Dem Perspektivteam III von Rot-Weiss Essen ist in der noch jungen Saison bereits ein kleiner Meilenstein geglückt:

RWE III

Weg vom Bad-Boy-Image

RS
08. November 2016, 15:30 Uhr
Foto: Rot-Weiss Essen

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Dem Perspektivteam III von Rot-Weiss Essen ist in der noch jungen Saison bereits ein kleiner Meilenstein geglückt:

Aktuell führt die Elf die Fairnesstabelle der Kreisliga C1 an. Seit der Saison 2013/2014 kicken Spieler aus dem Umfeld verschiedener sozialer Träger gemeinsam mit Freizeitfußballern in dem bereits mehrfach ausgezeichneten Inklusionsteam der Essener Chancen. Trotz teils großer Fluktuation hat die Mannschaft in dieser Zeit einen Riesensprung gemacht. „Wir sind nicht nur eine Fußballmannschaft, man lernt voneinander“, erklärt „Teddy“. Der 28-Jährige hat sich als erster Spieler überhaupt für das Perspektivteam III von Rot-Weiss Essen angemeldet und ist seitdem die gute Seele des bunt gemischten Haufens aus derzeit knapp 20 Kickern.

Anders als für einige ihrer Gegner in der Kreisliga C steht nicht der Leistungsgedanke im Vordergrund: Kameradschaft und Zusammenhalt sind Markenzeichen der Dritten. Kein Wunder also, dass Freundschaften auch abseits des Platzes entstehen. Gegründet wurde die Mannschaft Ende 2012, nachdem eine Gruppe Fußballbegeisterter aus dem Eggers Cup ein regelmäßiges Angebot machen wollte. Auf der Suche nach Unterstützern war Frank Kremer, Geschäftsführer der Prof. Dr. Eggers Stiftung, sofort klar: „Essen hat viele tolle Vereine, aber RWE ist top!“ Prof. Dr. Michael Welling, 1. Vorsitzender von Rot-Weiss Essen und Essener Chancen, zögerte nicht lange und meldete die Mannschaft zur Saison 2013/2014 in der Kreisliga an.

Der Kader setzt sich nicht allein aus Privaten zusammen, einige der Spieler kommen mit individuellen Schwierigkeiten aus dem Umfeld sozialer Träger wie Eggers-Stiftung, Haus Bruderhilfe oder Jugendberufshilfe Essen. Manche blicken beispielsweise auf Konflikte mit der Justiz zurück, andere haben Suchterfahrungen, wieder andere kämpfen mit psychosomatischen Beschwerden. Nicht selten werden die Spieler in der Gesellschaft deshalb diskriminiert oder stigmatisiert, sobald sie aber das rot-weisse Dress überstreifen, sieht das ganz anders aus: „Das ist der reguläre Spielbetrieb, keine Sonderliga“, betont Eggers-Geschäftsführer Kremer den integrativen Charakter des Projekts. Zwar werden individuelle Schwierigkeiten stets berücksichtigt, trotzdem gilt es für die Kicker, sich an Strukturen wie Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu halten und gleichzeitig von ihnen zu profitieren: „Heute Abend muss ich im strömenden Regen auf dem Platz stehen“, erklärt Kremer, „das ist für manche nicht einfach.“

Neben der Freude an Sport und Bewegung sollen die Spieler so auf ihrem Weg in gesellschaftliche Aktivitäten und ins Berufsleben positiv unterstützt werden. Lange Zeit war dabei gar nicht klar, ob das Perspektivteam überhaupt eine Saison übersteht. Inzwischen ist die Mannschaft aber nicht nur etabliert, sondern arbeitet längst am nächsten Schritt: „Wir wollten weg von dem Image: Ihr seid doch asozial“, kommentiert Benjamin de Biasi, Trainer von Team III. Trotz des teils ruppigen Tons in der Kreisliga sind die Spieler der dritten Mannschaft auf Erfolgskurs und dürfen jetzt einen besonderen Höhepunkt feiern: „Im Moment stehen wir auf Platz eins der Fairnesstabelle.“

Autor: RS

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