RevierSport-Mitarbeiter Randolf Kaminski unterhielt sich in der ersten BVB-Trainingswoche mit dem 31-jährigen Abwehrspieler, der trotz aller vorhandenen Probleme optimistisch das Restprogramm angeht.

BVB: Wörns über Fehler, Geld, Nüsse, Adler

rk
13. Januar 2004, 11:06 Uhr

RevierSport-Mitarbeiter Randolf Kaminski unterhielt sich in der ersten BVB-Trainingswoche mit dem 31-jährigen Abwehrspieler, der trotz aller vorhandenen Probleme optimistisch das Restprogramm angeht.

In der für die Borussen so leidgeplagten Hinrunde stand Christian Wörns in der Deckung in der Regel wie ein Fels in der Brandung, auch wenn er nicht verhindern konnte, dass gleich mehrere Wellen in Form von Gegentoren über die Borussen hinwegbrachen. Doch im neuen Jahr soll die schwarz-gelbe See ruhiger werden, selbst wenn die Finanzen in Dortmund für kräftigen Gegenwind sorgen. RevierSport-Mitarbeiter Randolf Kaminski unterhielt sich in der ersten BVB-Trainingswoche mit dem 31-jährigen Abwehrspieler, der trotz aller vorhandenen Probleme optimistisch das Restprogramm angeht.

Christian Wörns, was muss sich 2004 bei der Borussia ändern?
Drei Dinge: Weniger Verletzte, weniger Fehler und eine bessere Chancenauswertung.

Betrachten wir diese Forderungen getrennt. Gerade sie haben in der Vergangenheit stets darauf hingewiesen, dass ein Spieler, der nach einer langfristigen Zwangspause nicht direkt ein Verstärkung sein muss, weil ihm ganz einfach die Spielpraxis fehlt.
Dennoch werden wir in der Breite stärker. Es muss ja nicht jeder spielen, die Akteure könnten sich abwechseln. Auch wenn sie nicht direkt 100 Prozent bringen können, würden uns auch schon 80 Prozent weiterhelfen. Außerdem muss sich jeder absolut professionell verhalten und das Letzte aus sich herausholen.

Die Fehlerquote wurde zuletzt nicht geringer, sondern häufte sich. Insbesondere in den Schlussphasen wurden viele Punkte abgeben.
Da haben sie recht. Insbesondere bei Standardsituationen haben wir Gegentreffer zuhauf kassiert. Das ist vollkommen untypisch für uns. Wir waren einfach zu unkonzentriert und nicht wachsam genug, bis die Gefahr tatsächlich beendet war, sondern haben schon nach dem ersten Abwehrversuch abgeschaltet.

Weil die Jugend zu unerfahren ist?
Das hat nichts mit den jungen Spielern zu tun. Ihnen ist kein Vorwurf zu machen, da sie alle ihre Bestes gegeben haben und Fehler unterlaufen jedem.

Unabhängig von dem Theater, das Marcio Amoroso veranstaltet hat, seine Torgefährlichkeit fehlt dem BVB, um eine bessere Torausbeute zu erzielen, oder?
Er ist schon eiskalt vor dem Tor. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass wir genügend gute Stürmer haben, die für eine entsprechende Trefferanzahl sorgen können. Vor allem benötigen sie dazu jedoch Selbstvertrauen.

Dazu gehört Ruhe. Die gab es zuletzt nicht, erst die nervigen Spielereien von Marcio Amoroso, dann die Finanzdiskussion. In wie weit belasten solche Nebenschauplätze das Team?
Marcio hat uns im Moment nicht zu interessieren, da ich davon ausgehe, dass er uns auch im nächsten halben Jahr nicht zur Verfügung stehen wird. In Sachen Finanzen ist uns vom Vorstand gesagt worden, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Dieser Aussage schenke ich Glauben.

Trotzdem hat selbst Dr. Gerd Niebaum gesagt, dass Verkäufe am Ende der Spielzeit kein Tabu mehr sind, wenn die Champions League erneut verpasst wird.
Es wäre sehr schade, wenn die Mannschaft auseinanderfallen würde. Doch so ist nun einmal dieses Geschäft.

Um das zu verhindern, ist die Königsklasse Pflicht.
Wenn ich das realistisch sehe, haben wir schon eine harte Nuss zu knacken. Andererseits müssen wir optimistisch an die Sache herangehen, da bei der Drei-Punkte-Regelung vieles machbar ist. Wenn die anderen stolpern, dann müssen wir ganz einfach parat stehen und dieses Schwäche ausnutzen.

Vor Weihnachten häuften sich die Dortmunder Negativerlebnisse, so dass auch Matthias Sammer verstärkt kritisiert wurde. Zurecht?
Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Wir hatten zwischenzeitlich 14 verletzte Spieler und mussten dazu noch auf den gesperrten Sebastian Kehl verzichten. Insgesamt haben wir nicht enttäuscht, auch wenn die Ausbeute aus den letzten vier Spielen ein Rückschlag war, da habe ich mir schon weitaus mehr erhofft.

Ebenfalls verstärkt in die Kritik rückte auch Roman Weidenfeller, war der Verkauf von Jens Lehmann ein Fehler?
Ich halte Roman nach wie vor für einen guten Torwart.

Reicht das für die Ansprüche von Borussia Dortmund oder muss ein exzellenter Keeper zwischen den BVB-Pfosten stehen?
Ist der Unterschied dazwischen so groß? Er ist ein junger Torwart, der Schwankungen unterliegt, das müssen wir akzeptieren. Er muss versuchen, seine Schwächen so schnell wie möglich abzustellen. Mit zunehmender Erfahrung wird er automatisch besser. Wir haben alle einmal jung angefangen.

Dieses Stadium haben Sie bereits durchschritten und dabei die bittere Erfahrung gemacht, dass Verletzungen die Teilnahme bei Europa- und Weltmeisterschaften kosten können. Welche Ziele haben Sie im Trikot mit dem Adler?
Nett formuliert. Wenn ich von Blessuren verschon bleibe, dann möchte ich in Portugal und vor allem bei der WM in Deutschland dabei sein. Das Turnier im eigenen Land ist ein wunderbarer Traum, den ich gerne erfüllt bekommen möchte.

Stichwort Gesundheit. Auch Sie mussten in dieser Hinsicht, wie bereits erwähnt, Rückschläge in Dortmund hinnehmen. Wie haben Sie die medizinische Betreuung, die momentan ganz besonders unter die Lupe genommen wird, erlebt?
Ich kann nichts Negatives sagen. Jetzt ist auch noch Dr. Markus Braun dazu gekommen, meines Erachtens ist alles in Ordnung. Vielleicht sollten die Spieler noch mehr Selbstverantwortung übernehmen und sich selbst etwas bremsen und lieber ein, zwei Wochen später wieder einsteigen und nicht zu früh.

Haben Sie sich denn frühzeitig entschieden, wo Sie ihre Karriere beenden wollen?
Ich bin eigentlich davon ausgegangen, die in Dortmund ausklingen zu lassen. Aber das hat sich Jens Lehmann sicher auch gesagt.

Und wenn die Dortmunder Finanzen zu einem anderen Ergebnis kommen?
Im Sommer kann das dann in aller Ruhe ausdiskutiert werden.

Autor: rk

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