Sportlich ist der Weggang von Roman Neustädter für Schalke zu verkraften.

FC Schalke 04

Was S04 mit Roman Neustädter verliert

28. Juni 2016, 13:41 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Sportlich ist der Weggang von Roman Neustädter für Schalke zu verkraften.

Sead Kolasinac, Eric Maxim Choupo-Moting und Naldo dürfen nach absolviertem Leistungstest noch ein paar freie Tage genießen. Der Grund sind die Länderspiele, die das Trio in den letzten Wochen absolvierte.

Auch Roman Neustädter war mit seiner Nationalmannschaft im Einsatz, auch er hat frei - aber der Defensiv-Allrounder wird das Schalker Trikot bekanntlich nicht mehr überstreifen, sein Vertrag läuft in wenigen Tagen aus. Dass sich die Wege von S04 und Neustädter trennen, ist keine große Überraschung.

Sportlich ist der Abgang des Rechtsfußes kein großer Verlust. Heidel-Vorgänger Horst Heldt und Ex-Trainer André Breitenreiter hatten [person=1911]Neustädter[/person] zwar immer für seine Zuverlässigkeit gelobt, aber auch die Kritiker waren zahlreich: Langsamer Spielaufbau, kaum Dynamik und Aggressivität, so lautete der Vorwurf vieler Fans, die mit seiner Ausstrahlung einfach nichts anfangen konnten.

Sein Image war ein Dauerthema. "In der Öffentlichkeit wird man schnell in eine Schublade gesteckt. Gerade in der letzten Saison, da wurde viel über die 'Düsseldorf-Clique' geschrieben. Aber in dieses Klischee passe ich nicht", sagte Neustädter einmal in einem Interview mit dieser Zeitung. Doch er war so intelligent, mit seinem Ruf zu kokettieren.

Im Frühjahr schrieb er Schlagzeilen, als er Hass-Kommentare aus den sozialen Medien in einem Video aufs Korn nahm. Offen setzte er sich gegen Homophobie und Ausgrenzung ein. Seine Entscheidung für die russische Nationalmannschaft passte da auf den ersten Blick nicht ins Bild, war aber umso mutiger. Neustädter eckte an, weil er selbst Fragen stellte und nicht auswich, wenn es heikel wurde. Als er im Trainingslager vor einem Jahr von Ultra-Fans bepöbelt wurde, stellte er diese persönlich zur Rede. "Ich wollte in der angesprochenen Situation einfach nur wissen, was die Leute für ein Problem mit mir haben", sagte er später.

Ich wollte einfach noch tiefer in dieses ganze Umfeld hier um den Verein eintauchen. Erst jetzt bekommt man so richtig mit, wie verrückt hier alle sind
Roman Neustädter über seinen Umzug nach Schalke

Mit dieser Haltung sammelte er Pluspunkte. Als auf Schalke die Debatte aufkam, wo die Spieler wohnen, ging er voran. Er zog aus Düsseldorf weg und suchte sich eine Bleibe in Gelsenkirchen-Horst. "Ich wollte einfach noch tiefer in dieses ganze Umfeld hier um den Verein eintauchen. Erst jetzt bekommt man so richtig mit, wie verrückt hier alle sind", sagte er damals. Fortan zog er als Imbissbuden-Tester durchs Revier, um die beste Currywurst zu finden.

Das ist jetzt vorbei, Gerüchten zu Folge wird Neustädter demnächst bei einem der großen Klubs aus Istanbul anheuern. Mit seinen 28 Jahren will Neustädter eine tragende Rolle auf dem Fußballplatz spielen, das konnte ihm Christian Heidel bei Schalke 04 aber nicht garantieren. In der Innenverteidigung wäre Neustädter hinter Benedikt Höwedes, Matija Nastasic und Neuzugang Naldo nur die Nummer vier gewesen.

Das Gleiche gilt für das zentrale, defensive Mittelfeld. Heidel wird für die „Sechs“ zum Talente-Duo Leon Goretzka und Johannes Geis noch einen weiteren gestandenen Mann holen. Keine gute Perspektive für Neustädter, der laut Heidel im Frühling zwar ein Angebot erhalten hatte. Dann aber musste erst die Trainerfrage geklärt werden. Letztlich wurde mit Neustädters Berater Gordon Stipic geklärt, dass es nach vier Jahren auf Schalke nicht weitergeht.

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren