Ob in der Bundesliga oder in der Landesliga - hinsichtlich den Konsequenzen bei sportlichem Misserfolg sind die Mechanismen immer dieselben: Ein neuer Trainer muss her. Auch Frank Truschko von Westfalia Wickede (Landesliga 3) schaffte vergangene Saison mit seiner Truppe den souveränen Aufstieg aus der Bezirksliga, konnte in der Landesliga aber nie an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen. Vor allem die gezeigten Leistungen ließen die Alarmglocken bei den Verantwortlichen des Vereins lauter werden. Letztlich kam es zu einer „einvernehmlichen Trennung“ zwischen Verein und Trainer Truschko. Eine Woche später stellte Wickedes Sportlicher Leiter, Klaus-Dieter Friers mit Rainer Mattukat einen adäquaten Ersatz vor (wir berichteten). Revierkick.de-Mitarbeiter Nils Heimann sprach mit dem neuen Übungsleiter über seine Beweggründe das Amt zu übernehmen, über den Zustand der Mannschaft und über die Zukunftsaussichten.

Im Interview: Rainer Mattukat (Trainer Westfalia Wickede)

"Die Landesliga wurde wahrscheinlich unterschätzt"

08. November 2006, 16:35 Uhr

Ob in der Bundesliga oder in der Landesliga - hinsichtlich den Konsequenzen bei sportlichem Misserfolg sind die Mechanismen immer dieselben: Ein neuer Trainer muss her. Auch Frank Truschko von Westfalia Wickede (Landesliga 3) schaffte vergangene Saison mit seiner Truppe den souveränen Aufstieg aus der Bezirksliga, konnte in der Landesliga aber nie an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen. Vor allem die gezeigten Leistungen ließen die Alarmglocken bei den Verantwortlichen des Vereins lauter werden. Letztlich kam es zu einer „einvernehmlichen Trennung“ zwischen Verein und Trainer Truschko. Eine Woche später stellte Wickedes Sportlicher Leiter, Klaus-Dieter Friers mit Rainer Mattukat einen adäquaten Ersatz vor (wir berichteten). Revierkick.de-Mitarbeiter Nils Heimann sprach mit dem neuen Übungsleiter über seine Beweggründe das Amt zu übernehmen, über den Zustand der Mannschaft und über die Zukunftsaussichten.

revierkick.de: Hallo Herr Mattukat. Sie waren zuletzt sehr erfolgreich bei Borussia Dröschede, ebenfalls Landesliga, als Trainer tätig, legten ihr Amt aber zum Ende der vergangenen Saison nieder und haben jetzt bei Westfalia Wickede angeheuert. Wie kam der Kontakt zu den abstiegsgefährdeten Wickedern zustande?

Mattukat: In erster Linie durch meinen Nachfolger als Trainer bei Borussia Dröschede, Christian Hampel. Er kennt Wickedes sportlichen Leiter Klaus-Dieter Friers gut und als der einen Nachfolger für Frank Truschko suchte, fiel auch mein Name. Dann hat Herr Friers den Kontakt zu mir hergestellt. Aber auch Marco Schott, mit dem ich schon beim Lüner SV zusammengespielt habe, hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Verbindung realisiert wurde.

revierkick.de: Haben Sie ihr Engagement an bestimmte Bedingungen geknüpft?

Mattukat: Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe sogar noch Abstriche gemacht, da der Verein durch den Bau der neuen Kunstrasen-Anlage finanziell auch nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Ich habe mich aber vor meiner Zusage gründlich über die Mannschaft informiert und gesehen, dass da einige Leute sind, die guten Fußball spielen können. Sicher ist der relativ hohe Altersdurchschnitt und die teilweise mangelnde Fitness nicht förderlich für das Leistungsvermögen der Truppe, aber gerade an Letzterem muss jetzt hart gearbeitet werden. Über das Sportliche hinaus zeigt aber das gesamte Umfeld des Vereins überdurchschnittliches Engagement und bietet so auch langfristig Perspektiven - dafür muss man aber erstmal in der Landesliga bleiben.[infobox-right]Zur Person:
Name: Rainer Mattukat
Alter: 41 Jahre
Beruf: Krankenpfleger im EVK Castrop-Rauxel
Stationen als Spieler: bis zur B-Jugend TuS Eving-Lindenhorst, A-Jugend bei Borussia Dortmund, dann fünf Jahre Senioren bei BG Schwerin, dann fünf Jahre SF Oestrich, zwei Jahre TuS Eving, zwei Jahre Lüner SV
Stationen als Trainer: Sechs Jahre Borussia Dröschede, davon zweieinhalb Jahre als Spielertrainer, aktuell BV Westfalia Wickede[/infobox]

revierkick.de: Gibt es eine Vereinbarung mit der Vereinsführung über diese Saison hinaus – gegebenenfalls auch bei Abstieg –, oder sind Sie nur als „Feuerwehrmann“ gekommen?

Mattukat: Das kann ich nicht sagen, aber wenn wir absteigen sollten, haben wir nicht gut gespielt. Und wenn wir nicht gut spielen, habe ich schlecht gearbeitet. Wir müssen aber erstmal vernünftig weiterarbeiten und wenn wir eine Chance sehen, werden wir auch personell noch nachlegen.

revierkick.de: Sie sind jetzt knapp zwei Wochen im Amt. Wie gut konnten Sie die einzelnen Spieler bis jetzt kennen lernen?

Mattukat: Nach so kurzer Zeit ist die Kennenlernphase natürlich noch nicht abgeschlossen, aber ich konnte schon wichtige Eindrücke, vor allem von der Fitness der einzelnen Spieler, sammeln. Aber auch bezüglich der Frage, wer welche Positionen bekleiden kann, waren die zwei Begegnungen gegen Günnigfeld und Eving sehr aufschlussreich. Nächsten Sonntag wird die Mannschaft mit Sicherheit ein anderes Gesicht haben.

revierkick.de: Wo sehen Sie die Stärken bzw. Schwächen ihres neuen Teams?

Mattukat: Die Abwehr ist relativ stabil und dort wird es erstmal auch keine Veränderungen geben, aber im Mittelfeld und im Angriff sehe ich die Probleme. Wir haben in den letzten zehn Begegnungen nur acht Treffer erzielt und das ist einfach zu wenig, aber vielleicht kann uns da mein alter Verein Dröschede kurzfristig weiterhelfen. Dort gibt es einige Spieler aus dem zweiten Glied, die gut zu uns passen würden.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_149.jpg Will die Mannschaft wieder nach vorne bringen: Wickedes neuer Trainer Rainer Mattukat.[/imgbox]

revierkick.de: Gegenüber den Ruhrnachrichten sprachen Sie von konditionellen Mängeln der Mannschaft. Das bedeutet ja, dass sich die Spieler in keiner guten körperlichen Verfassung befinden. Wurde ihrer Meinung nach in dieser Hinsicht von ihrem Vorgänger schlecht gearbeitet?

Mattukat: Da kann man dem Frank Truschko nicht alleine die Schuld für geben, sondern muss auch die älteren Spieler in die Pflicht nehmen. Wenn man in der Vorbereitung Turniere und Testspiele, auch gegen höherklassige Gegner, gewinnt, anstatt zu trainieren, müssen auch die Erfahrenen mal ihren Mund aufmachen. In der Vorbereitung muss man einfach irgendwann mal schwere Beine haben. Außerdem wurde die Landesliga wahrscheinlich unterschätzt.

revierkick.de: In der Szene spricht man davon, dass ihre Abwehrspieler zu alt und damit zu langsam seien. Würden Sie das so unterschreiben?

Mattukat: Marcel Städter ist ja noch nicht ganz so alt und Markus Görtz hat mit seinen 38 Jahren immer noch eine super Einstellung und gibt immer 100 Prozent. Außerdem weiß er genau was er kann und was nicht. Dazu passt unser Libero Jens Müller bestens, denn er ist ein super Typ. Da sieht die Sache im Mittelfeld ganz anders aus. Dort sind einige Spieler mit läuferischen Defiziten, die einfach die Wege, die ich von einem Mittelfeldspieler verlange, nicht gehen können. Wenn du von denen gleich zwei, drei in der erste Elf hast und dann auch noch Stürmer, die zurzeit das Tor nicht treffen, dann wird es eben eng.

revierkick.de: Herr Friers hat gegenüber revierkick.de davon gesprochen, dass der erfahren Martin Wiercimok nach überstandener Verletzung zu ihrem Kader stoßen wird. Wie ist da der Stand der Dinge?

Mattukat: Er will und soll erstmal in Ruhe fit werden. Daher wird es wohl in der Hinserie mit ihm nichts mehr werden. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass Abstiegskampf, rote Asche und Martin Wiercimok nicht wirklich zusammenpassen. Aber für danach, wenn wir – wovon ich ausgehe – da unten raus sind, kann man ihn sicher gut gebrauchen.

revierkick.de: Eine letzte Frage: Wenn Sie die freie Auswahl hätten, welche(n) Spieler würden Sie gerne in ihrem Team sehen?

Mattukat: Da würde ich für das Tor gerne Dröschede-Keeper Mathias „Matze“ Müssig haben. Der hat einen guten Körper und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Für den Angriff fallen mir auf Anhieb zwei gute Leute ein: Zum einen der Evinger Denis Boutagrat, und der ehemaligen Mengeder Dominik „Apo“ Behrend, der extrem lässig, aber, wenn es wichtig wird, auch ziemlich abgeklärt zu Werke geht.

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