Als ihn die Schalker als neuen Stürmer vorstellten, bekam er zu hören: „Guido wer?“

Schalkes Guido Burgstaller

Vom Landburschen zum Malocher

15. März 2017, 21:46 Uhr
Foto: firo

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Als ihn die Schalker als neuen Stürmer vorstellten, bekam er zu hören: „Guido wer?“

Mittlerweile ist Guido Burgstaller ein Publikumsliebling. Der Österreicher brauchte nur neun Wochen, um Skeptiker zu überzeugen. Seine Zahlen: zwölf Pflichtspiele, sechs Tore, eine Vorlage. Die Königsblauen setzen auch heute Abend (21.05 Uhr/Sky und Sport1) im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League in Mönchengladbach große Hoffnungen in ihren Knipser. Der Stürmer soll Schalke nach dem 1:1 im Hinspiel in die nächste Runde schießen.

Burgstaller bringt neben der erforderlichen Explosivität eine große Portion Gelassenheit mit. Der Kärntener ist ein typisch österreichischer Landbursche, achtet auf gesunde Ernährung, lässt sich von seiner Mutter mit selbstgemachter Marmelade und Brot aus der Heimat versorgen. Die Produkte bringen Freunde mit, die Burgstaller bei Schalke-Spielen besuchen.

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„Beim 3:0 gegen Augsburg, bei dem mir mein erster Bundesliga-Doppelpack gelungen ist, waren auch Freunde aus Österreich da. Ich habe ihnen mein Trikot geschenkt. Eigentlich habe ich immer getroffen, wenn jemand von Zuhause im Stadion war. Ich werde mir also für Donnerstagabend in Mönchengladbach etwas einfallen lassen“, sagt Burgstaller mit Blick auf das dritte Treffen mit Gladbach binnen elf Tagen.

Für eines seiner großen Arm-Tattoos nahm der Torjäger viereinhalb Stunden Zeit in Kauf. Burgstaller verteilte die Malerarbeiten auf mehrere Tage, hat jetzt aber genug Farbe am Körper. Er hat in seiner Laufbahn auch Grenzen überschritten. Bei einer Beach-Volleyball-Party in Klagenfurt wurde er im Sommer 2012 wegen Ordnungsstörung von der Polizei kurz verhaftet. Burgstaller zog seine Lehren daraus und macht seitdem das, was er am besten kann: Tore schießen. Ein gesunder Lebenswandel und die richtige Ernährung, gepaart mit hundertprozentiger Einstellung – so stürmt Burgstaller, der sich selbst auf dem Platz als „Drecksau“ bezeichnet, in die Herzen der Schalker Fans.

Sportvorstand Christian Heidel über den Winter-Einkauf: „Guido ist vom Typ her straight. Er lächelt ein bisschen in sich hinein. Burgstaller ist ruhig, aber in unserer Mannschaft sehr beliebt. Wir wollten jemanden, bei dem man nicht das Gefühl hatte, dass alles total neu ist.“ 1,5 Millionen Euro zahlte Schalke für den Stürmer an den 1. FC Nürnberg – und kam damit anderen wie Leipzig sowie Mönchengladbach zuvor, die ihn für den kommenden Sommer als ablösefreien Zugang auf der Liste hatten. Schalke brauchte Soforthilfe und nutzte die Chance. „Selbst mit Nebengeräuschen wird die Summe, die Nürnberg von uns bekommt, unter zwei Millionen Euro bleiben“, so Heidel.

„Damals Raúl, jetzt Guido“
Dass einige Kritiker anfangs die Nase rümpften, weil der Name Burgstaller so gar nicht für Glanz steht, kann Heidel sogar nachvollziehen. „Vor ein paar Jahren hat Raúl auf Schalke gespielt. Jetzt holen wir Guido Burgstaller. In der Winterpause stand aber bei uns kein zweistelliger Millionen-Transfer zur Debatte. Wir wollten einen Spieler, dem wir weder die Sprache noch den Verein erklären müssen. Und wir wollten einen, für den Schalke besonders ist. Genau das strahlt Guido aus.“

Heute will Burgstaller, der von Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller nach fast einjähriger Pause für das WM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien (24. März) nominiert wurde, wieder knipsen. Für Schalke. „Ich bin stolz, für den Klub zu spielen“, sagt er. Und lebt es auf dem Platz vor.

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