In UEFA-Cup sowie DFB-Pokal jeweils in der zweiten Runde ausgeschieden und in der Bundesliga lediglich auf Platz acht, hat der FC Schalke in der abgelaufenen Hinrunde zur Saison 2003/04 nahezu sämtlich Ziele verfehlt.

SCHALKE 04 - Verkorkste Zwischenbilanz erst auf der Zielgeraden geschönt

hb
30. Dezember 2003, 18:02 Uhr

In UEFA-Cup sowie DFB-Pokal jeweils in der zweiten Runde ausgeschieden und in der Bundesliga lediglich auf Platz acht, hat der FC Schalke in der abgelaufenen Hinrunde zur Saison 2003/04 nahezu sämtlich Ziele verfehlt.

In UEFA-Cup sowie DFB-Pokal jeweils in der zweiten Runde ausgeschieden und in der Bundesliga lediglich auf Platz acht, hat der FC Schalke in der abgelaufenen Hinrunde zur Saison 2003/04 nahezu sämtlich Ziele verfehlt.

”Die Punktzahl geht gerade eben so”, mag sich Manager Rudi Assauer über die 24 Zähler aus 17 Partien nicht recht freuen. ”Der Aufwärtstrend ist unverkennbar, die Mannschaft hat meine Philosophie vom Fußball erkannt und setzt sie peu à peu um”, bemüht sich Trainer Jupp Heynckes dagegen, die jüngste Entwicklung hervor zu heben und zum Maßstab für die Rückrunde zu nehmen.

Denn erst im Dezember konnte seine Truppe das korrigieren, was sie in den Monaten zuvor verbockt hatte.

Immerhin nutzten die Königsblauen ihr ”Nachsitzen” im UI-Cup und tingelten über Moldawien, Tschechien und österreichische Provinz in den Europapokal. Trainer Jupp Heynckes, zu seinem Amtsantritt als neuer Messias gefeiert, wagte sich dabei auf gefährliches Parkett. Weil die Vorbereitung auf die Bundesliga und darin das Revier-Derby gegen Borussia Dortmund absolute Priorität genoss, ließ der Fußball-Lehrer im Wechselspiel zwischen internationalem Hilfs-Wettbewerb und Meisterschaft kräftig rotieren. Ein gewagtes Spiel, das zunächst gut ging. Heynckes‘ veränderte von heute auf morgen seine halbe Mannschaft, hielt dabei sämtliche zur Verfügung stehenden Spieler bei Praxis und Laune. ”Wir befanden uns im Umbruch. Das erforderte Zeit und Geduld”, klärt der S04-Coach auf.

Anstatt sich aber vom Einzug ins internationale Geschäft und dem spektakulären Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Dortmund beflügeln zu lassen, ließen die Leistungen im Laufe der Zeit immer mehr nach. Spielerisch armselig wie ausgerechnet der von den Fans mit Pfiffen ”gefeierte” UI-Cup-Sieg gegen Pasching war auch zuvor der glückliche Last-Minute-Sieg gegen Köln sowie die folgenden Liga-Heimspiele gegen Frankfurt, Rostock und zuletzt Wolfsburg. ”Wir haben es in der Hinserie kaum geschafft, mal ein Spiel über 90 Minuten am Stück konzentriert zu sein. Die Partie gegen Wolfsburg spiegelt unsere Gesamtsituation wider. Wir lassen uns immer wieder durch Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen. Das haben wir in der Hinserie zu oft erlebt”, bemängelt Keeper Frank Rost. ”Wir hatten Höhen und Tiefen, gute und nicht so gute Spiele. Von daher kann man nicht zufrieden sein”, bestätigt Kapitän Tomasz Waldoch.

In der Abwehr viel zu oft ungeordnet, im Mittelfeld ohne Kreativität, vorne ohne Torjäger und in der gesamten Mannschaft keine echte Führungsfigur zu erkennen: Das Schalker Spiel blieb Stückwerk. Hoffnungsvolle Talente wie Shooting Star Hamit Altintop oder der aus der Not seiner Kollegen geborene neue Torjäger Mike Hanke stehen erst am Anfang ihrer fußballerischen Entwicklung. An ihnen die Hoffnungen auf eine glorreiche Schalker Zukunft fest zu machen, geht an der Wirklichkeit vorbei. Einstige Größen bekommen kein Bein mehr auf die Erde (Ebbe Sand), sind verletzte (Jörg Böhme) oder haben den Verein mit eingezogenem Schwanz verlassen (Emile Mpenza).

Heynckes, aus der spanischen Primera Division verwöhnt, musste alsbald erkennen, dass seine Vision vom Fußball auf Schalke nicht umzusetzen war. Beim Training behandelte der 58-Jährige seine Spieler teils wie Schüler, unterbrach einfachste Übungen schon mal im Minutentakt. ”Seit Saisonbeginn arbeiten wir sehr akribisch in Organisation und Methodik. Alle Dinge, die wir auf dem Trainingsplatz erarbeitet haben, kommen jetzt zur Geltung”, notiert Heynckes im Spätherbst. ”Die Wende war das Bayern-Spiel. Dieser Sieg hat uns neu motiviert und die Gewissheit gegeben: Wenn du München schlägst, kannst du alle schlagen”, nickt Gerald Asamoah.

Zwar folgte das bittere Aus in Kopenhagen, doch die Mannschaft zeigte Rückgrat und zog sich binnen 72 Stunden aus dem Dreck. ”Das Schlüsselspiel war die Begegnung in Berlin, Wenn wir das verloren hätten, glaube ich, hätte es uns so wie Hertha passieren können”, mutmaßt Christian Poulsen. Doch weil bei Hertha der spontane Befreiungsschlag gelang, ”haben wir wenigstens noch den Anschluss geschafft und eine Perspektive für die Rückrunde”, analysiert Waldoch die Lage.

So gehen Mannschaft und Trainer nun mit der Aussicht ins neue Jahr, eine verkorkste Halbserie noch retten zu können. ”Mit 24 Punkten haben wir noch alle Möglichkeiten”, glaubt Rost. Das ist in der Sache richtig. Allerdings lassen die bisher gezeigten Leistungen daran zweifeln, dass Schalke in der Rückrunde noch drei Plätze gut machen kann. Dürften die ersten vier Ränge an die in der aktuellen Tabelle führenden Klubs vergeben sein, ist den dicht vor den Blauen liegenden Teams mehr zuzutrauen. Bochum und Wolfsburg besitzen das bessere spielerische Potenzial, Dortmund immerhin den größeren Kader. Weil der Fußball aber nicht nach den Regeln der Wahrscheinlichkeits-Rechnung funktioniert, darf der FC Schalke nach eineinhalb mageren Jahren gerne auch mal wieder positiv überraschen. Und wann könnte es passender sein als zum 100-jährigen Vereins-Jubiläum?

Der FC Schalke in der Hinrunde zur Saison 2003/04
Gegner H/A Ergebnis Tore Zusch.
Bundesliga
Dortmund H 2:2 Altintop (2) 61.014 (a)
1860 München A 1:1 Rodriguez
1.FC Köln H 2:1 Agali, Altintop 61.027 (a)
Werder Bremen A 4:1 Agali
VfB Stuttgart H 0:0 61.266 (a)
SC Freiburg A 2:1 Rodriguez
Eintr. Frankfurt H 1:1 Rodriguez 61.266 (a)
Hannover 96 A 1:2 Asamoah, Rodriguez
VfL Bochum H 0:2 61.176
Hamburger SV A 2:2 Matellan, Glieder
München H 2:0 Hajto, Kamphuis 61.266 (a)
Leverkusen A 3:1 Hanke
Hansa Rostock H 0:1 61.266 (a)
Hertha BSC A 1:3 Kamphuis, Waldoch, Asamoah
M´Gladbach H 2:1 Seitz (2) 61.266 (a)
Kaiserslautern A 0:2 Asamoah, Agali
VfL Wolfsburg H 1:1 Altintop 59.775

DFB-Pokal
TSV Aindling A 0:3 Sand, Trojan, Rodriguez
SC Freiburg A 7:3 n.V. Poulsen, Pinto, Trojan

UEFA-Cup
Kamen Ingrad A 0:0
Kamen Ingrad H 1:0 Hanke 52.600
Bröndby IF H 2:1 Hanke (2) 50.038
Bröndby IF A 5:2 i.E. Agali

UI-Cup
Dacia Chisinau A 0:1 Czimmor
Dacia Chisinau H 2:1 Sand, Hanke 56.255
Slovan Liberec H 2:1 Trojan, Asamoah 52.288
Slovan Liberec A 0:0
SV Pasching A 0:2 Altintop, Agali
SV Pasching H 0:0 56.067

Autor: hb

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