In Trainingsklamotten betritt Marcel Schmelzer den Container am Trainingsgelände von Borussia Dortmund.

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Schmelzer über die Bayern- und BVB-Stärken

Sebastian Weßling
19. November 2016, 08:07 Uhr
Foto: firo

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In Trainingsklamotten betritt Marcel Schmelzer den Container am Trainingsgelände von Borussia Dortmund.

Lächelnd steuert der Linksverteidiger die Frau an, die am nächsten an der Tür steht, und gibt ihr höflich die Hand. Dann nimmt er sich Zeit für unser Interview. Und spricht über das anstehende Spiel gegen den FC Bayern München an diesem Samstagabend (18.30 Uhr/Sky), seine Rolle als Kapitän – und warum er sich noch immer unterschätzt fühlt.

Marcel Schmelzer, der letzte Sieg über die Bayern ist zweieinhalb Jahre her. Was macht es so schwierig?
Marcel Schmelzer: Das ist schwierig zu erklären, man muss es am besten selbst mal erlebt haben (lacht). Vereinfacht gesagt: Sie spielen an guten Tagen auf einem anderen Niveau als jede andere Mannschaft in der Bundesliga. Alle können den tödlichen Pass spielen oder anderweitig für Gefahr sorgen, und sei es nur durch ihre Laufwege. Man muss gegen sie permanent auf alles achten, ich als Außenverteidiger auf meinen direkten Gegenspieler, aber auch auf den Mittelstürmer und die, die aus dem Mittelfeld nachrücken. Das macht es extrem schwierig, aber andererseits auch so reizvoll. Gegen einen so starken Gegner als komplette Mannschaft zu bestehen, würde uns einen Riesenschwung für die restliche Saison geben.

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Wie schätzen Sie die Bayern ein?
Es heißt, sie hätten in dieser Saison ein paar Probleme, aber das lässt sich von außen schwer beurteilen. Fakt ist, sie haben nicht diese Siegesserie wie in den Jahren davor. Deswegen rechnen sich die Gegner wieder stärker etwas aus gegen sie. Und erst recht wissen wir, dass auch die Bayern nicht ganz so gerne gegen uns spielen (lacht).

Ein Gegner wird Ihr langjähriger Mitspieler Mats Hummels sein. Ist es komisch, ihn nun auf der Gegenseite zu sehen?
Mittlerweile hat man ihn ja schon häufiger im anderen Trikot gesehen. Er ist deswegen aber trotzdem noch derselbe Spieler, wir wissen also ungefähr, was er macht, wenn er ausholt. Der Außenrist ist uns bekannt (lacht).

Wie sehr fehlt er Ihnen?
Man kann nicht abstreiten, dass Mats einer Mannschaft fehlt, wenn er jahrelang ein Führungsspieler und die letzten zwei Jahre auch Kapitän war. Er hat menschlich und sportlich eine große Lücke hinterlassen. Dazu kam, dass Sven Bender erst bei Olympia war und seitdem verletzt ist. Wir alle warten fast sehnsüchtig auf seine Rückkehr, weil auch er ganz wesentlich zur Stabilität der Mannschaft beitragen kann. Allgemein konnten wir in der Defensive von den vielen Spielen, die wir hatten, bis jetzt kaum einmal zwei am Stück mit derselben Viererkette spielen. Das ist jetzt hoffentlich vorbei, und wir können uns nach und nach einspielen.

Eine Folge des Wechsels von Mats Hummels ist, dass Sie mehr Verantwortung tragen. Wie hat sich Ihre Rolle verändert?
Ehrlich gesagt, gar nicht so sehr. Auf dem Platz trage jetzt ich die Binde, wie zuvor Mats, und damit auch die Verantwortung. Aber bei uns werden traditionell mit dem Mannschaftsrat viele Sachen besprochen und auch Aufgaben dorthin übertragen.

Was bedeutet Ihnen das Kapitänsamt beim BVB?
Es macht mich sehr stolz. Ich war als kleiner Junge schon Fan dieses Vereins, bin aus der Jugend über die zweite Mannschaft zu den Profis gekommen. Deswegen ist es eine riesige Ehre, jetzt Kapitän dieser Mannschaft zu sein.

Trotzdem werden Sie oft unterschätzt. Warum eigentlich?
Das ist ja nichts Neues für mich, das ist seit meinem ersten Tag in der ersten Mannschaft so (lacht). Früher hat mich das noch mehr beschäftigt, aber mittlerweile macht es mir kaum noch etwas aus. Ich freue mich stattdessen darüber, wenn jemand zu mir kommt und sagt: „Ich habe dich falsch eingeschätzt.“ Das freut mich dann sehr, weil es mich darin bestätigt, dass ich meine Aufgaben offenbar gut mache – auch wenn viele Leute das, gerade was das Wirken nach innen angeht, gar nicht wirklich einschätzen können.

Hat dieses Unterschätztwerden auch mit Ihrer unspektakulären Spielweise zu tun?
Das ist auf jeden Fall ein Grund. Ich weiß, dass ich keiner bin, der drei, vier Spieler ausspielt und dann ein Tor schießt. Mein Ansatz ist ein anderer: Ich versuche, meine Stärken komplett auf den Platz zu bringen und meinem Gegner seine Stärken zu nehmen, ohne dass er meine Schwächen ausnutzt. Und das sorgt nun immerhin schon eine ganze Weile dafür, dass ich im Verein regelmäßig spiele und mit der Mannschaft in der Vergangenheit auch großen Erfolg hatte.

Also ist es kein Zufall, dass der BVB in den drei Bundesligaspielen, in denen Sie fehlten, nur einmal gewonnen und fünf Tore kassiert hat?
(lacht) Das zu beurteilen überlasse ich denen, die sonst auch gerne über mich urteilen. Ich konzentriere mich lieber auf den Erfolg der Mannschaft und bin, was das angeht, auch zuversichtlich.

Autor: Sebastian Weßling

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