Maik Walpurgis lebt seinen großen Traum: Seit Samstag ist der 43-Jährige Trainer eines Fußball-Bundesligisten. Der Fußballlehrer unterschrieb beim FC Ingolstadt 04 einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018.

FC Ingolstadt

Das sagt Walpurgis zum Magath-Vergleich

Krystian Wozniak
14. November 2016, 19:39 Uhr
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Maik Walpurgis lebt seinen großen Traum: Seit Samstag ist der 43-Jährige Trainer eines Fußball-Bundesligisten. Der Fußballlehrer unterschrieb beim FC Ingolstadt 04 einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018.

Mit 18 Jahren musste Walpurgis nach mehreren Verletzungen seine aktive Laufbahn beenden und wurde bei seinem Heimatverein SC Herford ins kalte Wasser geschmissen: Walpurgis' erste Station war die D7 des ehemaligen Zweitligisten. Aus der D7 des SC Herford in die Fußball-Bundesliga. Nicht schlecht![infobox-right]Maik Walpurgis kann gut damit umgehen, als Ingolstadts Plan B den Sprung in die Bundesliga geschafft zu haben. Dem Vernehmen nach galt Jos Luhukay als Favorit auf die Nachfolge des entlassenen Trainers Markus Kauczinski. Weitere Kollegen, die Walpurgis ausstach: unter anderem Mirko Slomka, Michael Frontzeck, Franco Foda, Mike Büskens oder Murat Yakin.[/infobox]

Spätestens am Ende des Telefonats hat der 43-jährige Maik Walpurgis endgültig realisiert, nun Trainer eines Fußball-Bundesligisten zu sein. Das erste Interview seit seiner Verpflichtung müsse aber noch von der Presseabteilung des FCI abgesegnet werden, betont Walpurgis. Das war er bisher nicht gewohnt, denn bevor Walpurgis ein Jahr auf der Suche nach einem Klub war, trainierte der Fußballlehrer die Sportfreunde Lotte in der Regionalliga und den Drittligisten VfL Osnabrück. Und jetzt Bundesliga? „Das ist doch nicht schlecht, oder?“, sagt der Ostwestfale.

Maik Walpurgis, können Sie sich erklären, wie der FC Ingolstadt auf Sie gekommen ist?
Es ist für mich klar, dass ich mit Sicherheit nicht die einzige Idee der Schanzer war. Wenn ein Bundesligist einen Trainer sucht, dann kommt er nicht sofort auf den Namen Maik Walpurgis. Aber ich bin glücklich, dass man sich am Ende mit voller Überzeugung für mich entschieden hat.

Wie kam der Kontakt zustande?
Ich habe Mitte der letzten Woche einen unerwarteten Anruf von Harald Gärtner, Ingolstadts Geschäftsführer Sport und Kommunikation, erhalten. Danach gab es ein Gespräch mit den Verantwortlichen. Die Ingolstädter haben sich wohl sehr intensiv im Dritt- und Regionalligabereich nach mir erkundigt und dort offenbar positive Signale empfangen. Das war sehr schön zu hören. Danach ging alles schnell, am Samstag folgte die Unterschrift.

Ich weiß, dass man heutzutage als Trainer sowohl fußballerisch als auch menschlich eine hohe Flexibilität an den Tag legen muss. Und das versuche ich. Ich bin kein Herrscher-Typ, ich rede mit den Spielern. Sie können immer zu mir kommen.
Maik Walpurgis über Magath-Vergleich

Die Nächte bis zur Vertragsunterzeichnung müssen kurz gewesen sein, oder?
Ja, definitiv. Zumal ich in der Zeit auch weit fortgeschrittene Gespräche mit Arminia Bielefeld geführt habe. Doch wir hatten noch keine Einigung erzielt, als der Anruf aus Ingolstadt kam.

Bielefeld und Ingolstadt: zwei Kellerkinder. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: 2. bzw. 1. Bundesliga. Mussten Sie da überhaupt lange überlegen?
Ich bin in Ostwestfalen zu Hause. In dieser Region ist Arminia Bielefeld der Verein. Mein Vater war einst beim DSC im Aufsichtsrat. Bielefeld wäre auch eine sehr reizvolle Aufgabe gewesen. Aber der Anruf aus Ingolstadt und die Gespräche danach waren so gut, dass ich eigentlich nicht lange überlegen musste. Ingolstadt ist ein Bundesligist und ermöglicht mir diese tolle Herausforderung. Von so einer Chance habe ich immer geträumt. Dafür bin ich einfach nur dankbar und werde alles tun, damit in Ingolstadt auch in Zukunft Erstliga-Fußball zu sehen sein wird.

Dafür müsste der FC Ingolstadt Geschichte schreiben...
Ja, ich weiß, dass zu diesem Zeitpunkt der Saison ein Verein mit nur zwei Punkten noch nie den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft hat. Aber warum soll das dem FC Ingolstadt nicht gelingen? Wir müssen an das große Ziel glauben und alle Kräfte bündeln. Dann ist alles möglich. Ich will hier jeden, dem der FC Ingolstadt etwas bedeutet, mit ins Boot holen. Es geht nur gemeinsam. So haben das mein Co-Trainer Ovid Hajou und ich immer gehandhabt.

Wie wichtig ist die Person Ovid Hajou für Sie?
In diesem Geschäft benötigt jeder Trainer einen Vertrauten. Für mich ist das Ovid. Wir haben uns in Lotte kennen und schätzen gelernt. Er ist ein loyaler Partner und ungemein wichtig. Wir ergänzen uns sehr gut uns sind dadurch auch stärker.

Sie gelten als akribischer Arbeiter, aber auch autoritärer Trainer. Sind Sie ein moderner Felix Magath? Das sagt zumindest einer Ihrer Ex-Spieler.
Den Namen würde ich gerne wissen. Ich glaube nicht, dass diese Bezeichnung richtig ist. Ich weiß, dass man heutzutage als Trainer sowohl fußballerisch als auch menschlich eine hohe Flexibilität an den Tag legen muss. Und das versuche ich. Ich bin kein Herrscher-Typ, ich rede mit den Spielern. Sie können immer zu mir kommen. Das ist mir wichtig. Aber klar ist auch, dass man für den Erfolg hart arbeiten muss. Vor allem, wenn man in so einer Situation steckt, wie sie in Ingolstadt herrschte.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die Bundesliga denken?
Ich bin total fokussiert und brenne auf die Herausforderung. Die Vorfreude ist extrem. Aber worauf eigentlich? Auf die Spiele und hoffentlich viele erfolgreiche Partien. Dass die Stadien schöner und voller als in der Regionalliga oder Dritten Liga sind, ist eine schöne Nebensache (lacht).

Autor: Krystian Wozniak

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