einen Foulelfmeter den Sieg für die Gastgeber (86.). "Der Verlauf war bis zum 1:0 eigentlich in Ordnung", grübelte Kulm, "die Vorgabe nach der Pause war nicht, das Resultat zu verwalten." Während Kaiserslautern im Fernduell einen Zähler beim Restrundenaufauftakt holte, gab Essen - umstritten - das Heft noch aus der Hand.
[infobox-right]S04: Fährmann - Tumanan, Kilian, Thorwart, Kraska - Ma. Lorenz, Hasanbegovic, Grossmüller (90. Thamm), Trisic - Erwig (76. Landgraf), Traufetter (88. Barton)
RWE: Maczkowiak - Kotula (85. Stiepermann), Mi. Lorenz, Zinke, Bührer - Aydin (66. S. Lorenz) - Neumayr Wunderlich (75. Harrer), Mainka - Kurth, Mölders
Zuschauer: 13.800
Tore: 0:1 Mainka (29.), 1:1 Traufetter (55.), 2:1 Ma. Lorenz (86. Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Thomas Metzen (Mechernich)
Gelbe Karten: Tumanan, Grossmüller - Mi. Lorenz, Kotula[/infobox]
Weil die Strafstoßsituation die Gemüter erhitzte. Dennis Bührer und Traufetter suchten im RWE-Sechzehner körperliche Nähe, Linienrichter Nikolaus Athanassiadis sah statt Zärlichkeit ein grobes Tun. "Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte", schüttelte RWE-Kapitän Stefan Lorenz mit dem Kopf, "wenn man in dieser Spielsituation und unter Berücksichtigung der Brisanz diese Entscheidung fällt, hat sich der Schiedsrichter vorher mit dem Match wohl nicht beschäftigt. Eine professionelle Einstellung wird ja nicht nur von uns Spielern erwartet." Kulm meinte: "Wenn die Entscheidung richtig war, dürfen wir uns nicht betrogen fühlen." Schiedsrichter Thomas Metzen pfiff erst aufgrund der Inintiative seines "Assis", dann holte er sich noch Rückversicherung beim Schalker Traufetter: "Ich vertraute auf die Ehrlichkeit des Spielers. Er sagte, er sei getroffen worden." Metzen entdeckte Traufetter bei der Schalker Bank. Markus Högner, S04-Trainer: "Björn bat uns um ein Getränk, ich sah nicht, dass der Schiedsrichter ihn suchte."

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Lorenz blickte geladen in die Runde: "Ich habe dem Achter in die Augen geschaut. Ich wusste, es war nichts. Er hat wohl auch ein schlechtes Gewissen gehabt, sonst wäre er nicht zur Außenlinie gegangen und versteckte sich." Allerdings war dem Essener Spielführer, der eingewechselt wurde, auch klar, dass Traufetter die Geschichte nicht plötzlich umschreiben würde. Lorenz: "Der Schiedsrichter war noch so höflich, ihn zu befragen, ob er getroffen wurde. Was soll er dazu dann sagen?"

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Letztendlich bleibt ein sehr unangenehmer Beigeschmack: Bei RWE, weil man sich nicht durchsetzte, was ursächlich nichts mit Metzen und seinem Gespann zu tun hatte, andererseits bei Metzen selbst. "Es war sicherlich eine spielentscheidende Szene. Aber über so was dürfen wir uns als Schiedsrichter in letzter Konsequenz keine Gedanken machen." Fest steht, für das Umfeld bleibt ein wenig souveräne Situations-Beherrschung in Erinnerung. Metzen: "Das sind Eventualitäten, ich habe lediglich alle Optionen geprüft, die richtige Entscheidung zu treffen."

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Was ist richtig für RWE? Zwölf Punkte beträgt der Rückstand auf den Aufstiegsplatz. "Bitter, dass ist eine Hausnummer", nickt Lorenz, "das wird unter der Woche nicht einfacher. Das Umfeld wird keine Euphorie zeigen, aber wir müssen uns stellen. Wir müssen am kommenden Samstag gewinnen und ackern." Und vor allen Dingen hinten dicht halten. Lorenz: "Zu Null spielen, das haben wir auch in der Vorbereitung nicht geschafft, diesen Mangel müssen wir Defensive uns vorwerfen lassen. Sonst geht man man leeren Händen vom Platz und schaut sich blöd an."

Die Hafenstraße ist jetzt ein Forschungsgebiet für pure Psychologie. Lorenz: "Es wird im Kopf noch einige Nächte kosten. Wir müssen jetzt gegen Kaiserslautern Charakter zeigen, abstürzen dürfen wir nicht. Wir müssen die Punkte hamstern und abgewichster werden, wir sind zu brav."

Autor: Oliver Gerulat

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