Wer Ruhe mag, wird Jörg Böhme hassen. Auch im fortgeschrittenen Alter hat der einstige Exzentriker nicht den Spaß an schrillen Tönen verloren.

Bielefeld: Sohn Erik tritt bei der Arminia in Böhmes Fußstapfen

Lieber verhasst als angepasst

gri
07. März 2008, 09:07 Uhr

Wer Ruhe mag, wird Jörg Böhme hassen. Auch im fortgeschrittenen Alter hat der einstige Exzentriker nicht den Spaß an schrillen Tönen verloren.

Doch der Ex-Schalker polarisiert mit seiner Art, und das will er auch. Das macht ihn zugleich beliebt und verhasst, aber auch das ist er lieber als angepasst zu sein. "Ich bin ruhiger geworden, aber ehrlich bleibe ich trotzdem", betont der 34-Jährige.

Die Bielefelder haben sich damit arrangiert, dass Überraschungsmomente auf dem Platz nur in Verbindung mit denen abseits des Rasens zu bekommen sind. Und sie profitieren durchaus von Böhmes Kreativität. Der Linksfuß tut dem komplett Star-freien Kader gut, deshalb wurde sein auslaufender Vertrag unlängst bis 2009 verlängert. "Ich fühle mich wohl, meine Familie und ich haben uns in Steinhagen eingerichtet. Es ist doch super, direkt vor der Haustür Bundesliga spielen zu können", berichtet Böhme.

Und es passt gar nicht so zum Image des unsteten Lebemannes, doch der Sachse ist tatsächlich ruhiger geworden. "Es wird immer gesagt, der Böhme ist verrückt. Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin jemand, der seinen Emotionen freien Lauf lässt, das brauche ich für mein Spiel. Aber außerhalb des Feldes hat sich vieles geändert."

Vielleicht auch wegen seiner Vater-Rolle: Sohn Erik kickt ähnlich erfolgreich wie sein alter Herr, im Sommer kommt er ins Jugend-Internat der Arminia. "Er hat das Talent, ich habe den Willen", grinst Böhme. Wohl wissend, dass sich die Beiden nicht mehr im Profi-Fußball begegnen werden - zumindest nicht als Spieler.

Doch der WM-Teilnehmer von 2002 plant schon die Zeit nach der Karriere. Und auch die hat etwas mit Fußball zu tun: "Ich will auf jeden Fall meinen Trainerschein machen. Vielleicht werde ich irgendwann eine A-Jugendmannschaft übernehmen." Der Schlawiner als Schleifer? Irgendwie kann man es sich nicht so recht vorstellen. Doch Böhme hat bewiesen, dass er wandelbar ist.

Autor: gri

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