Nach Schalkes Europa-League-Aus gegen Ajax wartet RB Leipzig in der Liga.  Sportvorstand Heidel kontert die Kritik am Einsatz des angeschlagenen Leon Goretzka.

Schalke nach Ajax-Schock

Kaum Zeit zur Frustbewältigung

Thomas Tartemann
21. April 2017, 21:04 Uhr
Foto: Firo

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Nach Schalkes Europa-League-Aus gegen Ajax wartet RB Leipzig in der Liga. Sportvorstand Heidel kontert die Kritik am Einsatz des angeschlagenen Leon Goretzka.

Am Tag nach dem Europa-League-Aus gegen Ajax Amsterdam fühlte sich jeder Meter auf Schalke an, als hätten Fans, Spieler und Verantwortliche eine Bleiweste übergezogen. Das 3:2 (2:0, 0:0) nach Verlängerung bot zwar mitreißenden Fußball der Königsblauen, aber nach dem 0:2 im Hinspiel reichte die erhebliche Leistungssteigerung nicht für das Halbfinale. Der Frust sitzt tief.

„Die Nacht war kurz und mit vielen Gedanken verbunden“, gibt S04-Trainer Markus Weinzierl zu. Auch Sportvorstand Christian Heidel kam nicht zur Ruhe. „Ich habe kurz, aber nicht gut geschlafen. Irgendwann habe ich den TV-Nachrichtenkanal angeschaltet, um mich abzulenken.“ Besser wurde es dadurch auch nicht.

Heidel beschreibt das Ajax-Aus mit einem Vergleich aus dem Angelsport: „Wir hatten sie am Haken und haben sie wieder runterfallen lassen.“ Jetzt muss Schalke sich selbst wieder raufziehen. Die Zeitspanne zwischen Frustbewältigung und dem Erwecken neuer Lebensgeister ist kurz. Am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) kommt mit RB Leipzig eine Spitzen-Mannschaft in die Veltins-Arena. Ausgerechnet vor dem Duell mit den schnellen, lauf- und spielstarken Messestädtern hat Schalke viel Kraft gelassen. Markus Weinzierl: „Wir haben uns sehr ausgepowert und gehen auf dem Zahnfleisch. Wir müssen alle Kräfte bündeln.“

Sead Kolasinac, der mit zwei Vorlagen gegen Amsterdam ein starkes Comeback feierte, plagen nach wie vor muskuläre Probleme. Ob die kurze Regeneration für den 23-Jährigen reicht, bleibt abzuwarten. Kapitän Benedikt Höwedes beißt mit Unterbrechung des Darmstadt-Spiels seit Wochen wegen Hüftproblemen auf die Zähne.

Mittelfeld-Antreiber Leon Goretzka musste gegen Ajax vorzeitig ausgewechselt und zur Sicherheit im Krankenhaus untersucht werden. „Leon ist zur Halbzeit in der Kabine der Kiefer eingerenkt worden. Ich stand einen Meter daneben“, sagt Heidel. Die Tatsache, dass Goretzka trotz Schmerzen sofort wieder raus wollte und kurz danach auch das Schalker Führungstor erzielte, ist ein Musterbeispiel für Einstellung. Aufgekommene Kritik, wonach Schalke seine Spieler angeblich verheizen würde, kontert Heidel entschieden: „Der Vorwurf, wir würden die Gesundheit unserer Profis aufs Spiel setzen, ist dummes Zeug. Wenn Leon sich in der Kabine übergeben hätte, wäre er sicherlich nicht mehr zur zweiten Halbzeit raus gegangen.“

Ärzte entscheiden über Einsatz

Am Freitag machte Goretzka einen stabilen Eindruck. „Er hatte nachts gut geschlafen, aber die Ärzte werden entscheiden, ob er Sonntag spielen kann“, sagt Weinzierl. Für Schalkes Sportliche Leitung geht es jetzt darum, die hängenden Köpfe der Spieler wieder hochzubekommen und die leeren Akkus wieder aufzuladen. „Ich mache mir weniger Sorgen um das Mentale“, meint Sportvorstand Heidel und sagt: „Wenn du 120 Minuten in der Europa League spielst, hinterlässt das physische Spuren. Wir müssen das bis Sonntag wieder hinbekommen und eine ähnliche Atmosphäre wie gegen Ajax Amsterdam erzeugen. Die Zuschauer haben gegen Amsterdam ein feines Gespür gezeigt. Wir sitzen alle in einem Boot.“

In 450 Bundesliga-Minuten bis zum Saisonende hat Schalke noch Gelegenheit, aus dem Mittelmaß heraus zu kommen und sich erneut für Europa zu qualifizieren. Dass beim Hinspiel in Leipzig (1:2) die Schwalbe von RB-Stürmer Timo Werner der Anfang vom Schalker Ende war, zieht Christian Heidel nicht als Motivationshilfe heran: „Der Junge hat einen Fehler gemacht. Er hat dazu gestanden. Für mich ist das Thema damit abgehakt.“ Ob Schalkes harter Fan-Kern das im Duell mit dem polarisierenden Klub ähnlich entspannt sieht, bleibt abzuwarten.

Autor: Thomas Tartemann

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