Rot Weiss Ahlen und der rumänische Zauberer - was wie ein fiktives Hörspiel klingt - könnte in Westfalen zur Realität werden.

RW Ahlen

Onisemiuc achtet auf die soziale Komponente

Pascal Biedenweg
31. Juli 2016, 09:43 Uhr
Foto: Micha Korb

Foto: Micha Korb

Rot Weiss Ahlen und der rumänische Zauberer - was wie ein fiktives Hörspiel klingt - könnte in Westfalen zur Realität werden.

Denn eines steht bereits nach dem 1. Spieltag fest: Die erste faust-dicke Überraschung gab es im Stadion Niederrhein zu sehen. Dort schlug die Rumpf-Truppe aus Ahlen den haushohen Favoriten aus Oberhausen mit 4:0. Rumpf-Truppe deshalb, weil die Ahlener nicht einmal die komplette Ersatzbank besetzen konnten. Vor rund einem Monat hatte Ahlen noch keinen einzigen Spieler unter Vertrag. Aber in Westfalen wissen alle bereits seit langem, was die Stunde geschlagen hat: Der RWA muss einen riesigen Umbruch verkraften. Auch der Trainer musste zwangsläufig ausgetauscht werden. Für den abgewanderten Marco Antwerpen verpflichteten die Ahlener Mircea Onisemiuc. Oni-wer? Dies fragte sich sicher der Großteil der Anhängerschaft. Selbst einige Spieler kannten den Rumänen nicht: "Ich muss ehrlich gestehen, dass ich den Trainer vorher nicht kannte und auch noch nie etwas von ihm gehört hatte," musste Doppel-Torschütze Gianluca Marzullo zugeben.

In Ahlen verdienen wir ohnehin nur zwei Nüsse und drei Bohnen
Mircea Onisemiuc (Rot Weiss Ahlen)

Doch diese Verpflichtung könnte sich für die Wersestädter nun als Glücksgriff herausstellen. Denn der ehemalige Trainer von Schwarz-Weiss Essen versteht etwas von seinem Handwerk: "Für mich ist es wichtig sich nicht immer durch subjektive Merkmale leiten zu lassen. Wann haben wir gut gespielt, wann schlecht? Das kann man so pauschal gar nicht sagen. Ich nenne mal ein Beispiel: Wir haben mit Tim Kallenbach einen jungen Mann im zentralen Mittelfeld, der in der letzten Saison bei der Reserve des MSV Duisburg wenig Spiele gemacht hat, weil er lange verletzt war. Wenn der Gegner dann mal drückt, ist es doch ganz normal, dass der Junge noch nicht das nötige Selbstvertrauen hat, um Verantwortung zu übernehmen. Dadurch ist Tim aber noch lange nicht schlecht, genauso wenig wie wir."

Trotzdem bewies der neue Ahlener-Magier auch in der Stunde seines Sieges viel Feingefühl und stellte sich vor Trainer-Kollege Zimmermann. Selbst als dieser schon längst weg gebraust war, unterhielt sich der Rumäne mit den Oberhausener-Fans um ihnen klar zu machen: "Wenn ich höre, dass nach dem 1. Spieltag bereits die Entlassung des Trainers gefordert wird, finde ich das schon enttäuschend."

Trotzdem freut er sich natürlich über diesen Sieg. Der 45-Jährige ist stolz darauf, dass die Mannschaft schon so eingeschworen wirkt: "Dass wir das in so kurzer Zeit geschafft haben, ist wirklich beeindruckend. Die Mannschaft kannte sich überhaupt nicht. Aber das ist mein Job als Trainer. Wir arbeiten extrem intensiv mit dem Ball. Es geht hier um den zwischenmenschlichen Bereich. Ich bin keiner, der mit der Peitsche auf dem Platz schwingt. Ich arbeite mit Menschen, die haben Frau und Kind zu Hause, die wollen auch mal ein bisschen Freizeit haben. Da muss ich doch auch als Trainer auf die soziale Komponente achten. Nicht falsch verstehen: Ich meine damit keinen Kuschelkurs, meine Spieler wissen wer der Chef ist. Aber meine Spieler sind wie Soldaten und diese fühlen sich wohl. Jeder Trainer macht seinen Job anders. Und das ist gut so, deshalb ist der Fußball doch auch so spannend. Die meisten Trainer sagen, dass ihre Spieler lauf- und zweikampfstark sein müssen - ganz ehrlich: Das ist doch egal, wenn die Spieler keinen Spaß mehr am Sport haben. Denn dann kann ich die anderen Attribute gar nicht mehr einschalten. Vor allem hier in Ahlen. Denn wir verdienen hier ohnehin nur zwei Nüsse und drei Bohnen."

Autor: Pascal Biedenweg

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