Wind, Regen und nur fünf Grad Celsius, Wilko Risser könnte sich etwas anderes vorstellen. Nämlich für Namibia beim Afrika-Cup zu spielen, statt sich im winterlichen Deutschland mit Schalkes Reserve auf die restliche Rückrunde in der Oberliga Westfalen vorzubereiten.

Schalke II: Gelsenkirchen statt Ghana

Risser: "Ich wäre gerne dabei"

hb
25. Januar 2008, 09:13 Uhr

Wind, Regen und nur fünf Grad Celsius, Wilko Risser könnte sich etwas anderes vorstellen. Nämlich für Namibia beim Afrika-Cup zu spielen, statt sich im winterlichen Deutschland mit Schalkes Reserve auf die restliche Rückrunde in der Oberliga Westfalen vorzubereiten. "Keine Frage, ich wäre natürlich gerne in Ghana dabei", gibt der Stürmer zu.

Es hatte nicht sein sollen. Noch bis Dezember hatte Risser auf eine Nominierung für die Meisterschaft des schwarzen Kontinents hoffen dürfen. Als der Holländer Arie Schaans kurz vor Weihnachten die Nachfolge von Ben Bamfuchile als Trainer der Nationalmannschaft übernahm, war der Traum für ihn vorbei. "Nun sind Spieler dabei, die vorher noch nie das Trikot Namibias getragen haben", wundert sich Risser, der in Windhoek aufwuchs und mit 19 das frühere Deutsch-Südwest-Afrika verließ.

Der mit Abstand bekannteste Akteur im Trikot der "Brave Warriors", der mutigen Krieger, ist Hamburgs Colin Benjamin. In Deutschland weniger bekannt ist Rissers Bruder Oliver, der zum Auftakt der Afrika-Meisterschaft eine 1:5-Niederlage gegen Marokko schlucken musste. "Oliver hat mir danach eine SMS geschickt und geschrieben, dass das wohl nichts war", berichtet Wilko, der das Desaster seiner Landsleute nur zum Teil am heimischen Fernseher erlebte. "Nach einer halben Stunde habe ich ausgemacht, ich musste zum Training."

Wenn die Auswahl Namibias am heutigen Donnerstag zum zweiten Vorrunden-Match der Gruppe A gegen Gastgeber Ghana antritt, dann ist seine Hoffung auf eine Überraschung klein. "Ein Punkt wäre schon eine Sensation. Dass wir uns überhaupt für den Afrika-Cup qualifiziert haben, war ja schon eine riesige Überraschung, als wir den Kongo und Äthiopien hinter uns gelassen haben", meint Risser. "Man muss auch die Relationen betrachten. Namibia ist zwar ein großes Land, aber dort leben nur gut zwei Millionen Bürger. Profistrukturen werden dort erst langsam aufgebaut, die meisten Nationalspieler sind in Südafrika am Ball", erläuert der 25-Jährige. "Zum Vergleich: Kamerun, das gegen Ägypten verloren hat, hat zum Beispiel über 40 Millionen Einwohner. Da ist es schon deutlich einfacher, elf gute Fußballer zusammen zu bekommen"

Er selbst möchte seine kuriose Länderspiel-Karriere noch nicht abhaken. Durch Zufall war er im vergangenen Jahr Auswahlkicker geworden. Im Juni hatte er in Namibia Urlaub gemacht, dabei eines Tages seinem Bruder beim Training der Nationalelf zugeschaut und war von Bamfuchile zum Mitkicken eingeladen worden. Als er in einer Testpartie zwei Tore schoss, war er plötzlich Nationalspieler und durfte beim Qualifikationsmatch für den Afrika-Cup gegen den Kongo mitwirken. Die Chancen auf weitere Einsätze schätzt Risser inzwischen als gering ein.

Autor: hb

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren