Ulrich Homann und Jörg Seveneick wollen ein Buch unter dem Motto „von Fans für Fans“ über die schönsten Erinnerungen über die Schalker Eurofighter schreiben.

UEFA-Cup-Sieg 1997

Schreibt auf, wenn ihr Schalker seid!

Stefan Bunse
24. Januar 2017, 17:59 Uhr
Foto: firo

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Ulrich Homann und Jörg Seveneick wollen ein Buch unter dem Motto „von Fans für Fans“ über die schönsten Erinnerungen über die Schalker Eurofighter schreiben.

Unter anderem melden sich auch Kult-Reporter Werner Hansch, der das Finale damals kommentieren durfte und der Schalker Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann zu Wort.

Wenn erwachsene Menschen Gänsehaut bekommen, dann steckt oft der Fußball dahinter. Am Freitagabend fand in der Gelsenkirchener Kneipe Ambiente die Auftaktveranstaltung für das Jubiläumsbuch zur irren Eurofighter-Tour 1996/97 mit dem Arbeitstitel „Wir schlugen Roda: Die Geschichte des Schalker UEFA-Cup-Sieges vor 20 Jahren“ statt. „Wir wollen ein Buch von Fans für Fans schreiben“, erklärte Herausgeber Ulrich Homann. „Dafür sammeln wir Geschichten.“

Es war also eine Art königsblaues Brainstorming, das durch das Zeigen aller Tore und emotionaler Momente per Bildschirm Fahrt aufnahm. Alle Beteiligten waren 20 Jahre älter geworden. Aber bei Pils und Currywurst schwappten die Erinnerungen schnell wieder hoch. War es nicht erst gestern, als Johann de Kock die Schalker beim Fehlschuss vom Punkt im Halbfinalhinspiel beim CD Teneriffa fast zum Wahnsinn brachte? Oder Mike Büskens mit seinem Hammer bei den mitgereisten S04-Anhängern im Eisschrank von Brügge eine kollektive Ekstase auslöste?

Und Gänsehaut war garantiert. Denn Werner Hansch, der das Finale in Mailand live für das Fernsehen kommentierte, war da. Schalkes Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann war da. Und viele Anhänger, die sich manche Träne der Rührung verdrücken mussten. Auch zwei Jahrzehnte später haben die Bilder von Brügge, Trabzon und Valencia nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

„Die Spieler haben schon alles erzählt. Und jeder Schalke-Fan hat ganz viele Dinge erlebt, die ihm einfallen, wenn er an Mailand denkt. Aber wir wollen an alle Geschichten ran. Von Kerkrade bis zum Endspiel. Da liegen 1000 Dinge brach und werden an den Theken dieser Welt erzählt. Wir wollen, dass sie alle mitbekommen“, verdeutlichte Mitautor Jörg Seveneick.

Der Journalist zählte auf: „Da gibt es den Mann, der mit seiner hochschwangeren Frau nach Mailand gefahren ist und sein Kind anschließend Youri genannt hat. Oder den S04-Anhänger, der seine Oma belogen hat und statt zu ihrem 80. Geburtstag lieber über die Grenze in die Niederlande gefahren ist. Er dachte, es sei ein erstes und letztes UEFA-Cup-Spiel, das er jemals erleben würde. Die Oma dagegen würde schon noch bis zum 81. Geburtstag durchhalten.“

Schalke plauderte aus dem Nähkästchen. Und Seveneick selbst auch. „Ich durfte das Spiel bei Trabzonspor für Radio Emscher Lippe kommentieren. Die Türken haben mich dennoch nicht auf die Pressetribüne gelassen, sondern mir aus ein paar Drähten eine provisorische Leitung gelegt und mich mitten zwischen die Trabzon-Fans gesetzt.“ Dort sei er ständig beschimpft und angeschrien worden. „Nach dem zwischenzeitlichen 3:2 für Trabzon haben mich 15-jährige Mädchen angesprungen und mir fünf Finger unter die Nase gehalten.“ Sollte bedeuten: Jetzt geht ihr mit fünf Toren unter. Es kam anders. Runde für Runde steigerte sich die Schalker Mannschaft und erreichte die Endspiele gegen Inter Mailand.

Hansch, inzwischen 78 Jahre alt, erzählte, dass er nur durch eine Entscheidung des damaligen Redaktionsleiters von SAT1, Reinhold Beckmann, überhaupt an die Moderation des Rückspiels gekommen ist, die ihm später den „Telestar“ eingebracht hatte. „Eigentlich war Jörg Wontorra an der Reihe. Der war darüber auch stinksauer“, nickte Hansch.

Für ihn habe sich mit der Übertragung in Mailand aber ein Lebenskreis geschlossen. 1973 nahm er mit der legendären Anmoderation als Pferdeexperte im Schalker Stadion („Mit der Startnummer eins: Norbert Nigbur“) seinen Anfang. Nach dem Siegtreffer von Marc Wilmots zum 4:2 im Elfmeterschießen sei er sich dessen bewusst und deshalb ganz ruhig geworden.

Schalkes Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann erlebte seinen persönlichen Moment viel früher. Er war bereits 1996 für den FC Schalke 04 als Stadionsprecher aktiv und sollte auch in der ersten Runde in Kerkrade einige Worte an die S04-Fans richten. Deshalb brauchte er nicht die seinerzeit obligatorische gemeinsame Fan-Busreise mitmachen, sondern durfte individuell anreisen. „Als ich mit meinem Auto bei Roda JC Kerkrade einige Stunden vor dem Spiel auf den Stadionparkplatz fuhr, hat Huub Stevens – noch in Diensten der Gastgeber - persönlich meinen Parkschein kontrolliert“, lachte der Quatscher. „Wenn ihm etwas nicht passte, dann hat er die Fahrer von dort auch verscheucht. Ich dachte mir: Was ist das denn für ein Spinner. Bis mir jemand sagte, das sei der Trainer.“ Das Ende der Geschichte ist bekannt.

Autor: Stefan Bunse

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