Der Paukenschlag sitzt. Die Mannschaft der Spielvereinigung Erkenschwick ist wieder in einen Trainings-Streik getreten. Grund: Seit zwei Monaten sollen wieder einmal keine Gehälter bezahlt worden sein. Wie schon im September sehen die

Erkenschwick: Spieler-Boykott und Cup-Aus ärgern Wölpper vor dem Derby

RS-Kommentar: "Alles beim Alten"

tr
03. November 2007, 20:49 Uhr

Der Paukenschlag sitzt. Die Mannschaft der Spielvereinigung Erkenschwick ist wieder in einen Trainings-Streik getreten. Grund: Seit zwei Monaten sollen wieder einmal keine Gehälter bezahlt worden sein. Wie schon im September sehen die "Stimberger" keine andere Möglichkeit, als den Boykott: "Einige Leute haben bei uns seit Monaten keinen Cent gesehen und können sich die Fahrtkosten zum Training dadurch nicht mehr leisten", erklärt Defensiv-Spezialist Thomas Falkowski:

"Da wir eine echte Einheit sind, haben wir uns beraten und sind dann zum einstimmigen Entschluss gekommen, gemeinsam an dieser Aktion teilzunehmen." Die Geschlossenheit seines Teams hat besonders Trainer Manfred Wölpper immer eingefordert. Doch gerade für den Fußballlehrer ist der neuerliche Zustand ein Schlag ins Gesicht. Denn am Donnerstag Morgen unterzeichnete er noch einen neuen Zwei-Jahresvertrag. "Er wollte uns damit ein Zeichen geben, dass es weiter geht", hat die Truppe um Torwart Pascal Kurz den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. "Aber das ändert nichts daran, dass es sich einige nicht leisten können."

Wölpper selbst will von einem Nackenschlag nichts wissen: "Ich habe Vertrauen in den Vorstand. Zusammen mit dem Beirat haben sie mir das Konzept vorgestellt. Ich habe vor der Unterzeichnung zwar Wert auf meine Absicherung gelegt, aber man hat mir glaubhaft versichert, dass es weiter geht und dass wir in naher Zukunft keine Liquiditätsprobleme mehr haben." Den Schritt der Mannschaft kann der ehemalige Bochumer nachvollziehen: "Das Vertrauen haben die Jungs derzeit leider nicht. Das ist natürlich wieder einmal eine negative Geschichte, die uns nicht gut tut. Das kann kein Dauerzustand sein."

Doch uneingeschränkt will Wölpper die Reaktion nicht hinnehmen: "Wir haben die Spieler zu Recht über den grünen Klee gelobt. Es ist ein Verdienst des Teams, dass es so gut läuft. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass der Verein vielen Akteuren gut getan hat." Der Ex-Hülser konkretisiert: "Außer Pascal Kurz, der mit Sprockhövel ein wunderbares Jahr hinter sich hatte, haben wir im Sommer auch viele Jungs geholt, die eine schwierige Zeit erlebt hatten. Den Spaß haben sie bei uns wiedergefunden, deshalb finde ich den erneuten Boykott unglücklich."

Unglücklich verlief auch das Kreispokal-Match in Waltrop. Gegen den Bezirksligisten lief aufgrund des Streiks "nur" die Reserve auf und verlor 2:3 (Tore: Mirko Eisen und Julian Kaczmarek). "Es hätte sowieso weitgehend die Zweite gespielt, aber einige Leute aus der Ersten wären dabei gewesen", ist Wölpper über das Aus enttäuscht. "Denn man muss die Verhältnismäßigkeiten sehen. Wenn man die Einheiten boykottiert ist es das eine, aber ein Spiel ist schon etwas anderes. Wir haben jetzt einen Pokalfight gegen Münster, den wir durch die Niederlage im nächsten Jahr nicht mehr. Dadurch geht uns auch ein warmer Geldregen durch die Lappen."

Gleiches soll am heutigen Sonntag aber nicht mit den Punkten passieren. Denn beim Derby in Herne will Wölpper die Bilanz weiter fortführen und ungeschlagen bleiben: "Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Mirko Mustroph. Er stand über fünf Jahre an meiner Seite und kommt meiner Philosophie sehr nahe. Der Schlager wird eine spannende Geschichte. Die Finanz-Sache ist jetzt zwar nicht förderlich gewesen, aber wir wollen unsere Serie halten, auch wenn Herne gerade zum Höhenflug angesetzt hat."

Kommentar von Thorsten Richter Alles beim Alten

Es war wohl zu schön. Die Erkenschwicker eilten von Sieg zu Sieg, die finanziellen Engpässe gerieten angesichts des sportlichen Höhenflugs ins Hintertreffen und am "Stimberg" schien alles geordnet zu sein.

Doch wie sollte es bei der Spielvereinigung auch anders sein: weit gefehlt. Seit der letzten Zahlung, die Mitte September erfolgte, soll kein Cent mehr geflossen sein. Da monatliche Ausgaben von etwa 22.000 Euro diskutiert werden und der Club mindestens zwei Aufwandsentschädigungen im Verzug ist, würde nach Adam Riese ein Euro-Loch von etwa 60.000 Euro existieren. Und darin sind die Prämien noch nicht mit eingerechnet. Da die Spielvereinigung seit 13 Pflichtspielen bis zum 2:3-Kreispokalaus gegen Waltrop ungeschlagen war, würde noch einmal eine ordentliche Summe hinzu kommen.

Und die Verantwortlichen schieben nach wie vor fehlende Sponsorenzahlungen als Begründung an. Doch das scheint mehr denn je eine Hinhalte-Taktik zu sein, da die ausstehenden Gelder immer weiter anwachsen und keine erkennbare Aussicht auf Besserung besteht. Der neugeschaffene Beirat, der mehr Transparenz in die Finanz-Lage des Clubs bringen sollte, hat allerdings auch noch keine Zahlen präsentiert, so dass immer noch Unklarheit über die genaue Verschuldung herrscht. Damit ist doch wieder alles beim Alten – schade für die Mannschaft und die Fans, denn auf deren Schultern wird das Chaos nach wie vor ausgetragen.

Autor: tr

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