Marcel Platzek setzt die Atemmaske auf. „Weißt du noch wie es geht?“ Platzek nickt.

RWE

Auf dem Laufband ins neue Fußballjahr

Philipp Ziser
10. Januar 2017, 22:10 Uhr
Foto: Rot-Weiss Essen

Foto: Rot-Weiss Essen

Marcel Platzek setzt die Atemmaske auf. „Weißt du noch wie es geht?“ Platzek nickt.

Ein paar Züge normal atmen, alle Luft ausatmen, tief einatmen, feste ausatmen. Platzek kennt die Prozedur, der Stürmer macht nicht zum ersten Mal den Leistungscheck vor Beginn der Rückrundenvorbereitung bei Rot-Weiss Essen.

Bevor die Fußballer von RWE ab Mittwoch (14 Uhr, Hafenstraße) wieder gegen den Ball treten dürfen, musste jeder Spieler dem Contilia-Herzzentrum am Elisabeth-Krankenhaus einen gut halbstündigen Besuch abstatten. Zehn Tage Pause hatten die Rot-Weissen, nach Weihnachten hatte jeder einen Trainingsplan, der sich aber „in Grenzen hielt“, wie Trainer Sven Demandt meint. Wer war fleißig, wer hat geschlampt in der Winterpause? Demandt und Athletiktrainer Alexander Ulbricht bekommen die Ergebnisse gesammelt am Mittwoch, die fließen dann „natürlich“ (Demandt) in die Vorbereitungsgestaltung mit ein. Strafen gebe es aber eher nicht. „Wenn ein Spieler nichts gemacht hat, schneidet er sich ja ins eigene Fleisch. Er muss in der Vorbereitung mehr individuell laufen und wenn er nicht fit ist, spielt er nicht.“

Zunächst geht es unter ärztlicher und sportwissenschaftlicher Aufsicht auf die Waage (wo auch der Körperfettanteil berechnet wird), dann folgt der eingangs beschriebene Test der Lungenleistung. Danach der Laktattest auf dem Laufband.

Auch Demandt musste solche Tests zu aktiven Zeiten absolvieren, aber: „Da wurde dann nicht so genau danach das Training gesteuert. Dann wusste man halt, wer fit war und wer nicht – und dann wurden doch wieder alle über einen Kamm geschoren.“

Die Testergebnisse bewertet er selbst mit Augenmaß: „Etwas kann man auch mit Willen wettmachen. Ich hatte dabei nie die besten Werte. Platzo hat sie auch nicht – aber dem kann man wirklich nicht vorwerfen, nicht genug zu laufen“, sagt er mit Blick auf den Stürmer, der auf dem Laufband schwitzt. Von zehn km/h aus steigt das Tempo in Intervallen. Alle Körperfunktionen werden über ein Gestrüpp an Kabeln und Elektroden erfasst. EKG, Puls, CO2-Abgabe. Alle drei Minuten eine Pause, in der Blut aus dem Ohrläppchen genommen wird – Laktattest. Letztendlich wird ermittelt: Wie weit oder wie lange kann ein Spieler über seine Grenzen gehen?

Ob Demandt den Test auch machen würde, fragt einer der Umstehenden. Brauche er nicht mehr, meint der Trainer schmunzelnd. „Nicht, so lange die Spieler dabei sind“, feixt ein Mitarbeiter.
Die Stimmung ist gut bei RWE, auch bei Demandt. Am Mittwoch findet die erste Trainingseinheit statt. „Wir treffen uns nach drei Wochen wieder zum Fußballspielen, es gibt Schlimmeres“, findet Demandt. Auch wenn in der Winterpause nicht viel verloren gehe, steht in der Vorbereitung natürlich auch Fitness im Mittelpunkt. „Ich bin kein Freund von reinen Laufeinheiten“, sagt der Trainer. „Aber bei Minusgraden und gefrorenem Boden muss man schauen, was überhaupt geht.“ Eine Soccerhalle ist aber schon gebucht.

Marcel Platzek steigt schließlich nach einer guten Viertelstunde vom Laufband ab, kurz bevor das Tempo auf 20 Stundenkilometer gesteigert wird. Maske und Elektroden werden vom schweißnassen Oberkörper abgezogen. Die genauen Laktatwerte gibt es noch nicht, mit seiner Geschwindigkeit liegt er aber gut im Rennen. Für den Titel des RWE-Fitness-Königs wird es aber nicht reichen: Den mannschaftsinternen Rekord hält Philipp Zeiger mit 22 km/h – und der kommt erst noch nach Platzek dran.

Autor: Philipp Ziser

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