Der Essener Amateurfußballer Kajetan Skotnicki kämpft sich nach seinem schweren Unfall zurück auf den Platz.

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Amateurfußballer spricht über seinen Horror-Unfall

12. September 2016, 21:37 Uhr

Der Essener Amateurfußballer Kajetan Skotnicki kämpft sich nach seinem schweren Unfall zurück auf den Platz.

14. Juli 2016 – Kajetan Skotnicki will an diesem Nachmittag eigentlich nur seiner Arbeit nachgehen. Doch bei einer Fehlzündung eines geplanten Feuerwerks kommt es zur Katastrophe. Der Spieler des Heisinger SV, der für einen Feuerwerkshersteller arbeitet, verliert bei der Explosion seinen linken Arm, erleidet zudem Verbrennungen im Gesicht.

Es ist der Tag, in dem sich von der einen auf die andere Sekunde ein Leben ändert. Doch „Kajtek“, wie ihn Freunde und Mannschaftskollegen nennen, lernt schnell, mit seinem schrecklichen Schicksal umzugehen. Gleich nach dem Unfall lässt er ausrichten, dass er um jeden Preis beim Fotoshooting seiner Mannschaft Anfang August dabei sein will. Inzwischen hat er das Krankenhaus verlassen dürfen. Und strotzt vor Lebensfreude.

Im Interview mit dem Essener Fußballmagazin "Auf Asche" sprach der 27-Jährige über die ersten Momente nach dem Unfall, seinen Ausblick in die Zukunft und über seine Pläne mit dem Fußball. Und über den Liebesbeweis seiner Freundin.

Kajetan Skotnicki, wie geht es Ihnen heute?
Seit ich wieder zuhause bin, geht es mir etwas besser. Wenn ich herumlaufe oder abgelenkt bin, spüre ich nicht so starke Schmerzen. Wenn ich mich hinlege oder zur Ruhe komme, werden sie leider wieder stärker. Vom Kopf her geht es mir eigentlich sehr gut. Ich bin vom ersten Tag an davon ausgegangen, dass ich wieder der Alte sein werde. Was ich mir immer vor Augen halte: Ich habe ein Riesenglück, dass ich das Leben weiter genießen darf.

An was können Sie sich noch erinnern?
Die Explosion ist mir noch im Gedächtnis. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Notarzt kam, war ich noch bei Bewusstsein. Er hat mich dann wohl in einen sehr tiefen Schlaf versetzt. Auf der Intensivstation bin ich wieder aufgewacht. Dort hat mir dann auch eine Krankenschwester gesagt, dass die Ärzte alles versucht haben, um den Arm zu retten. Aber auch, dass es keine Hoffnung mehr dafür gibt.

Wie haben Sie reagiert?
Zuerst einmal war ich völlig geschockt. Dann habe ich mit meinem Vater und mit meiner Freundin geredet. Ab dann gab es nur noch eine Richtung: vorwärts.

Ein Bundesliga-Spieler hat offenbar Wind davon bekommen und Geld gespendet. Er hat mich aber gebeten, anonym bleiben zu können.
Kajtek Skotnicki

Was verstehen Sie darunter?
Im Grunde alles. Meinen Alltag, die Arbeit, mein Privatleben und natürlich den Fußball. Mir war sofort klar, dass ich wieder auf dem Platz stehen möchte. Seit 21 Jahren spiele ich Fußball, da möchte man so etwas nicht missen.

Wie schnell kann man sich daran gewöhnen, dass man sein komplettes Leben umstellen muss?
Das muss ja irgendwie von jetzt auf gleich gehen. Ich habe zum Glück eine sehr starke Freundin und eine sehr starke Familie, die mir helfen. Das macht vieles leichter.

Wie gehen Sie selbst mit dieser neuen Situation um?
Es ist so, dass ich mir oft die Frage stelle „Warum gerade ich?“ Am Anfang war für mich auch unklar, wie es überhaupt weitergehen und wie die Zukunft aussehen soll.

Der Verein hat die Verletzung sehr schnell publik gemacht. War das in Ihrem Sinne?
Ja, auf jeden Fall. Nach meinem Unfall wurde natürlich sehr viel geredet. Da war nicht immer die komplette Wahrheit dabei. Mein Trainer Sascha Behnke hat mich gefragt, ob es okay für mich ist, wenn er bei Facebook etwas über den Unfall und meine Verletzungen schreibt. Dadurch wurden eine Menge Leute erreicht. Das war in meinem Sinne.

Die Reaktionen kamen aus fast allen Vereinen. Wie haben Sie davon erfahren?
Auf der Intensivstation durfte ich mein Handy zum Glück benutzen. So konnte ich bei Facebook alles lesen. Um ehrlich zu sein: Dass so viel kommt, hat mich überrascht. Es war schon überwältigend, was das für Wellen geschlagen hat.

Gab es Reaktionen, die Sie besonders bewegt oder auch überrascht haben?
Es gab unheimlich viele Reaktionen, vor allem aus dem Essener Amateurfußball. Bei einer Sache musste ich allerdings zweimal hinschauen. Ein Bundesliga-Spieler hat offenbar Wind davon bekommen und Geld gespendet. Er hat mich aber gebeten, anonym bleiben zu können. Das respektiere ich natürlich.

Sie haben nach dem Unfall sehr schnell reagiert und gesagt, dass Sie unbedingt wieder Fußball spielen wollen. Viele Menschen haben sicher erst einmal andere Dinge im Kopf...
Wir waren mitten in der Vorbereitung und ich war heiß auf die Saison. Ich hatte nur Fußball im Kopf. Wie soll ich es sagen? Es ist halt mein Leben...

Als der Unfall bekannt wurde, haben Sie offen zugegeben, Zukunftsängste zu haben. Nun sind einige Wochen vergangen. Wie haben Sie Ihren Alltag und Ihre Zukunftspläne aufgestellt?
Diese Sorgen wurden mir relativ schnell genommen. Mir wurde versichert, dass man mich auf der Arbeit nicht rauswerfen würde. Und meine Freundin hat mir versichert, dass sie mich deswegen nicht verlassen wird. Sie sagte, sie liebt schließlich mich, nicht meinen Arm.

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